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Es haftet dem Hollywood-Kriegsfilm schon seit Ewigkeiten der Vorwurf an, mit zu viel Patriotismus an das Thema „Krieg“ heranzutreten, und genau diesen Vorwurf versucht Randall Wallace’s „We were soldiers“ zu widerlegen. Dies gelingt ihm auch über weite Strecken, aber halt auch nur „über weite Strecken“…

Kritisch steht Randall Wallace dem Thema „Vietnam-Krieg“ keineswegs gegenüber. Weshalb ziehen die Truppen der Vereinigten Staaten eigentlich in den Vietnam-Krieg? Gibt es dafür überhaupt einen driftigen Grund? Ach, zur Hölle damit! Es ist Krieg, da werden keine Fragen gestellt! Also gesellen wir uns zu Lt. Colonel Hal Moore (Mel Gibson), der den Auftrag hat, seine Truppen in eine Schlacht im Vietnam-Krieg zu führen. Doch zunächst zeigt der Regisseur uns das Leben der Soldaten auf ihrem Stützpunkt, es wird versucht, eine persönliche Bindung des Zuschauers an die einzelnen Kämpfer herzustellen. Da sind junge Familienväter, frisch Verheiratete – ja, alles Menschen, die noch mitten im Leben stehen und noch einige schöne Jahre vor sich haben sollten. Wäre da nicht der verdammte Krieg, den Lt. Colonel Moore eindrucksvoll klischeehaft seiner Tochter zu erklären versucht.

Ich bin der erste, der das Schlachtfeld betritt, und der letzte, der es wieder verlässt!

Ja, solche Führungspersönlichkeiten brauchen wir! Was Mel Gibson da kurz vor dem Abflug in Richtung Vietnam vom Stapel lässt, ist Klischee pur, verfehlt aber irgendwie keineswegs seine Wirkung. Das weibliche Publikum denkt sich “Hach, was für ein Mann…“, das männliche Publikum ist sich sicher “Dann kann ja nix mehr schief gehen!“. Also machen sich die tapferen Mannen rund um ihren Colonel auf in Richtung Asien, den Sieg fest im Visier.

Und dann geht’s auch schon richtig los. Die ersten herben Verluste auf Seiten der Amerikaner und die Hoffnung keimt auf, dass „Wir waren Helden“ mit weniger Heldenpathos und Patriotismus ausgestattet ist als all die anderen Genre-Vertreter zuvor. Ja, eines ist Wallace gelungen, was zuvor nur selten gelang: zuzugeben, dass selbst die stahlharten amerikanischen Krieger nicht unbesiegbar sind, dass es auch auf Seiten der amerikanischen Streitkräfte Verluste gab. Er beschönt nichts, zeigt die knallharte Wahrheit: Krieg ist ein dreckiges Geschäft, das nur selten mit fairen Mitteln bestritten wird. Die Kampfszenen, die Wallace hier inszeniert, sind allesamt handwerklich sauber und über weite Strecken fesselnd und zugleich irgendwie beklemmend.

Ein weiteres beklemmendes Element erschafft der Regisseur dadurch, dass er einen weiteren Blickwinkel auf den Krieg zulässt: Er lässt den Zuschauer daran teilhaben, wie den Frauen der Soldaten die schreckliche Nachricht über den Tod ihrer Männer überbracht wird. Dieser Blick entwickelt sich zum die Gefechte begleitenden Handlungsstrang und verleiht „Wir waren Helden“ eine weitere menschelnde Komponente.

Genau in diese menschelnde Komponente fällt schließlich auch wieder jenes Phänomen in den Film ein, das man als Zuschauer schon beinahe vermisst hat…

God bless America!

Der Hang zum Patriotismus hat letztlich dann doch einen kleinen Achtungserfolg erzielt. Ein amerikanischer Kriegsfilm ohne wehende Stars and Stripes kann ja auch eigentlich kein richtiger amerikanischer Kriegsfilm sein!

Und trotz der – zwangsläufig – eingebundenen Vaterlandsliebe bleibt bei „Wir waren Helden“ der Eindruck bestehen, dass man endlich einen ehrlichen amerikanischen Kriegsfilm gesehen hat; kein unrealistisches Stück filmischen Hochglanz-Abfalls wie Spielbergs „Saving Private Ryan“, sondern einen Film, der die Grausamkeit des Krieges bewusst in den Vordergrund rückt, der versucht, zu warnen ohne dabei mit dem allzu hoch erhobenen Zeigefinger daher zu kommen. 8/10

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