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Bei "Panic Room" war die Sachlage ähnlich wie bei Michael Manns "Collateral". Nachdem "Fight Club" zwar von Kritikern bejubelt, aber an der Kasse an Flop war, musste David Fincher (Alien 3) beweißen, dass er sein Geld wert ist. Wie "Collateral" ist "Panic Room" daher lediglich so was wie eine Stilübung, und eben kein außergewöhnlicher Film wie "Sieben" oder "Fight Club". Leider hat es Fincher im Gegensatz zu Mann vergeigt. Denn während "Collateral" zwar kein absolutes Meisterwerk, aber dennoch ein genialer Thriller ist, so ist "Panic Room" eher durchschnittliche Thriller-Kost.

Vier Etagen, sechs Kamine, ein funktionierender Lift: Das neue Domizil von Meg Altman (Jodie Foster) und ihrer Tochter Sarah (Kristen Stewart) hat einigen Luxus zu bieten. Und eine Besonderheit: In dem Stadtpalais in Manhattan gibt es eine Geheimkammer zum Schutz vor Einbrechern. Der sogenannte "Panic Room" besitzt Wände aus Stahlbeton, eine eigene Stromversorgung und Überwachungsmonitore. Für Meg ein Ungetüm, das sie auf keinen Fall in Anspruch nehmen will. Aber schon in der ersten Nacht ist sie froh, ihn zu haben: Als drei Einbrecher in ihr Haus eindringen, verschanzen sich Meg und Sarah in der Kammer. In Sicherheit sind sie damit jedoch nicht. Burnham (Forest Whitaker) und seine Komplizen Junior (Jared Leto) und Raoul (Dwight Yoakam) machen ihr rasch klar: "Was wir wollen ist in diesem Raum". Einfach aussitzen kann Meg die Sache deshalb nicht, zumal ihre zuckerkranke Tochter immer schwächer wird. Gleichzeitig entpuppt sich Raoul als sadistischer Psychopath, dem jedes Mittel recht ist, um in den Raum zu kommen...

Man mag denken, dass die Kreuzung David Fincher und Jodie Foster (Das Schweigen der Lämmer) eine gute Idee ist. Das mag sie auch sein, doch Fincher gibt ihrer Rolle nicht genügend Potential, um eine herausragende Leistung zu vollbringen. So spielt Foster nur routiniert die über sich hinaus wachsende Mutter. Kristen Stewart (Fierce People) spielt passabel, aber auch nicht außergewöhnlich. Die drei Einbrecher wurden zudem nach Schema F gezeichnet und sind daher nur klischeehafte Abziehbilder. Forest Whitaker (Ghost Dog) mimt mal wieder den gutmütigen Menschen, der für jeden Mist bereit ist, wenn dabei kein Mensch zu Schaden kommt. Für den Schaden sorgt aber Dwight Yoakam (Hollywood Cops) als durchgeknallter Psycho mit Skimaske und schallgedämpfter Knarre. Für einen Einbruchsanführer verabschiedet sich Jared Leto (Fight Club) recht schnell aus dem Film, wobei sein Part der untalentierte Brutalo und Teilerbe, der eben nicht teilen will, ist.

Zwar ist das von David Fincher inszenierte Kammerspiel durchaus spannend. Allerdings nur beim erstmaligen Ansehen. Bei öfterem Anschauen wird der Film schnell langweilig, da die Story allzu durchschaubar ist. Auch gibt es hier kein überraschendes bzw. fieses Ende, wofür David Fincher bekannt ist. So ist das Ende eher typsich für Hollywood: gutmütiger Einbrecher rettet Hauptdarstellerin, kommt dafür aber in den Knast. Von Drehbuchautor David Koepp (Das geheime Fenster) hätte man zudem storymäßig mehr erwarten können als einen durchschnittlichen Thriller, der offenbar mit Schablone geschrieben wurde. Da an der Story gespart wurde, war man mit der Brutalität stattdessen großzügiger umgegangen. Es gibt einen ordentlichen Head-Shoot bei Jared Leto, eine zerquetschte Hand, ein zu Klump geprügelter Ex-Mann und noch andere Sachen, wo man mit der Brutalität nicht geizig war. Bei ihrer Vorgehensweise, um in den Panic Room zu gelangen, muss man dem Einbrecher-Trio aber eines lassen: Blöd sind sie nicht. Lediglich Jared Letos Charakter stellt sich ein wenig untalentiert an. So läßt sich das Trio vom Gas-Angriff über Folterung des Ex-Mannes bishin zum falschen Ex-Mann einiges einfallen.

"Panic Room" ist der bisher schwächste Film von David Fincher und hat auch nicht die bedrohliche Düsternis von "Sieben" oder die einfallsreiche Story von "Fight Club". Bleibt zu hoffen, dass Fincher mit seinem nächsten Werk zu alter Stärke zurück findet. Bisher gehörte Fincher neben Quentin Tarantino, Michael Mann und James Camron zu den talentiertesten sowie außergewöhnlichsten Regisseuren Hollywoods. Und Tarantino, Mann und Cameron zeigten uns, dass sie mit "Jackie Brown", "Collateral" und "True Lies" auch eher durchschnittliche Stoffe, die mehr als Stilübung und Selbsteinschränkung dienen, gekonnt in Szene setzen können. Bei David Fincher hat das nicht ganz so geklappt.

Im Endeffekt bleibt "Panic Room" somit ein durchschnittlicher Thriller eines talentierten Regisseurs, von dem man mehr erwarten könnte. Für einen spannenden Filmabend sorgt "Panic Room" beim erstmaligen Anschauen dennoch.

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