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Jane (Edwige Fenech) ist eine verstörte, junge Frau. Nacht für Nacht wird sie von Alpträumen heimgesucht. Ist es der Autounfall, bei dem sie kürzlich ihr Kind verloren hat, der sie so aufwühlt? Der bedrohliche Unbekannte (Ivan Rassimov) mit den eisblauen Augen, der ihr überall auflauert? Oder ein verdrängtes Kindheitstrauma, das sie nicht zur Ruhe kommen lässt? Janes Lebensgefährte (George Hilton) vernachlässigt sie, wo es nur geht, ist ständig auf Geschäftsreise unterwegs und stopft sie zur Beruhigung mit „Vitamin-Tabletten“ voll. Der Besuch beim Psychiater ist wenig aufschlussreich. Schließlich lernt Jane eine Nachbarin kennen, die sie in eine okkulte Sekte einführt…

FARBEN DER NACHT von Giallo-Regisseur Sergio Martino (TORSO, DER KILLER VON WIEN, DER SCHWANZ DES SKORPIONS) ist ein Klassiker des italienischen Subgenres, wenngleich es sich gar nicht um ein reinrassiges Frauenmörderfilmchen handelt. Vielmehr ist der Krimi ein wirres Katz- und Mausspiel zwischen Wirklichkeit und Wahnsinn. Schon bald zweifelt man als Zuschauer an der Zurechnungsfähigkeit von Hauptcharakter Jane. Fabelhaft verkörpert von der sinnlichen, hinreisenden und über alle Maßen erotischen Algerierin Edwige Fenech, die für den italienischen 70er-Jahre-Krimi das war, was Jamie Lee Curtis Anfang der 80er für den US-Slasherfilm darstellte – eine Scream Queen der Superlative!
Das Verwirrspiel von FARBEN DER NACHT erinnert an Genre-Kollegen wie FOOTPRINTS ON THE MOON, DER KILLER VON WIEN oder FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT. Es geht zwar kein Frauenmörder um, dafür sterben um Jane herum etliche Leute. Der Streifen ist kein klassischer Giallo, aber mit überdeutlichen Giallo-Elementen gespickt, u.a. schiefe Kameraeinstellungen, obskure Farben, psychotisches Synti-Geschwirre und Morde im Stich- und Schlitzbereich. Mit der Schwarzen Messe, der Jane beiwohnt, wird’s dann ziemlich psychedelisch und abgefahren. Nach seinem furiosen Auftakt hat der Film im Mittelteil dann leider einen ganz schönen Hänger, gefolgt von einem Finale, das wohl am besten mit wirr, bescheuert und absurd zu beschreiben ist. Die vollbusige Brünette, die sich nicht vor Nacktszenen scheut, reißt aber so einiges raus. Auch die beiden anderen Genre-Größen – George Hilton (DER SCHWANZ DES SKORPIONS, MY DEAR KILLER) und Ivan Rassimov (SCHOCK, SPASMO) – wissen zu überzeugen.

Thrill: (+)(+)(+)(-)(-)
Blut: (+)(-)(-)(-)(-)
Edwige: (+)(+)(+)(+)(-)

Fazit:
Betörend, verstörend, giallörend. Nicht nur dank Rasseweib Edwige Fenech ein echter Hingucker!

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