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Seit "Das Schweigen der Lämmer" konnte ein Thriller nicht mehr eine derartige Aufmerksamkeit auf sich ziehen, geschweige denn mit einer solch ausgeklügelten Story punkten. Die Stammt von Andrew Kevin Walker (Sleepy Hollow, 8MM), der sich einen Cameo als Leiche gönnt.
Regisseur David Fincher lieferte mit "Sieben" ein Referenzwerk ab, sein Debüt, der überaus düstere "Alien 3" sorgte leider für geteilte Meinungen. Dennoch blieb Fincher seinen Stil treu und auch hier verschlägt es den Zuschauer in eine dunkle Welt, die nichts Gutes an sich zu haben scheint. "Sieben" spielt in New York, das schlechte Wetter und die graue Stadtkulisse wirken fast schon depressiv.
Dort treffen sich der erfahrene Detective William Somerset (Morgan Freeman) und sein hitzköpfiger Nachfolger David Mills (Brad Pitt). Sieben Tage bleiben Somerset bis zur Pensionierung und um Mills auf seine Aufgabe vorzubereiten. Gerade jetzt hat ein Unbekannter mit seinem Werk begonnen, er plant sieben Menschen zu ermorden, als Basis dienen die sieben Todsünden. Können Somerset und Mills den Killer aufhalten, oder wird er sein grausames Werk vollenden?

Hier treffen zwei völlig gegensätzliche Charaktere aufeinander, eine Kooperation von Anfang an funktioniert kaum. Somerset will den Fall zunächst nicht übernehmen und scheint auch mit Großmaul Mills auf keinen grünen Zweig zu kommen. Dennoch finden die Beiden zueinander, was auch an Mills Frau Tracy (Gwyneth Paltrow) liegt, die Somerset zum Essen einlädt.
Ansonsten zeigt "Sieben" sehr realistisch den tristen Alltag der Polizeiarbeit, der Mills zu verschlingen droht. Er hat immer weniger Zeit für Tracy und die hat Probleme sich im ungemütlichen New York einzuleben und fühlt sich überhaupt nicht wohl. Aber keine Sorge wegen dieser kleinen Nebensache, Fincher konzentriert sich ausschließlich auf die Mordserie, doch die Ermittlungen gehen nur sehr zäh voran. Somerset und Mills bekommen den üblichen Klischees entsprechend keinerlei Informationen vor die Nase gelegt, sondern sie müssen sich jedes Detail erarbeiten. Besonders grausam ist die Vorgehensweise des Killers, der seine Opfer vor ihrem Tod noch massiv foltert.
Was sich jedoch als kleines Manko entpuppt, ist sein Motiv, welches mit der üblichen Geisteskrankheit abgetan wird. Auch mit welcher Perfektion der Killer das Ganze geplant hat, scheint auf den ersten Blick unmöglich. Hier hat "Sieben" auch einen kleinen Knackpunkt, dennoch vermag die Story zu überzeugen, was an vielen eigenen Ideen und Wendungen liegt.

Auch wenn man sich in einigen Szenen etwas kürzer hätte fassen können, so wissen die realistischen Ermittlungsarbeiten den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Ganz besonders gegen Ende setzt Fincher dem Ganzen die Krone auf, denn aus eigener Kraft wäre es Somerset und Mills nie möglich gewesen den Killer zu schnappen.
Die Intensität wird dadurch noch verstärkt, dass die Polizei nichts  über ihn herausfindet, nicht mal seinen Namen. Das Finale sorgt dann für eine bösartige Überraschung, die man so schnell nicht wieder vergisst und gerade hier unterscheidet sich "Sieben" von der Mainstreamware.
Mit Morgan Freeman, Brad Pitt, Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey, R. Lee Ermey und Richard Roundtree lässt die Besetzung absolut keine Wünsche offen.

"Sieben" ist ein extrem düsterer Thriller, der lange haften bleibt. Die Story hat ihre Knackpunkte, ist aber trotzdem sehr gut durchdacht und punktet mit fiesen Wendungen. Vielleicht ist der Film mit seinen guten zwei Stunden etwas lang geraten, aber Fincher gelingt es die Spannung auf hohem Niveau zu halten, den Rest besorgen die großartigen Darsteller. Nicht umsonst einer der besten Thriller aller Zeiten.

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