Review

Tja, nun sitze ich hier, will mein Review schreiben und bin immer noch ganz überwältigt. Selten hat mich ein Film unterhalten, nachdenklich gemacht und bedrückt. „We were soldiers“ ist ein wirklicher Ausnahmefilm, der jedem Zuschauer unter die Haut gehen sollte.
Dabei hatte ich mich nach „Im Fadenkreuz“ und „Black Hawk Down“ nur auf einen weiteren Kriegsfilm „Made in Hollywood“ eingestellt. Aber dieses Werk ist weit mehr. Vergesst Filme wie „Der Soldat James Ryan“, denn in diesem Film wird wirklich nichts beschönigt. Hier wird gezeigt wie dreckig und unfair Krieg nun mal wirklich ist.

Regisseur Randall Wallace beschäftigte sich ausführlich mit der Buchvorlage und unterhielt sich mit Veteranen des Vietnamkrieges bevor er zu drehen anfing und das merkt man.
Nachdem in einem brutalen Anfang die Machtlosigkeit der Franzosen in einem kleinen Massaker verdeutlicht wird lenkt der Film in die USA um.

Hier wird nun die Hauptfigur Lt. Colonel Hal Moore vorgestellt, der nach seiner Versetzung seine neuen Männer ausbildet. Der Film legt keinen Wert auf ein plattes Ausbildungsprogramm a la „Full Metall Jacket“, sondern zeigt die Menschen und das Leben beim Militär. So ist Moore keine unbarmherzige Kampfmaschine, sondern ein liebender Vater und Ehemann, dem die Familie über alles geht. Beeindruckend dabei die Szene, in der er mit seiner Tochter am Bett kniet, betet und man kurz auf den Kontrast Kinderschuhe und Armeestiefel eingeht. Auch während der Ausbildung wird gern mal zum Beispiel auf ein Treffen der Soldatenfrauen umgeschwenkt, welche sich gerade über ihre Männer unterhalten.

Das drohende Unheil, dass Moore ahnt, wird zu Hause an seinem Schreibtisch symbolisiert. Hier studiert er Guerillataktik und die daraus resultierenden Vorteile der Vietnamesen. Daneben liegt ein Buch mit dem Bild General Custers, der damals genau dieses 1. Batallion der 7. Kavallerie, welchem Moore nun angehört, in ein Massaker führte.

Schon bei der Ausbildung wird deutlich wie besorgt Moore um seine Männer ist. Klappen Hubschrauberabsprünge nicht wird bestimmt darauf hingewiesen und die Folgen offenbart. Dem Verantwortlichen wird der Kopf gewaschen.

Die vielleicht beeindruckendste Szene ist die Abschlussrede Moores, bevor man nach Vietnam zieht. Eindringlich macht er den Soldaten klar, dass er derjenige ist, der zuerst das Schlachtfeld betritt und der letzte ist, der es verlässt. Die Ernsthaftigkeit diese Szenerie geht durch Mark und Bein.

Kurz bekommt man auch den gewohnten Gibson zu sehen, der, als er in der Kirche zusammen mit einem weiteren Soldaten betet, Gott darum bittet die Gebete der Gegner zu ignorieren.
Des Nachts wird sich darauf aus den Häusern geschlichen, so vermeidet man den großen Trennungsschmerz vor der Abreise mit der Familie. Ein eigenartiges Gefühl, wenn man bedenkt, dass viele Frauen ihre Männer nun zum letzten Mal beim zu Bett gehen lebendig gesehen haben.

Das Szenario Vietnam beginnt mit dem Befehl für Moore in ein unerforschtes Gebiet zu fliegen und dort halt alle Feinde zu töten. Was sich wie ein einfacher Befehl anhört führt zu einer Schlacht, die 3 Tage dauern soll. Denn als man im Feindgebiet ankommt bricht schon bald die Hölle los.

Mit nie gesehener Intensität wird der Krieg hier wiedergegeben. Dabei werden die Soldaten nicht, wie so oft, zu amerikanischen patriotischen Helden (eine Ausnahme) erhoben, sondern bleiben normale Menschen die einfach nur zusammen mit ihren Freunden ums Überleben kämpfen.
Ständig sterben auf beiden Seiten Soldaten, überall hämmern Gewehrsalven ein, Schreie und Explosionen erhellen den Tag wie auch später die Nacht.

Doch man lässt nun kein eindimensionales Dauergeballer wie in „Black Hawk Down“ vom Stapel, sondern nutzt Verfremdungseffekte und Kontraste. So wird in vermeintlichen Atempausen in die USA rübergeblendet, wo Soldatenfrauen die Totentelegramme ihrer gefallenen Männer entgegennehmen müssen. Diese Szenen entspannen nicht vom Kriegsschauplatz, sondern lassen den Kloss im Hals noch weiter anschwellen.
Im Gefecht selber hantiert der Regisseur mit Slowmotions, welche oft durch bestimmte Geräusche begleitet werden. So sieht man in Zeitlupe die Rotoren eines Hubschraubers und nur die Geräusche dieser Maschine oder man blickt einen schießenden Soldaten an, worauf man nur die herabfallenden Patronenhülsen hört. Auch die stellenweise traurige und melancholische Musik erzeugen eine eigenartige Stimmung, die ich sonst nur aus „Apocalypse Now“ kannte.

Zudem gibt es auch eine dokumentarisch anmutende Situation, in der einfach eine Abfolge von realen Schwarzweißfotos eingeblendet wird, die das Grauen des Krieges noch weiter verinnerlichen.

