Review
von Leimbacher-Mario
Posterart
Der gute Osamu Tezuka (Comicbuchautor der Vorlage) hätte nur das berühmte Poster zum deutschen Sci-Fi-Epos „Metropolis“ gesehen, das mit der „Roboterfrau“, niemals den Film selbst - um dann aus seinen eigenen Gedanken, Assoziationen und Wünschen dazu dann diese Geschichte über ein hübsches Androidenmädchen und ihren jugendlichen Freund in einer futuristischen, totalitären Cyberpunk-Stadt zu formen. Das zeigt mehrere Dinge: den enormen Eindruck und Einfluss von Fritz Langs Megaprojekt, auch Jahrzehnte später noch; die grenzenüberwindende Kreativität und Macht der eigenen Fantasie; die internationalen Verbindungen des Kinos; die unendlichen Möglichkeiten von Animes.
„Robotic Angel“ aka „Metropolis (2000)“ ist also aus genug Gründen ein Must-See für Fans zweier Genres, von Animes wie von Sci-Fi-Filmen. Natürlich kommen einem vielen Muster und Abschnitte und Themen mehr als bekannt vor, von „Terminator“ über „Lucy“ bis „Stranger Things“ - bei manchem hat er abgeguckt, manches wurde mittlerweile von ihm angeguckt. Doch so ist das nunmal mit der Kunst, die immer wieder neue Sporen legt und sich ebenso von beeindruckenden Vorbildern befruchten lässt. Das nehme ich den Machern hier kaum übel, vor allem, weil der entstandene Cocktail alles andere als beliebig oder austauschbar wirkt. Das Finale ist (wie so oft bei Animes) mehr als episch, der Zeichenstil glänzt mit feinen Details, atemberaubenden Panoramen und wunderschönen Häuserschluchten, der jazzige Score ist super lässig und wirkt wohl nur auf Leute unpassend, die noch nie „Cowboy Bebop“ gesehen haben. Die Beziehung der beiden „Kinder“ ist das absolute Herz der Geschichte und das pocht laut bis zum Ende des Abspanns durch. Außerdem gibt es einige süße Robotergestalten (Albert II.), die Melancholie ist perfekt austariert und auch der Kitsch nimmt selten Oberhand. Mit „Rock“ gibt es obendrauf sogar noch einen echt erinnerungswürdigen Bösewicht, selbst wenn er (daneben) schießt wie drei Stormtrooper. Das Gesamtpaket ist daher eine vollkommene Empfehlung, künstlerisch wertvoll und durchaus emotional packend. Wenn auch nicht für jeden.
Fazit: viel mehr als nur eine schöne Ergänzung und „Trivia“ zum Fritz Lang-Jahrhundertwerk. Ein eigenständiges Sci-Fi-Opus aus vielen mittlerweile bekannten Versatzstücken von „Alita“ über „Elfenlied“ oder „Final Fantasy VII“ bis zum Klassiker selbst, jedoch nicht ohne seine eigene Seele und eigenen Gefühle und den eigenen Charme einzubringen, so etwas zeitweise wirklich Beeindruckendes und Magisches zu erschaffen. Ein intimes wie massives Gemälde und seinem „Vorbild im Geiste“ würdig.