Review
von Leimbacher-Mario
Eine Todsünde, diesen modernen Klassiker nicht zu mögen
David Fincher ist für mich der offizielle Nachfolger von Alfred Hitchcock, der Thriller-Meister unserer Zeit. Und Sieben ist mit Fight Club sein größtes Werk. Muss ich da noch mehr sagen?
Ein nicht zu packender Serienkiller bereitet zwei Detectives Kopf zerbrechen & sicher auch ein paar Magendrehungen: pervers & fast schon morbide-künstlerisch stellt er die 7 Todsünden als Morde zur Schau...
Natürlich ist man mit Sieben aufgewachsen, bekam früh von dessen immer positiver werdenden Ruf & Mundpropaganda mit. Aber trotzdem war es immer noch ganz speziell & unvergessen ihn das erste Mal selbst zu sehen als Teen - und er hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren, hat immer noch durchschlagende Kraft & ist wunderschön. Wahrscheinlich ist sein Ansehen über die fast 20 Jahre sogar noch gestiegen, kaum einen Thriller habe ich so oft gesehen & bestaunt. Ein zeitloser Klassiker & DER Serienkiller-Film schlechthin.
Die Optik ist typisch Fincher, spätestens da hatte er sich & seine Vision vollkommen gefunden. Nie wurde Horror & Ekel so hübsch & künstlerisch anspruchsvoll dargestellt. Dazu kommt eine rohe Brutalität, eine pessimistische Atmosphäre, perverse Ideen, philosophische Denkanstöße & Schauspieler in Topform & perfekter Harmonie - auch wenn Brad Pitt als forscher Neuling & Freeman als besonnener Fast-Rentner ein sehr ungleiches, aber gerade deswegen passendes Paar sind. Ebenso passend: die dauerhaft verregnete, namenlose Stadt - eher eine Art Hölle als echte Stadt wie New York oder Chicago. Und beim Ende bleibt einem eh die Spucke weg - selten war ein Ende weniger Happy & trotzdem so perfekt. Ein mutiger Film über das Böse in unserer Welt - sowohl in Form des verrückt-schlauen Massenmörders (selten böser & beeindrucktere gespielt) als auch in dessen schon nicht aus der Luft gegriffenen Motiven.
Fazit: für mich die Nummer 1 in David Finchers ohnehin erhabenem Katalog - ein Kunstwerk morbiden Ekels!