Aber „We were soldiers“ zeigt nicht nur die direkten Gefechte, sondern auch die Taktiken beider Seiten. Es werden die Strategien der Vietnamesen wie der Amerikaner gezeigt, wo bei immer wieder Platz für einzelne Charaktere bleibt. Sogar die Vietnamesen werden mit Bilder ihrer Frauen und Tagebuch als einfache Menschen dargestellt. Eine Seltenheit in amerikanischen Vietnamkriegsfilmen. So trauern am Ende nicht nur amerikanische, sondern auch vietnamesische Witwen.

Großes Lob auch an den Kameramann der dem Werk das DSF Motto „Mittendrin, statt nur dabei“ verleiht. Mit hektischer, wackeliger und schwenkender Kamera glaubt man sich mitten im Geschehen zu befinden und versinkt dabei vor Fassungslosigkeit fast im Kinosessel. In Explosionen fliegen Tote durch die Gegend und Feuerschneisen lassen Dutzende von feindlichen Soldaten schreiend verbrennen.

Bei einer dieser Szenen, findet man auch die böseste des Films. Weil ein Napalmangriff falsch koordiniert wurde , landen ein paar Bomben in den eigenen Reihen. Während man nun versucht die schreienden und brennenden Kameraden zu retten schießen die Vietnamesen gnadenlos auf die verbleibenden, zappelnden Männer. Als man dabei versucht einen verbrannten Mann wegzutragen zieht man ihm das verbrannte Fleisch von den blanken Knochen. Noch geschockt von dieser Szene offenbart sich sein völlig deformiertes Gesicht, dem alle Konturen fehlen. Ein Anblick den man vielleicht nie vergisst.

Das Gefühl sich im totalen Chaos zu befinden wird dabei immer Aufrecht gehalten, denn man kann nie sagen, dass und ob ein Soldat wirklich sicher ist. Die Vietnamesen dringen einmal sogar bis zu Moore selbst durch. Szenen zum raschen durchatmen gibt es somit fast nie. Bilder wie das gemeinsame Anpinkeln eines Mörsers, weil der zu heiß geworden ist lockern das Geschehen aber dankbar etwas auf.

Nach etlichen Verlusten auf beiden Seiten findet die Schlacht in einem finalen und überraschenden Angriff der Amerikaner ihren Abschluss. Der gewiefte Taktiker Moore kann dank überraschender Luftunterstützung das Schlachtenglück wenden. Hart, wenn 20 Gegner auf einmal blutig mit Miniguns niedergestreckt werden.

Alles andere als patriotisch präsentiert sich auch das Ende. Die Szene in der eine blasse und zerrissene amerikanische Fahne im Vordergrund weht, während im Hintergrund ein Leichenberg von Vietnamesen zu sehen ist, verfehlt genau so wenig seine Wirkung wie das letzte Gespräch zwischen Moore und dem Journalisten, als sie beide Tränen in den Augen haben. Diese wäre nun auch ein passender Abschluss für den Film gewesen, aber leider hängt man noch ein Familienhappyend daran, dass unpassend zum Film zu fröhlich geriet.
Dennoch wird es nach dem Film keine Helden geben, denn jeder ist nach der letzten Nacht ein seelisches Wrack, dass dringend Erholung braucht.

Interpretationswürdig ist die allerletzte Szene des Films, in der Gibson andächtig vor dem Denkmal der gefallenen amerikanischen Soldaten steht. Sieht man hier den scheinbar nicht gealterten Moore oder den respektvollen Auftritt Mel Gibsons? Ich tippe auf letzteres, obwohl Gibson Australier ist.

Schauspielerisch darf man keine Glanzleistungen erwarten, denn der Film ist ein Chaos. Hier werden die Figuren zur Nebensache. Dennoch überzeugt Mel Gibson, als Mann mit Prinzipien und viel Mut, der aber auch Gefühle zeigen kann. Vor allem seine Rede vor dem Einsatz geht unter die Haut. Kritisieren könnte man wenige Ramboallüren, da Gibson im Film schon mal recht locker den einen oder anderen Gegner niedermäht.
Unvergesslich ist aber für mich Sam Eliott als Plumley. Der ewig schlechte gelaunte Mann hat mit seiner knorrigen Art schon bei der Ausbildung die wenigen Lacher im Film inne. Im Kampf selber ist er aber ein Fels in der Brandung und gleicht einer imposanten Statue. Nur mit einer Pistole bewaffnet wehrt er sich gegen den Gegner.

„We were soldiers“ ist ein neuer, ganz heller Stern am Antikriegshimmel, den man gesehen haben sollte. So ehrlich und schmutzig wurde der Krieg bisher nicht gezeigt und wird er in absehbarer Zeit auch nicht.
Wer aber nach dem Kinobesuch grölend aus dem Kino rennt und brüllt „Boa geil! Voll viele Ballereien! Voll viele Toten!“ hat es übrigens wirklich nicht verstanden.
Dies ist kein Unterhaltungsfilm, sondern eine Darstellung der Unmenschlichkeit im Krieg.

Fazit:
Intensiver, extrem atmosphärischer Kriegsschocker, der wahrlich nichts für schwache Nerven ist. Nie wurde der Krieg so drastisch und ehrlich inszeniert. Über eine dünne Story darf und kann man sich da nicht beschweren, da so die Magie des Films verfliegen würde. Ich hätte nie gedacht, dass man so was in Hollywood wirklich fertig bringen würde. Da verzeihe ich sogar die zwei- bis dreimal auftauchende Flagge. Man hat sich zurückgehalten und mit Realismus überzeugt. Ganz großes Lob!

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