Auch wenn der Stoff zuweilen etwas unentschlossen zwischen Kammerspiel und Thriller pendelt, - das Debüt des deutschen Regisseurs Markus Welter überzeugt durch spannende Einlagen und drei sehr überzeugende Darsteller. Einige hanebüchene Abläufe brechen dem Erstling jedoch beinahe das Genick.
Roger (Nils Althaus) wollte sich in seiner Wohnung das Leben nehmen, doch der Schuss geht sprichwörtlich nach hinten los, wodurch das Paar Chris (Stipe Erceg) und Lisa (Lena Dörrie) in der Wohnung darüber auf den jungen Mann aufmerksam wird. Nach einer durchzechten Nacht im Club mit anschließendem Autodiebstahl plant Chris einen Bankraub, welcher am nächsten Tag durchgezogen wird. Später erfahren die drei allerdings, dass beim Überfall die Frau des Direktors verblutet ist. Nun gibt es für sie kein Zurück mehr und der "Sog der Nacht" fordert seinen Preis...
Die Geschichte wird stets nah an den Figuren erzählt, wobei die eigentliche Sichtweise eher bei Roger verweilt, welcher von der schiefen Bahn auf die noch schiefere gerät, da der unberechenbare Chris stets nach vorne prescht und so handelt, als gäbe es kein Morgen mehr. Lisa ist indes eher das Bindeglied, wobei eine angedeutete Affäre innerhalb dieser Konstellation nahe liegt und kleinere Spannungsmomente zusätzlich einfließen lässt.
Nach angenehm kurzen und knackigen Figureneinführungen nimmt die Erzählung rasch an Fahrt auf, wobei das Hauptaugenmerk weniger auf Action und Blutvergießen, denn auf eine ausgewogene Rhythmik gerichtet ist. Einige ruhigere, fast poetisch anmutende Momente gehen zwar mit minimalen Durchhängern einher, doch während sich bei den Protagonisten menschliche Abgründe auftun, brillieren primär die drei Mimen mit nuancierten, durchweg authentischen Performances.
Was der Story jedoch einige Einbußen beschert, sind ein paar irrationale Verhaltensweisen, die wahrlich ins Ärgerliche abdriften, da das Verhalten des Trio phasenweise dem naiver kleiner Kinder gleichkommt. So checkt man zwischenzeitlich im Hotel ein, bucht ausgerechnet die Präsidentensuite, trägt jedoch kollektiv Schlabberlook und bezahlt dann auch noch bar aus der Beutetasche, während das Fahrzeug des Bankraubes viel zu lange betrieben wird und auf eventuelle Fingerabdrücke schon mal gar nicht geachtet wird. Als kleinen Regiefehler könnte man letztlich noch die Wahl der besagten Hotelsuite kritisieren, denn bei einem Übernachtungspreis von etwas über 2.000 Euro pro Nacht sollte man deutlich mehr als eine karge 08/15-Ausstattung mit altem Röhrenfernseher darbieten.
Ansonsten lebt der Stoff recht gut von den Charakteren und ihren jeweiligen Entwicklungen, denn auch wenn kleinere Twists erahnbar sind, ist es immer noch eine Frage, zu welchem Zeitpunkt jene aufgetischt werden, wobei sich am Ende der erzählerische Kreis in mehrerlei Hinsicht wieder schließt, was das Gesamtbild, trotz der oben erwähnten Mankos deutlich abrundet.
Unterm Strich liefert Regisseur Welter ein vor allem unterhaltsames und über weite Teile spannendes Debüt ab, welches von seinen Figuren und den überzeugenden Darstellern lebt. Zwischen Todessehnsucht und Lebenslust, zwischen Illusion und Depression, Roadmovie und Psychodrama hätten zwar einige naive Begebenheiten ausgeklammert werden können, doch die sorgfältige Inszenierung und die treffend gewählten Lokalitäten kaschieren ein paar dieser Schwachstellen. Mit rund 82 Minuten durchaus kurzweilig, so dass Freunde düsterer Kost problemlos einen Blick riskieren können.
6,5 von 10