Review

The Salton Sea…(mit leichten Spoilern)

wirkt in den ersten Momenten wie ein Zusammenklau aus diversen genreverwandten Filmen. Hier gibt es abgefreakte Charaktere, die sich unheimlich wichtig nehmen, während sie banales Zeugs sabbeln, ganz wie im alles überschattenden „Pulp Fiction“, kurzen Lexikon-ähnlichen Einschüben außerhalb der eigentlichen Handlung und visuelle Spielereien à la „Fight Club“ oder „Spun“, wobei es auch hier einen Drogenkoch gibt, der in seinem Wohnwagen in die Luft fliegt. Ein Spruch aus „Confidence“ ist auch dabei und noch ein bisschen „From Hell“ in Form der teilweise dämmrigroten Atmosphäre. Zu allem Überfluss hat Val Kilmer dann auch noch die Synchronstimme von Johnny Depp, was dem Ganzen Drogenkram einen Hauch von „Fear and Loathing“ verpasst. Dazu kommt dann schnell noch ein bisschen Rachethriller und ein Schuss Film Noir, garniert mit den derzeitig obligatorischen Plottwists.
Wer jetzt denkt, dass das zuviel der Zutaten ist, der hat irgendwie recht, irgendwie aber auch nicht. Denn auch wenn es befremdlich ist, sich den Film immer wieder in eine neue Schublade stecken zu müssen, um ihm folgen zu können, so funktioniert er in sich doch.
Doch fangen wir mit meiner spontanen Theorie des Zusammenklauens an. Betrachtet man nämlich die Erscheinungsjahre der verschiedenen Filme genauer, so stellt man fest, dass „Spun“ und „The Salton Sea“ wohl ziemlich unbeeinflusst voneinander sein sollten, erschienen sie doch beide 2002. Bei „Confidence“ spricht der Zeitpunkt des Erscheinens sogar dafür, dass dieser der Dieb ist. „From Hell“ dann, hat nur ein Jahr vor „The Salton Sea“ das Licht der Welt erblickt und ob man sich jenen als Anleihe nehmen musste, um eine Drogenhöhle mit Rottönen zu gestalten, halte ich nicht unbedingt für zwingend.
Bleiben noch die Ahnlehnungen an „Pulp Fiction“ und „Fight Club“. Bedenkt man jedoch wie allumfassend diese beiden sind, so ist heutzutage einfach kaum vorstellbar, einen genreverwandten Film zu machen, ohne Elmente aus einem dieser beiden filmischen Wegweiser zu beinhalten.
Und wie man dem Regisseur D.J. Caruso, die deutsche Synchronstimme von Val Kilmer anlasten soll, fällt mir jetzt auch nicht mehr ein. Also vergessen wir meine ursprüngliche Idee und gestehen „The Salton Sea“ seine Eigenständigkeit zu.
In einer Sache hatte er mir sogar zu viel davon. Die Tatsache, dass Danny/Tom (Val Kilmer) Trompetenspieler ist, anstatt kleinen Jungs „mexikanische“ Gitarrengriffe beizubringen oder sich den Weltschmerz noch einmal von Sam am Klavier vorspielen zu lassen, ist zwar sicher gut gemeint, und der Klang einer einsamen Trompete verleiht dem ganzen auch genug melancholische Atmosphäre, jedoch wird das hier zunächst so in den Vordergrund gerückt, dass es einem sowohl beim Zusehen, als auch im Nachgang irgendwie aufgesetzt vorkommt. Visuell ist diese Eingangsszene, in der Danny zwischen den lodernden Flammen liegend seine Ballade bläst, hingegen ein echter Leckerbissen, der einem aber stark aufstößt, wenn man später erfährt, dass er zu diesem Zeitpunkt eine Kugel im Bauch haben soll.
Ein weiteres schönes und, wie sich später gezeigt hat, vor allem auch metaphorisches Bild war ein umgeschüttetes Bier und die in der Pfütze Wellen schlagende Tropfen. Anhand solcher Szenen kann man gut erkennen, dass Caruso einiges an erzählerischem Talent, technischen Fertigkeiten und Sinn für Ästhetik mitbringt, auch wenn er es in seinen anderen Filmen bisher nicht geschafft hat, dies vollends unter Beweis zustellen.
Schauspielerisch ist alles im grünen Bereich. Wobei mir Peter Sarsgaard als Dannys Freund Jimmy und Vincent D’Onofrio als durchgeknallter Drogendealer Winnie Pooh noch mehr zugesagt haben, als der dennoch ebenfalls sehr ansprechende Val Kilmer. Bei diesem muss man fairerweise dazu sagen, dass Maske und Requisite ihm hier nicht immer entgegenkommen. Gerade den Tatoos an seinem Armen sieht man an, dass sie unecht sind und auch die aufgestylte Frisur steht ihm nicht richtig zu Gesicht. All dies fällt natürlich auf die Glaubwürdigkeit seines Charakters zurück, ohne dass es seiner darstellerischen Leistung anzulasten wäre. Außerdem bewegt sich seine Figur in zwei widerstreitenden Welten, mit unterschiedlichen Verhaltensmustern, was eine authentische Darbietung nochmals deutlich erschwert und man deshalb mit dem Gezeigten durchaus zufrieden sein kann.
Die schon erwähnten Plottwists kommen zwar nicht total überraschend, dafür aber stimmig und dienen teilweise dazu, um dem Erzählten etwas mehr Tiefe zu verleihen und eine andere Perspektive auf den Protagonisten zu eröffnen. Zwei Dinge, die man in Filmen dieser Art leider zu selten sieht, weil sie zu oft nur auf Coolness getrimmt sind - eine Eigenschaft, die in diesem Werk zum Glück nur Bestandteil und nicht Zweck ist.
Der Film endet wiederum mit einem tollen Bild, aber leider auch unheimlich kitschig. Anstatt den Zuschauer die Eingangsfrage selbst beantworten zu lassen, wird einem die Antwort von Caruso vorweggenommen und zu allem Überfluss in derart positiven Farben und Tönen geschildert, dass einem ganz wirr im Kopf wird und man sich fragt, was man da die eineinhalb Stunden zuvor mit menschlichen Abgründen und Sinnfragen zutun gehabt hat, wenn das Leben doch sowieso eitel Sonnenschein ist.
Bleibt zur Interpretation nur noch die Frage, warum Danny/Tom seine Trompete zum Schluss im Wasser versenkt. Allerdings befürchte ich, dass es einfach nur schön aussehen sollte.

Wegen dieses flauen Abgangs bleiben dann auch nur 7/10 Punkte am Gaumen hängen.


Wem der Film gefallen hat, könnte auch Freude an den Folgenden haben:

- Desperado
- Confidence
- Das Leben nach dem Tod in Denver

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