Mit "Sieben" präsentiert David Fincher ("Fight Club") einen der herausragendsten Thriller der Filmgeschichte. Die Story um einen Serienkiller, der sein blutiges Handwerk nach den 7 biblischen Todsünden verrichtet, ist zwar anfürsich nicht sonderlich einfallsreich und ebenso wenig übermäßig komplex - aber die nahezu perfekte technische Umsetzung und ein überragendes Darstelleraufgebot machen "Sieben" zu einem einzigartig fesselnden Kinoerlebnis.
In filmtechnischer Hinsicht sei insbesondere die tolle Atmosphäre erwähnt, die durch die wunderschön trostlosen, verregneten Großstadtkulissen und den unauffälligen aber ungemein eindringlichen Soundeinsatz (Metronom, Regen) erzeugt wird. Hinzu kommen einige wirklich beeindruckende Kameraeinstellungen wie die Fahrt durch den staubigen "Strommastenwald" oder eine Überkopf-Totale auf regnerischer Leiter, die das Ausnahmetalent David Finchers zusätzlich unterstreichen; und vor allem in ihrer exakt kalkulierten Summe eine essenzielle Funktionalität ermöglichen: Der Zuschauer hat das Gefühl, wirklich mitten drin zu sein, statt nur dabei - und genau dieses Kunststück gelingt eben nur ganz wenigen, großen Filmen!
So perfekt wie sein Äußeres, so perfekt verhält es sich auch mit den schauspielerischen Werten von "Sieben". Brad Pitt und Morgan Freeman geben ein toll harmonierendes, weil wunderbar verschiedenes Cop-Duo ab, deren individuelle Charakter-Eigenschaften nicht bloss Mittel zum Zweck sind, sondern auch direkten Einfluss auf die Handlung besitzen. Ein Aspekt, der gerade beim modernen Popkornkino gerne im Tausch für eindimensionale "Typen" vergessen wird.
Gwyneth Paltrow darf im weiteren Pitts Filmfrau mimen und verkörpert diesen Part mit aller Routine, allerdings ohne dabei in den wenigen, ihr bleibenden Minuten groß aufzufallen: Eher eine für Pitt profilgebende Nebenrolle. Kaum mehr Screentime besitzt da Kevin Spacey, doch als eiskalt kalkulierender Psychopath lässt er die wenigen Filmminuten, in denen er in Erscheinung tritt, zum wahren Fest für Cineasten werden: Selten zuvor wurde das personifzierte Böse so durchdringend und überzeugend verkörpert! Eine echte Meisterleistung, die im ohnehin einzigartigen, bitterbösen Finale, den Sieg im Tode findend, ihren Höhepunkt findet.
Fazit: "Sieben" ist quasi perfekt und gehört zweifelsfrei zu jenen wenigen Filmen, die man einmal gesehen haben muss. Mich persönlich störte es ein klein wenig, daß die Kamera bei den ohne Frage üblen Tatorten doch etwas arg auf Distanz bleibt. Klar: Reine Effekthascherrei würde auch nicht zum Film passen aber ein klitztekleines Bisschen mehr Gore, zumal die Szenen stets detailliert im Wort beschrieben werden, hätte hier sicher auch im Hinblick auf die eher sporadische Action nicht geschadet - P.S: Damit meine ich nicht nähere Einblicke in die legendäre Schachtelszene...
Wie dem auch sei: Etwas actionarm, ansonsten quasi perfektes Kino mit grandioser Optik und einem Cast der höchsten Güteklasse! Empfohlen sei an dieser Stelle noch das deutsche 2DVD-Set von VCL (Platinum Edition), welches nicht nur einen tollen DTS-Ton bietet sondern u.a. auch interessante Deleted-Scenes und Storyboards.