Review
von Leimbacher-Mario
Die Tatortpeiniger
Oft wird „Session 9“ vom „The Machinist“-Macher Brad Anderson als einer dieser Horror-Geheimtipps erwähnt, den man unbedingt mal gesehen haben muss, um die eigene „Wissenssammlung“ zu komplettieren, um sich seine eigene Meinung zu bilden (denn er polarisiertet durchaus). Er könne sogar mit den besten Vertretern der damals sehr angesagten J-Horror-Welle mithalten, wäre ein waschechter Creeper, der unter die Haut gehen und dort bleiben kann. Nun kam ich auch endlich in den Genuss (leider nur auf DVD, da er sich in HD sehr rar macht) - was kann die ruhig erzählte Geschichte über eine Reinigungsfirma, die ein altes, leerstehendes Irrenhaus in Rekordzeit von Asbest befreien soll und dabei ihr tödliches Wunder erlebt?
Ohne „Session 9“ wären Filme wie „Deadtectives“ oder „Grave Encounters“ sicher schwer denkbar, der Mysterythriller (passt für mich eher als waschechter Horrorfilm) hat definitiv Spuren hinterlassen und nicht ohne Grund seine hartnäckigen Fans. Die Atmosphäre ist trotz recht günstigem Look sehr dicht und düster, viel spielt sich in der eigenen Vorstellung ab, Details und Erzählungen lassen erschaudern, emotional kann das durchaus tief eindringen, danach sieht man Lobotomien wohl noch ungerner als vorher. Zudem spielt die Herrenriege sehr subtil und dennoch intensiv, die Soundgestaltung hat es in sich und man ist definitiv bis ganz zum Schluss neugierig, was denn nun die Auflösung ist. Diese hat mich dann zwar bei weitem nicht so vom Stuhl gehauen, wie erwartet oder gehofft, kann sehr ambivalent gedeutet werden, doch insgesamt hat sich das Warten und Konzentrieren gelohnt, bin ich auf meine Kosten gekommen. Der Wiederspielwert ist sicher auch hoch, dann könnte die Wertung noch was steigen, wenn man nun weiß, worauf man achten muss. Doch nach der ersten Sichtung: gut minus. Ein echter psychologischer Unruhestifter. Man sollte allerdings in der richtigen, sehr nachdenklichen, wachen Stimmung dafür sein. Und das Gegenteil moderner JumpScare-Feste erwarten. Was ein weiterer dicker Pluspunkt ist!
Fazit: jup, it's a Keeper! „Session 9“ ist einer der gruseligeren westlichen Unter-dem-Radar-Flieger der frühen 00er. Atmosphärisch 1A, ein subtiler Slowburn für aufmerksame Schauersucher. Nicht mit jedem kompatibel, aber ich mag ihn. Selbst wenn er im Endeffekt den hohen Vorschusslorbeeren als einer DER Geheimtipps in der Horrorwelt nicht ganz gerecht wird.