Review

Blutig ist der Film und es sterben auch sehr viele Menschen. Aber ist das wirklich ein Kriegsfilm? Schwer zu sagen. Obwohl gänzlich frei von Ironie und Humor ist, wirkt er bestenfalls wie eine Parodie auf einen Kriegsfilm.

Die Ehefrauen der Soldaten sind allesamt Topmodells mit Topfiguren und Dutzenden von Kindern. Die Gören sind perfekt geraten. Im Prinzip fragt man sich nur, wieso die Väter solche Dropouts wurden, die nichts Besseres gelernt haben, als andere Menschen zu töten.

Aber was ist eigentlich Krieg?
Die Hauptfigur Colonel Moore (Mel Gibson) erklärt seiner Tochter: „Etwas das nicht vorkommen soll. Aber wenn gewisse Menschen in einem Land versuchen anderen Menschen das Leben zu nehmen, dann haben Soldaten wie dein Daddy die Aufgabe dahin zu fahren und diese Menschen aufzuhalten."

Aber was tut Daddy in Vietnam? Oder besser gefragt: Wessen Leben beschützt er dort? Sind es nicht nur die Leben seiner Soldaten, die er persönlich dort in den Dschungel gebracht hat? Oder anders gefragt: Tut das Not?
Solche Fragen sucht man in diesem Hurra-Endlich-Krieg-Film vergeblich. Warum gab es überhaupt den Vietnamkrieg? Egal. Haben die Vietnamesen nicht ein Recht darauf ihr Land zu verteidigen? Befehl ist Befehl.

Stattdessen gibt es sogar noch eine verquere religiöse Rechtfertigung. Beim christlichen Gebet bittet Moore um Beistand: „Ich bin dein Werkzeug (also hast du ja selber Schuld) in dieser furchtbaren Kriegshölle um sie (die jungen Soldaten) zu beschützen.“ Na dann darf er ja alles – oder? Und dann richtet er noch eine Bitte an Gott bezüglich der Gegner: „Hör ihre heidnischen Gebete nicht an und hilf uns diese Mistkerle zum Teufel zu jagen.“

Da muss man direkt ein zweites Mal hingucken. Steht Mel Gibson nicht vielleicht doch in einer Moschee und spielt den Hassprediger. Nein, da ist eindeutig das Kreuz. Aber gehört nicht zum Christentums die Lehre, seine Feinde zu lieben. Oder was hätte Colonel Moore mit einem wie Jesus in seiner Armee gemacht???

Es ist wirklich egal, wie man es betrachtet. So wenig selbstkritisch wie „Wir waren Helden“ ist in der jüngsten Zeit kein Film mit dem Thema Krieg umgegangen. Dabei gab es durchaus sehr gute neue Kriegsfilme wie „Black Hawk Down“ oder auch den immerhin guten „Jarhead“. Frei von Klischees, direkt am Mann und mit moderner Kriegsführung.

Nichts davon bei „Wir waren Helden“. Im Maschinengewehrsalventakt fallen Sätze wie „Ich sterbe gerne für mein Land“ und „Sagen sie meiner Frau, dass ich sie liebe“. Das sind sicherlich wahre Sätze – aber so wie sie hier inszeniert wurden – gehören sie in die Mottenkiste der Filmindustrie.

Genau wie die furchtbar übertriebene Szene in der Colonels Moores Ehefrau im Nachthemd aus dem Haus läuft und ihm nachruft „Ich liebe Dich“. Nee, das ist wirklich albern, aber immerhin die einzige Szene, in der man versteht, weshalb es den Colonel in den Krieg zieht. Diese Persil-Sauberwelt ist einfach unerträglich.

Aber trotzdem geht einem die selbstgerechte Figur des Mr. Moore gehörig auf die Nerven. Alles macht er richtig. Seine Lageeinschätzungen vor Ort sind goldrichtig. Für seine Männer ist er der beste Kamerad. Sein Mut ist heldenhaft, seine Reaktionsgeschwindigkeit und sein Umgang mit der Waffe bewundernswert. Sein Verhalten als Familienvater ist perfekt. Seine moralische Integrität unbestritten. Er ist in jeder Hinsicht Soldat, Held, Vorbild.
– Aber,Moment mal. Sind Soldaten nicht auch Menschen, die darunter Leiden, dass sie
andere töten müssen und ersaufen diese Erfahrungen mit Unmengen von Alkohol – und wie bei Platoon (spielte übrigens auch in Vietnam) zu sehen war – sogar mit Unmengen von Gras und Opium?

Nein, in Mel Gibsons „Wir waren Helden“ onanieren die Soldaten noch nicht mal. Keine Vergewaltigungen von Vietcong-Mädchen. Keine Psychosen. Alle halten ausnahmslos zusammen und grenzen noch nicht mal während der Ausbildung jemanden aus. Hahaha.

Man kann diesen Film deshalb, trotz manch beeindruckender Kriegsszenerie, wie dem Abspringen aus schwebenden Hubschraubern und dem Verbrennen von Kameraden – leider nur in die Tonne treten.
So wie hier Krieg gezeigt wird, existiert er nur in den Köpfen von alten Kriegsveteranen,
die keinen Alkohol mehr vertragen.

Unpassend ist auch der Untertitel „Kein Mann ist nur Soldat“ denn bei diesem Film gilt das ausschließlich für die Amis. Die zahlenmässig viel stärker ausradierten Vietnamesen bleiben in diesem Hetzwerk gesichtslos,geschichtslos und einfach nur „Böse“. Wie Ameisen werden sie hier zertreten und dadurch werden die anderen zu Helden.

– Dass man sich im Jahr 2002 traut so einen Film zu machen ist – bei aller Sympathie für den Beruf des Soldaten - erbärmlich.

Genauso erbärmlich wie sich Mr. Perfekt „Mel Gibson“ präsentiert, der im schlimmsten Feuergefecht - frei von jeglicher Deckung - aufrecht herumstolziert. Kritik kann ihm bekanntlich nichts anhaben, aber wie frei er von Selbstkritik ist, dass beweist er in diesem Film auf wirklich beeindruckende Weise.

Dass Mr. Ich-habe-ein-krankhaftes-Geltungsbedürfnis-Gibson dann „nur“ ein Australier ist, ist möglicherweise auch die einzige Erklärung dafür, weshalb die Amis – entgegen der Darstellung im Film – den Vietnamkrieg nicht gewonnen haben.

Jedenfalls muss diesen Film wirklich niemand gesehen haben und das schreibe ich, obwohl ich Kriegsfilme sehr gerne mag. Denn das, was hier gezeigt wird, ist etwas ganz anderes.

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