Review

"Sieben" ist ein einzigartiger Thriller, der es schafft, durchgehend Spannung zu erzeugen.
Die Story mit ihren Morden, die auf den sieben Todsünden Maßlosigkeit, Habsucht, Trägheit, Hochmut, Neid, Wollust, Zorn baut, ist ausgezeichnet. Aber das ist ja noch nicht einmal alles, denn der Handlungsstrang umfasst später noch viel mehr Szenen. Wie es sich gehört, ist der Höhepunkt eindeutig der Schluss, welcher hier sehr pessimistisch ausfällt. Selten hat man so ein beklemmendes, gar schockierendes Ende gesehen. Man könnte an dieser Stelle noch so viel erzählen, aber das würde leider zu viel verraten.


Eine düstere, ebenfalls pessimistische Stimmung durchzieht den gesamten Film. Meist ruhige Klänge begleiten die Filmfiguren Detective Somerset und Detective Mill durch die triste Großstadt, welche hier nicht ohne Grund anonym bleibt. Es könnte jede Stadt sein; selbst die, in der man selber wohnt. Die Großstadtkritik wird aber auch später an den Dialogen zwischen den Polizisten recht deutlich. Die Menschen, die in einer Metropole leben, kennen einander nicht. Sie sind alle Individuen, die nichts mit ihren Nachbarn zu tun haben, über sie nichts wissen und von ihnen auch nichts wissen wollen. Jeder lebt nur für sich. Ist jemand in Not, interessiert es keinen. Anonymität und Egoismus beherrschen die Großstadt. Dass dies der falsche Weg für ein Zusammenleben ist, wird durch die bedrückende, schmutzige und "verregnete" Atmosphäre deutlich.

Der Dialog gegen Ende, bei dem die Polizisten auf die Intelligenz des Killers prallen, ist genial. Das schockierende und zum Nachdenken anregende daran ist aber, dass der Mörder, so psychopathisch er auch erscheinen mag, nicht immer ganz Unrecht hat. Denn wer von uns hat schon eine absolut weiße Weste? Gibt es heut zu Tage noch Unschuld in unser Gesellschaft? Hierbei merkt man auch die Kritik an der menschlichen Zivilisation, die der Film in einer gewissen Weise übt. Was hat der Mensch aus dieser Welt gemacht? Auf einer ursprünglich blühenden Erde regiert in der Gegenwart nicht nur Frieden, sondern viel mehr auch Hass und Gewalt.

Die Dialoge, die zum Nachdenken anregen sollen, sind aber nur ein Teil des Pessimismus, in dem der Film getränkt wurde.
Die Opfer wurden teilweise extrem zugerichtet oder gar verstümmelt. Insgesamt ist der Härtegrad doch recht hoch, da die Bilder und auch die Worte sich in die Psyche des Zuschauers gnadenlos hineinbohren.
Die Schauspieler komplettieren den Streifen dann zu einem hervorragenden, nahezu perfekten Werk. Morgan Freeman schlüpfte in die Haut des abgehärteten Detective. Seine jahrelange Arbeit bei der Mordkommission hat seine Gefühle weites gehend erstarren lassen. Brad Pitt verkörpert als Detective Mill den optimistischen Part des Duos. Er ist noch relativ grün hinter den Ohren, für ein witziges Sprüchlein immer zu haben und noch ein lebensfroher Mensch. Die traurige Atmosphäre der Stadt scheint den neu hinzu Gezogenen noch nicht eingeholt zu haben. Und nicht zu vergessen ist natürlich Kevin Spacey, der hier trotz seines verhältnismäßig kurzen Auftritts als intelligenter Killer seine Genialität als Schauspieler bereits unter Beweis stellt.

"Sieben" ist ein außerordentlich spannender, intelligenter, aber auch pessimistischer Thriller, der mit seinen Bildern und Worten an der Psyche des Zuschauers knabbert. Extrem zart besaitete Seelen sollten die Finger von dem Film lassen, denn...

"...Lang ist der Weg und beschwerlich, der aus der Hölle hinaus führt ans Licht."

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