"Lang ist der Weg und beschwerlich, der hinaus ins Licht führt, aus der Hölle."
David Fincher´s Sieben gilt als einer der besten Psychothriller, die jemals gemacht wurden. Perfekt besetzt, durchdacht und spannend bis zum Ende. Doch kann der Film diesem Status wirklich gerecht werden? Schafft es dieser 120 Minuten lange Streifen auf voller Länge zu unterhalten? Mit einem Wort: Ja.
Die Handlung ist relativ schnell erzählt. 2 Detectives - der alteingesessene Somerset (Morgan Freeman) und der motivierte Neuling Mills (Brad Pitt) - jagen einen Ritualmörder, der in New York sein Unwesen treibt und seine Opfer nach den 7 Todsünden hinrichtet. Dies entwickelt sich nach und nach zu einem Katz- und Mausspiel, das die 2 Hauptprotagonisten an ihre Grenzen und darüber hinaus bringt.
Die Geschichte wird spannend erzählt und zieht einen ab der 1. Minute in den Bann. Bei genauerer Betrachtung mögen einem hier und da einige Längen ins Auge fallen, da Sieben einen eher gemächlichen Erzählstil besitzt. Doch Schauspielleistung, Atmosphäre und Drehbuch machen dies mehr als nur wett.
Schauspielerisch harmoniert das Duo Brad Pitt und Morgan Freeman perfekt. Letzterer spielt den zynischen und erfahrenen Detective Somerset. Abgebrüht, aber vom Leben enttäuscht. Dieser kriegt den jungen und zielstrebigen Detectiv Mills, welcher absolut ebenbürtig von Brad Pitt verkörpert wird, an die Seite. Bei der Begehung des ersten Tatortes ist es herrlich zu sehen, wie sehr sich die beiden von ihrer Vorgegensweise unterscheiden. Somerset begutachtet den Mord auf ruhige Art und Weise, achtet auf Details und geht durchdacht vor, während Mills drauf los plappert, Theorien über den - bis dahin unbekannten - Mörder aufstellt und so für die ersten Konflikte zwischen den beiden sorgt. Doch trotz aller Meinungsverschiedenheiten zwischen den 2 ''Generationen'', raufen sie sich im Laufe des Films zusammen und versuchen den Mörder zur Strecke zu bringen. Das Zusammenspiel der beiden überzeugt auf ganzer Linie. Sie ergänzen sich und bringen gegenseitig ihre eigenen Ideen in die Ermittlungen.
Auch Kevin Spaceys Rolle ist absolut grandios besetzt und sorgt nicht nur einmal für Gänsehaut, auch wenn dessen Auftritt relativ wenig Screentime besitzt. Diese hat es aber in sich.
Gwyneth Paltrow als Mill´s ''Anhang'' bildet die einzige Ausnahme in diesem Gespann. Ihre Leistung ist okay. Allerdings schafft sie es - auf Grund ihrer mangelnden Ausstrahlung - nicht, auf dem gleichen Level wie die männlichen Protagonisten zu agieren. Erwähnen sollte man hier jedoch, dass Gwyneth Paltrow zu diesem Zeitpunkt noch sehr unerfahren war und sie ja immer noch mehr als akzeptabel spielt.
"...Die Welt ist so schön und wert, dass man um sie kämpft. Dem zweiten Teil stimme ich zu." Dieser Gedanke Somersets spiegelt die pessimistische und düstere Weltansicht wieder, welche sich durch den kompletten Film zieht. Egal ob in den eingefangenen Bildern der regnerischen Stadt, den kühlen und oft schon trostlosen Farben oder der grandiosen Soundkulisse (Metronom, Regen, Verkehrslärm,...) Es ist unglaublich, welche Atmosphäre Sieben besitzt, solange man sich davon packen lässt. Der Soundtrack ist stimmig und wird manchmal subtil und manchmal vordergründig, aber mit Bedacht eingesetzt. So mausert sich die Eröffnungssequenz, welche allein durch die Optik zu einem Augenschmauß wird, zu einem echten Erlebnis. Daumen hoch!
Auch die meist sehr kritischen Dialoge tragen ihren Teil dazu und bringen den Zuseher zum nachdenken. Nicht weil man persönlich jeder einzelnen Aussage der Charaktere zustimmen muss, sondern weil sie - trotz aller Kälte - immer erschreckend nachvollziehbar sind.
"Apathie kann eine Lösung sein. Ich meine, es ist leichter sich in
Drogen zu verlieren, als den Schwierigkeiten des Lebens zu begegnen. Es
ist leichter das was man haben will zu stehlen, als zu verdienen. Es ist
leichter ein Kind zu schlagen, als es zu erziehen. Liebe ist
anstrengend. Sie kostet Mühe und Arbeit."
Auch der Härtegrad ist nicht zu verachten. Der Zuschauer nimmt beim Großteil der Fälle nicht direkt an den Morden Teil, sondern findet die Ermordeten zusammen mit den Hauptdarstellern im Laufe der Handlung. Obwohl - im Gegensatz zu einigen Genrevertretern wie Saw - auf explizite und blutige Details verzichtet wird, fallen die Morde sehr hart und kreativ aus. Gerade weil nicht alles gezeigt wird, erscheinen die Taten des Mörders umso bestialischer, weil die Phantasie des Zuseher ihr übriges tut. (''Stich-'' wort: Prostituiertenmord) Der Film liefert nicht nur einmal heftige Schockmomente.
Abschließend bleibt zu sagen, dass wir es hier mit einem richtig großen Film zu tun haben. (In meinen Augen neben Fight Club das Beste, was David Fincher je gredreht hat) Spannend, nachdenklich stimmend, genial. Nicht jeder wird mit dem Erzählstil des Films klarkommen. Allerdings sollte man Sieben zumindestens einmal gesehen haben. Nicht nur weil es einer des besten Filme seiner Art, sondern auch einer des besten Filme der 90er ist. Auch wenn eine derartige Bezeichnung immer mit Vorsicht zu genießen ist, ist Sieben für mich jetzt schon ein Klassiker.