Der Film beginnt mit einer minutenlangen Fahrt über eine einsame Straße irgendwo in der Wüste. Das Ganze wird begleitet von sehr ruhiger Musik und es wird kein einziges Wort gesprochen. Das kein Wort gewechselt wird hat mich sehr an die Anfänge der Dollarfilme von Sergio Leone erinnert. Zu Beginn weiß man auch noch nicht was das jetzt eigentlich soll oder wovon der Film handelt. Allerdings kann man schon zu Beginn erkennen, dass Gerry ein ganz langsam erzählter Film ist in dem kaum was passiert. Gerry ist ein Psychodrama, kein Psychothriller und Gerry ist auch kein Mainstreamfilm. Es ist mal was anderes, sehr interessant. Es ist eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte. Leider kennt den Film ja kaum einer und das ist schade, denn Gerry ist ein wirklich interessanter und sehenswerter Film. Was mich wundert ist, dass Matt Damon hier mitspielt. Der ist ja eigentlich mehr so ein normaler Hollywoodstar und letztes Jahr sahen wir ihn im mehrfach oscarprämierten Departed von Martin Scorsese als korrupten Bullen der seinem Gangsterkumpel Jack Nicholson geholfen hat nicht in den Knast zu kommen. In so einem anderen Film wie Gerry sahen wir ihn glaube ich noch nicht. Was für eine Rolle spielt er in Gerry? Tja, das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Man erfährt nicht so wirklich viel über seine Person. Eigentlich ist er nur ein ganz gewöhnlicher Kerl, der mit seinem Kumpel einen Ausflug in die Wüste macht. Warum eigentlich? Tja, eigentlich erfährt man gar nicht warum sie sich jetzt auf den Weg in die Wüste gemacht haben, aber das ist auch nicht wirklich wichtig. Gerry funktioniert auch so. Die Landschaftsaufnahmen hier sind wirklich toll und ließen mich an die Experimentaldoku Koyaanisqatsi denken, auch wenn man diese beiden Filme so an sich nicht vergleichen kann. Das Tempo von Gerry ist langsam, sehr laaangsam, sozusagen Schneckentempo. Einwenig erinnert das an Down by Law von Jim Jarmusch. Obwohl nach der ersten halben Stunde außer ein paar Gesprächen beim Spazieren gehen in der Einöde und beim Lagerfeuer in der Nacht überhaupt nichts passiert schafft es der Film auf eine seltsame Art und Weise zu fesseln. Er wird zu keiner Sekunde langweilig, auch nicht bei der 10-minütigen Sequenz, die nur davon handelt das Gerrys Kumpel auf einem kleinen Hügel steht und die beiden nur überlegen wie er da jetzt runterkommt, ob er springen soll oder es zu hoch ist und er sich das Bein brechen wird. Anders als beim japanischen Raigyo, der ein ähnliches Tempo vorzuweisen hat schafft es Gerry einen irgendwie doch in den Bann zu ziehen und den Zuschauer bei Laune zu halten. Es gibt eine minutenlange Sequenz in der Gerry und sein Kumpel nur nebeneinander hergehen ohne ein Wort zu wechseln und alles wurde sozusagen mit einer Kameraeinstellung abgedreht. Tortzdem schaltet der Zuschauer nicht den Fernseher aus, sondern er schaut weiter, weil Gerry irgendwie spannend ist obwohl nix passiert. Wie schon gesagt, es ist ähnlich wie bei Jim Jarmuschs Down by Law oder Stranger than Paradise die sehr spannend waren obwohl den ganzen Film über nichts aufregendes passiert. Gerry ist ein Film der etwas anderen Machart. Hier sind 2 junge Typen in der Wüste und unterhalten sich, das ist im Grunde schon alles. Einige Szenen sind praktisch Echtzeit, ähnlich Irreversibel nur halt noch anders. Gegen Ende wird der Film dann dramatisch. Die beiden Kumpels sitzen in der Wüste fest und finden keinen Ausweg und zu ihrem Auto nicht zurück. Sie bekommen Fata Morganas usw. Gerry ist ein äußerst realistischer, und gegen Ende auch sehr tragischer Film der etwas anderen Machart, der sehr interessant ist und mir gut gefallen hat.