David Fincher hat sich bis heute noch keinen Fehltritt erlaubt. Ich mag Fight Club nicht besonders, alle anderen von ihm sind super. Allen voran dieser Film hier. Als der Film im Kino wollte ich zwar gerne rein, doch ich empfand keinerlei Hype oder so etwas, wie auch sonst niemand zu der Zeit. Doch als der Film vorbei war hatte ich nur einen Gedanken – das ist mein neuer Lieblingsfilm. Viele Filme versuchten diesen hier zu kopieren, obwohl es auch schon vor Se7en solche Thriller in Hülle und Fülle gab, doch er wurde niemals erreicht. Sogar Brad Pitt ist bei mir seit diesem Film ein echter Sympathieträger.
Die Handlung kennt wohl jeder, möchte ich an dieser Stelle nicht noch mal runterleiern. Selten wurde in einem Film dieses Genres und in einem Film generell auf so viele Details geachtet. Handlungsstränge. Botschaften. Charaktertiefe. Wendungen. Viele überfordert das Große und Ganze vielleicht ein wenig – ich bin anfangs am Ende auch nicht komplett durchgestiegen, warum nun der Killer gewinnt. Aber spätestens beim zweiten Ansehen war es drin, und man kann den Film echt als Meisterwerk ohnegleichen abtun, der alles hat, was er braucht, mit aller Liebe zum kleinsten Detail, einem intelligenten Drehbuch, einer durchdachten Handlung, die sogar die kleinsten Unlogikkeiten ausmerzt, genauso wie jede Spur von amerikanischem Standardkino, so dass es mich immer wieder aufs neue wundert, dass Fincher auch in den USA so erfolgreich ist.
Ein Schauplatz ist unbequemer wie der andere, ständig fühlt man sich inmitten der verregneten Stadt, in der der Film spielt, mitten in den tiefsten und dunkelsten Abgründen der menschlichen Seele, auf jedem Foto, zu jeder Musik, zu jedem Dialog. Die Menschen scheinen wirklich ausschließlich aus Sorgen zu bestehen, der Fall zermürbt die beiden Polizisten bis zum bitteren Ende, und weder Morgan Freeman noch Brad Pitt hätten ihre Rollen besser spielen können. Auch Kevin Spacey und ausnahmsweise auch mal Gwyneth Paltrow geben ein überzeugendes Bild ihrer Person ab, man fühlt mit, man fürchtet mit, man spielt fast schon mit.
Die Spannung lässt niemals nach, von der ersten Minute bis zum Abspann kann man nicht wegsehen (es sei denn, man hat schwache Nerven, denn stellenweise ist der Film durchaus hart und blutig, jedoch ohne Holzhammereffekt). Und obwohl sich der Prozess mitunter dreht und wendet (die Wohnung des Täters wird gefunden, der Täter wird dann später verhaftet, nachdem er sich gestellt hat), ist niemals eine Resolutionsphase in Sicht. Und das Ende mit der genialen, nie erwarteten, knallharten Auflösung krönt den Film wirklich zum Thrillerkönig. Der Soundtrack ist ebenfalls gelungen, und es gibt wirklich keinen Grund, dem Film nicht die Höchstnote zu geben. Das ist filmische Allgemeinbildung!