Wer tief schürft, der findet auch kleine Gruseljuwelen bei den Mengenstarts an Videothekenware und „Session 9“ ist sicherlich einer aus dieser Kategorie.
Bereits 2001 gedreht, kam der Film mit vierjähriger Verspätung bei uns an, was eine Schande ist, denn „Session 9“ präsentiert eine gelungene Mischung aus psychologischem Horror und Geisterspuk, der seinen Reiz aus der Frage bezieht, ob die Geschehnisse in diesem Film auf Einbildung, schleichendem Wahnsinn oder übernatürlichen Einflüssen beruhen.
Kernpunkt der Handlung ist eine Gruppe von Arbeitern, die in einer stillgelegten Nervenheilanstalt schadstoff- und asbestverseuchte Decken und Wände abdecken sollen, während langsam aber sicher unheimliche Dinge Einfluß auf ihr Handeln nehmen.
Regisseur Brad Anderson, der später mit „The Maschinist“ ebenfalls auf der Seite des Psychoterrors reüssierte, schöpft hier aus dem Vollen und hält dem Zuschauer im Ungewissen.
Alles ist möglich in dieser Schar von gerade mal fünf Männern, die unter Zeitdruck das Gebäude instand setzen müssen und von denen jeder seine eigenen persönlichen Probleme mit sich herumträgt, Rivalitäten und Animositäten extra.
Schauspielerisch geradezu verschwenderisch ausgestattet mit den Serienstars David Caruso und Paul Guilfoyle, setzt besonders Peter Mullan, der den Firmenchef spielt, Akzente, die an beste „Shining“-Zeiten erinnern.
Die Spannung bezieht das Skript aus dem Verwirrspiel: einer der Männer arbeitet sich durch die auf Band aufgenommenen Sitzungen einer ehemaligen Patienten mit multiplen Persönlichkeiten (der Filmtitel bezieht sich auf die 9. und letze Sitzung), einer muß ein Familiendrama händeln, zwei weitere haben Streit um eine Freundin. In der Nähe liegt ein Friedhof mit lauter unbekannten Insassen, die Räume verbreiten eine morbide Atmosphäre, in einem Verbrennungsofen findet sich Geld, Schritte sind zu hören, man scheint nie allein zu sein.
Natürlich ist der Knackpunkt des Films wie üblich die Auflösung, die jetzt nicht so spektakulär zu sein scheint, aber trotzdem ein interessantes Licht auf das Zurückliegende wirft und wartet mit einer dennoch unerwarteten Pointe auf, die noch durch das letzte Tonband überspitzt wird. Dennoch ist nichts eindeutig, wenn am Ende scheinbar alles klar zu sein scheint.
Gedreht auf Digital Video sind besonders die Soundeffekte beachtlich, die unvermittelt dröhnenden Geräusche, die bizarre Musik, die nicht nur im Kopf des Zuschauers, sondern auch denen der Figuren zu dröhnen scheint. Und was selten der Fall ist, „Session 9“ kann wirklich Angst machen, die Sequenz, in der einer der Charaktere in der Nacht durch die leerstehenden Gänge läuft, um sich das Geld zu holen, sind tatsächlich beunruhigend und angsteinflößend.
Ausnahmsweise sind auch mal die deleted scenes von Bedeutung, denn sie beinhalten eine fast komplett geschnittene Parallelhandlung rund um eine Obdachlose und verwirrte Frau, die Zeuge der Ereignisse wird, jedoch wurde aufgrund von Verwirrungen um ihre Identität ihr Auftritt auf ein Minimum zusammengekürzt.
„Session 9“ ist eine gelungene Mischung aus Suspense und Terror und hat auch ein paar harte Szenen, konzentriert den wahren Horror jedoch auf das psychologische Feld.
Auf dem B-Sektor ausgezeichnete 8/10.