Ein großes Haus mit einer nahezu unüberschaubaren Weiträumigkeit ist der Schauplatz von David Finchers "Panic Room". Um gegen Einbrecher gewappnet zu sein, ließ der vorige Wohnungseigentümer einen so genannten Panic Room installieren, einen einbruchssicheren Schutzraum, der sich, erst einmal geschlossen, nur noch von innen öffnen lässt. Meg Altman und Tochter Sarah sind die neuen Bewohner des prächtigen Hauses und bereits in der ersten Nacht in ungewohnter Umgebung sollen sie tatsächlich mit dem Szenario konfrontiert werden, das die Existenz des Panic Rooms rechtfertigt. Denn drei Einbrecher schicken sich an, verborgene Schätze aus dem Schutzraum zu entführen, stehen jedoch vor verschlossener Panic-Room-Tür, als Meg samt zuckerkranker Tochter noch in selbigen zu flüchten vermag. Die drei Kriminellen haben ein ernsthaftes Problem: Wie gelangt man in einen geschlossenen Sicherheitsraum, der eigens dafür konstruiert wurde, um Einbrecher wie sie fern zu halten?
Das ist die zentrale Frage, der sich David Fincher widmet. Dieses Mal wird es kein revolutionär schockierendes Finale geben, keine überraschende Wendung oder intelligente Pointe; kurzum keine Offenbarung, sondern einen geradezu konventionellen und stringenten Thriller - und das soll bei Fincher schon was heißen. Es überrascht in der Tat ein wenig, dass er sich einem solchen soliden, keinesfalls innovativen Projekt annimmt; schließlich bietet sich hier eine denkbar einfache Konstellation. Obgleich sie sich im weiteren Handlungsverlauf etwas verändern wird, bleibt sie dennoch stets unkompliziert. Zugegebenermaßen schließt das natürlich nicht die generelle Fähigkeit des Konzeptes aus, für spannende Momente zu sorgen. Und in diesem Punkt beherrscht Fincher sein Handwerk nach wie vor und entwirft mittels abdunkelndem Farbfilter eine zweifelsfrei angemessen angespannte Stimmung.
Für den ein oder anderen zeigt sich Fincher womöglich sogar von einer zu verspielten Seite. Doch wenn er optisch bereits mit einem erstklassigen Vorspann glänzt und später teils fulminante Kamerafahrten in Erscheinung treten lässt, dann hat das zwar kaum einen inhaltlichen Wert, verleiht seinem Werk aber zumindest eine klare, charakteristische und vor allem höchst ansehnliche Handschrift, die so manch anderer Thrillerregisseur gänzlich vermissen lässt. Sie verhilft "Panic Room" durchaus zu höherer Attraktivität und vermag, einige Mängel im Plot zu kompensieren. Vor allem die Inkonsequenz in der Fortführung von Meg Altmans Klaustrophobie, die uns noch bei Einführung ihrer Person vorgeführt wird, soll an dieser Stelle zumindest Erwähnung finden. Fragwürdig auch die spektakuläre Lösung ihrerseits der prekären Situation, in der sich Meg und Tochter Sarah befinden, als die Einbrecher damit beginnen, Gas in den Panic Room zu leiten.
Etwas mehr ins Gewicht fallen die doch recht stereotypen Profile der drei Kriminellen. Forest Whitakers Figur Burnham ist sofort als eigentlich harmloser, aber intelligenter Ganove charakterisiert, Jared Letos sich anfangs nur in einen Mantel der Coolness hüllender Junior ist ebenfalls schnell entlarvt, nicht fähig zu brutalen Gewaltakten zu sein, und Dwight Yoakams maskierter, mysteriöser Raoul ist letztendlich die offensichtliche Unberechenbarkeit in Person und damit die treibende Kraft, durch die sich ein vermeintlich gewaltloser Einbruch zu einer wirklich kritischen Lage dramatisiert. Immerhin verkörpern die Akteure ihre Charaktere trotz der Durchschaubarkeit zuverlässig, aber darüber geht es eben nichts hinaus; auch nicht bei Jodie Foster, die mit ihrer Meg Altman lediglich den konventionellen Part der willensstarken Mutter zu mimen hat.
Für das Thrillerkino ist das alles in jedem Maße überdurchschnittlich, für einen herausragenden Fincher-Film fehlt "Panic Room" dann aber doch der außergewöhnliche thematische Reiz. Und so bleibt am Ende trotz der mehr als nur überzeugenden Optik zumindest ein kleiner Wermutstropfen als Symbol für die leichte Enttäuschung.