Achtung! Bibel-Mel ist mal wieder unterwegs! Diesmal als bibelfester US-Soldat in Vietnam, um mit der Hilfe des Herrn einem gewissen Charlie das Licht auszuknipsen. Da auch sein bibelfester Kamerad (Chris Klein) ins Gras beißen muss, hat sich Gott wohl gedacht: "Wisst ihr was? Den Scheiß macht alleine!"
Dem erfahrenen Offizier Hal Moore (Mel Gibson) schwant Fürchterliches, als er den Marschbefehl nach Vietnam erhält. Der Militärstratege protestiert. Vergeblich. Er muss mit seinen Männern ausrücken. Am 14. November 1965 landet das 1. Bataillon der 7. Kavallerie im la-Drang-Tal. Dort werden die Soldaten bereits vom Feind erwartet. Die Übermacht der Asiaten bereitet den Amis schreckliche Verluste. Derweil kämpft Moores Frau Julie (Madeleine Stowe) an der Heimatfront: Im Army-Stützpunkt Fort Bening überbringt sie den Witwen der Gefallenen die Todesnachrichten.
Was ist in letzter Zeit bloss mit Mel Gibson (Payback) los? Früher bereitete der Mann von Down Under uns mit "Mad Max", "Lethal Weapon" und "Braveheart" eine Menge Spaß, bis er zu Gott fand. Seitdem predigt er in "Die Passion Christi" mit dem Holzhammer und lässt auch hier seine religiösen Weisheiten los. Mit Abstand einer der schwächsten Leistungen Gibsons. Madeleine Stowe (Wehrlos - Die Tochter des Generals) spielt sichtlich lustlos und kann auch in den Trauerszenen nicht überzeugen. Als Kanonenfutter haben wir dann noch "American Pie"-Veteran Chris Klein (Rollerball), der im Film ebenso auf die Bibel pocht wie der gute Mel.
Atmosphäre a'la "Platoon"? Gut insziniertes Schlachtgemetzel wie in "Der Soldat James Ryan"? Weit gefehlt! Schon allein der deutsche Titel "Wir waren Helden" ließ Böses erahnen. Und meine Vorahnung sollte leider recht behalten. Am Anfang werden ein paar Froschfresser von Charlie umgenietet. Klar, dass da die Amis her müssen. Da Mel Gibson mitspielte, konnte der Film ja eigentlich nicht so schlecht sein. Doch Mel Gibson marschiert mir etwas zu patriotisch durch diesen Möchtegern-Antikriegsfilm. Und im Gegensatz zu Tom Hanks kann man sich hier schon am Anfang sicher sein, dass ein Mel Gibson einen solchen Film überlebt. Die Kämpfe wurden zudem plump in Szene gesetzt und die Darsteller agieren genauso ratlos, wie es die echten Soldaten damals in Vietnam waren. Da werden die eigenen Leute mit Napalm weggegrillt und auf einen Granatwerfer gepinkelt. Zwischendurch diskutieren die Frauen der Soldaten noch über Waschsalons und Rassismus. Das nützt wenig, da auch der schwarze Soldat gleich niedergeballert wird und seine Frau ein Briefchen bekommt. Am Ende gewinnen die Amis zwar die Schlacht, aber wir wissen, dass sie den Krieg nicht gewonnen haben. Und nach der finalen Schlacht wird nochmal mächtig auf die Tränendrüse gedrückt. Versalzt wird das Ganze noch mit zu viel Pathos und Heulszenen. Stets flackert einem dann noch die US-Flagge ins Gesicht und sogar der Vietnamese bringt ein Fläggchen zurück auf seinen Platz. Bei so viel Heuchelei kann man nur den Kopf schütteln.
Als Mad Mel dann noch mit einer Allzweck-Ausrede seinem Töchterlein den Krieg erklärt, hätte ich beinahe schon umgeschaltet. Ich hätte dem Töchterlein das in etwa so erläutert:
"So, mein Liebes. Jetzt stell dir mal vor, dass du mit einem Gewehr durch einen Fluss gehst. Doch das ist kein Wasser, worin deine Füsse stecken, sondern das Blut deiner gefallenen Freunde. Und überall um dich herum liegen die zerfetzten Körper von ihnen und ihr Blut fließt weiterhin um dich herum. Auf einmal kommt ein schlitzäugiger Mensch auf dich zugelaufen und du erschießt ihn, wobei seine Gedärme durch die Luft fliegen. Darauf kommen noch weitere Schlitzaugen-Menschen. Früher oder später trifft dich dann eine von ihren Kugeln und dein lebloser Körper stürzt in das Blut, in dem er zuvor noch gestanden hatte. Das ist Krieg! Und jetzt schlaf gut, mein Liebes!"
Tatsache ist, dass die Amerikaner in Vietnam damals überhaupt nix verloren hatten. Doch trotzdem musste er mal wieder Welt-Bulle spielen. Dabei war der 2. Weltkrieg der bisher einzige große Krieg, den der Ami gewinnen konnte. Und das lag auch nur daran, dass er von den anderen europäischen Ländern bedingungslose Unterstützung erhielt. Gut, der Amerikaner hat uns von Hitler und seinem braunen Pack befreit... dafür sind wir ihm auch dankbar! Leider hat der Ami danach eine Art Höhenflug bekommen und dachte, dass er alle weiteren Kriege auch alleine gewinnen könnte. Jedoch hat sich gezeigt, dass er dabei jedes Mal eines aufs Maul bekommen hat und er daraus immer noch nix gelernt hat.
"Wir waren Helden" ist zwar um einiges erträglicher als "Pearl Harbor", ist aber dennoch ein langweiliges Kriegs-Drama und einer von Mel Gibsons schlechtesten Filmen noch dazu.
Bitte, Mel... leg die Bibel mal beiseite und besinn dich auf deine "Mad Max"- und "Lethal Weapon"-Wurzeln zurück!