Um erstmal eins klarzustellen: Alle Kritiken, die "We were soldiers" des typischen amerikanischen Patriotismus, wie z.B. in Pearl Habour, bezichtigen, kann man getrost vergessen, denn sie sind schlichtweg unüberlegt geschrieben. Genauso sollte man den deutschen Titel, in dem das Wort "soldiers" mit "Helden" übersetzt wurde, nicht allzu ernst nehmen.
Bei dem Film handelt es sich um einen knallharten Antikriegsfilm, bei dem nicht näher auf das Gesamtkriegsgeschehen und die Politik eingegangen wird, sondern der Vietnamkrieg fast nur als Kulisse für etliche Schlachten dient. Die Handlung ist dadurch auch ziemlich simpel: Mel Gibson zieht mit seiner Familie in ein Militärcamp, bildet dort ein paar Rekruten aus, dann beginnt der Krieg und es geht ab nach Vietnam. Dort angekommen sollen sie ein Landstück namens X-Ray besetzen, was, entgegen den (nicht vorhandenen) Informationen der Führung von Vietnamesen nur so wimmelt und so werden die amerikanischen Soldaten mehrere Tage eingeschlossen. Unter immer stärkeren Verlusten, versuchen sie sich freizukämpfen.....
Die Schauspieler spielen allesamt überzeugend, wobei keiner besonders hervorsticht. Mel Gibson liefert eine Standartleistung ab und wirkt manchmal etwas zu heldenhaft, wenn er wieder mal als einziger im Schlachtfeld stehenbleibt und keine einzige Kugel abkriegt. Aber das passiert ziemlich selten, weshalb es nicht groß stört. Ein Sonderlob verdienen Madeline Stowe und der Rest der zurückgebliebenen Frauen, die die Angst um ihre Männer sehr glaubhaft darstellen.
Von technischer Seite aus gesehen ist der Film fast perfekt. Die Effekte wirken glaubhaft und man sieht, dass ganze eine Menge Geld gekostet haben muss (allein die Explosionen sind keine 08/15 Feuerbälle, sondern wirken "realer"). Der Schnitt und Ton ist auch sehr gut, wobei mir letzterer bei "Der Soldat James Ryan" noch etwas besser gefallen hat, da er es dort schaffte, den Zuschauer fast schon zum weghören zu bringen, so real und nervenzermürbend klang er. Außerdem hat der Regisseur einige stilistische Mittel eingebaut, z.B. das, trotz heftigen Kampfes totale Stille eintritt und nur ein bestimmtes Geräusch (wie etwa fallende Patronenhülsen) zu hören ist.
Die Brutalität hält sich, im Gegensatz zu den Behauptungen der anderen OFDB-Member, meiner Meinung nach in Grenzen und ist bis auf zwei Stellen keineswegs stärker als in anderen Kriegsfilmen der Neuzeit. Aber, viel härter geht es sowieso nicht.
So, nun zu der großen Patriotismusfrage:
"We were Soldiers" verurteilt den Krieg an sich sehr deutlich und schreckt wirklich ab. Demnach ist die Bezeichnung Anti-Kriegsfilm durchaus gerechtfertigt. ABER: Amerika wird für seine Politik nicht verurteilt. Die Soldaten kämpfen halt, wissen zwar nicht richtig für was, aber haben schließlich ihre Befehle. Es weht auch ein paar mal der Sternenbanner durchs Bild, aber die Wirkung wird immer stark abgeschwächt. Einmal bekommt neben der Fahne eine Frau die Mitteilung, dass der Mann ihrer Freundin gefallen ist und das andere Mal türmen sich neben dem Banner dutzende Leichen von Vietnamesen.
Also, den wenigen Patriotismus, den es gibt, kann man leicht verschmerzen. Allerdings hat mich eine Sache wirklich gestört: Undzwar die heile Welt Familie von Mel Gibson. Sie wirkt einfach unrealistisch und viel zu konstruiert. Aber auch das lässt sich verkraften.
Gottseidank begeht der Film nicht den selben Fehler wie "Der Soldat James Ryan" und betreibt typische Schwarz-Weiß Malerei, sondern stellt die Vietnames auch als normale Menschen da, die genauso wie die Amerikaner für eine Sache kämpfen, über die sie eigentlich nicht besonders Bescheid wissen.
Durch diese Tatsache hat der Film bei mir viel Symphatie gewonnen und bekommt 7/10 Punkten.