Review

Die schlechte Nachricht vorneweg: "Panic Room" ist der schwächste Fincher seit "Alien 3".
Die gute dazu: es handelt sich immer noch um einen verdammt guten Thriller.

Klar, nach den Löchern, die "Fight Club" in die Taschen gewisser Hollywoodstudios gerissen hat (gilt im Kino als teurer Flop!), vertraut man einem David Fincher nicht gleich wieder ein Mega-Budget an. Der soll erst mal zeigen, daß er noch Kasse machen kann.
Also greift er sich "Panic Room", Einbruch-, Geisel- und Klaustrophobiethriller in einem, ein Katz-und-Maus-Spiel der düsteren Art. Und er kann's noch, wie die klingelnde Kasse beweist.

Allerdings ist Kontroverses und Innovatives aus diesem Film größtenteils verbannt worden, falls das jetzt wieder erwartet wird. Außer dem verschließbaren Panzerraum, in dem Jodie Foster und Filmtochter Kirsten Stewart sich hier vor drei Einbrechern verschanzen, gibt es hier nichts, was man nicht schon vorher mal gesehen hat. Doch die Inszenierung zählt und das reicht.

Tatsächlich zentriert Fincher das Geschehen auf und rund um den Panic Room, da das Geld, hinter dem die drei Einbrecher her sind, sich ausgerechnet in dem Raum befinden soll.
Da geht man als Hausbesitzer natürlich nicht so gern raus und die Einbrecher wollen auch nicht recht wieder abziehen.
Was die Formel nun noch benötigt, sind Komplikationen und die gibt's von nun an auf beiden Seiten. Das innere Telefon ist noch nicht freigeschaltet, das Handy liegt draußen, Kontaktaufnahmen mit draußen scheitern, irgendwann braucht die Tochter Insulin.

Da paßt es prima, daß sich die Einbrecher auch leicht uneins sind und obwohl sie einen der Konstrukteure des Panic Rooms in ihren Reihen haben, gelingt es immer wieder Foster, die Bemühungen zu vereiteln, zur Not mit der groben Kelle.

Fincher fängt ganz langsam an, mit einer pointierten Wohnungsbesichtigung, um dann noch einen Gang zurückzuschalten. Grundpositionen schaffen, heißt hier die Devise. Doch gleich in der ersten Nacht (in der der komplette Restfilm spielt, umgefähr von 1.30 Uhr bis 5.00 Uhr), kommen die bösen Männer. Auch die irritierende Situation, jemanden in der Wohnung vorzufinden, wird noch nicht hochgespielt, erst müssen wir die Männer selbst kennenlernen.

Erst als Foster und Stewart schon lange im Bunker sitzen, steigen langsam Spannung und Tempo. Das ist allerdings eine leichte Schwäche, denn obwohl stets etwas passiert, geschieht doch im ersten Drittel nur das, was man schon aus einer Inhaltsangabe weiß, wenn man sich für einen Film interessiert. Es dauert halt bis gut zur Mitte, bis die Überraschungen beginnen und die Erwartungshaltung wird so eine zeitlang enttäuscht.

Aber Fincher will auch keine platten Abziehbilder, er zieht es a la Hitchcock hoch und das bedeutet, daß auch die Butzemänner gebührend vorgestellt werden müssen. Leider ist das dann auch der Hauptmakel des ganzen Films. Denn die drei sind dermaßen nach dem Baukastenprinzip zusammengestellt und stilisiert, daß es schon staubt. Da haben wir in Forest Whitaker den Gewalt ablehnenden Konstrukteur mit der enorm menschelnden Seite; Jared Leto als durchgeknallter Teilerbe des versteckten Geldes, der sich alles sichern will und Dwight Yoakam ist mit der Gesichtsmaske schnell als der gefährliche Psychopath auszumachen.
Und dieses Prinzip wird nach bekannten Bildern leider durchgezogen. Whitaker ist schon fast zu gut, um überhaupt ein Verbrechen zu begehen, Leto kommt wie der totale Idiot rüber (seine Unfähigkeit und übertriebenes Gebahren nervt) und Yoakam soll eh nur Abziehbild für Hassgefühle des Publikums sein.

Foster dagegen ist wunderbar mittig getroffen als studierte "Everywoman", die aus der Not zur Tat gezwungen wird, ohne daß sie wunderbare Kräfte entwickelt. Leider wird ihre anfängliche Klaustrophobie im Raum bei Besichtigung, in der Notsituation sofort fallengelassen. Kirsten Stewart ist sehr im Trend als spröde-sperriges reiches Großstadtkind, bringt aber eine souveräne Leistung, vor allem bei Insulinmangel.

Mit jedem Einbruchs/Rettungsversuch dreht Fincher die Spannungsschraube langsam aber sicher an, angefangen mit einem Gasangriff auf Foster, der zum Bumerang wird, fortgeführt mit der Suche nach dem Handy. Hier zeigt sich auch schon wieder Finchers Trend zur Atmosphäre, zur Inszenierung, wenn Foster in stummer, pulsierender Zeitlupe (auf der Tonspur ist nur ein Dröhnen zu hören, daß Pulsschlag und Herzklopfen zugleich sein kann) nach dem Handy sucht, während die Einbrecher draußen auf der Treppe diskutieren.

Der übliche Inszenierungsstil kommt dann auch entsprechend rüber: ausgewaschene graue und braune Farben, Düsternis hängt im weiträumigen Haus, eine stilisierte Spielwiese für alle Beteiligten, Kälte und Leere und Verlassenheit. Das peppt die Kamera auf mit ein paar gelungenen Spielereien, wenn in Schlüssellöcher gefahren wird, man quer durch die Küche reist (durch Henkel etc.) oder Wände durchfahren werden. Überhaupt ist der Wechsel von statisch zu megabeweglich hier fließend, was leicht ungewohnt ist. Howard Shores manchmal zu sparsam eingesetzter Soundtrack ist angetan, die spätere Unruhe noch zu verstärken.

Gegen Ende folgt dann Schlag auf Schlag (ohne die moderne Superhektik), was das Interesse auf dem höchsten Level hält und auch die Spannung bei Laune hält, auch wenn es nie zwingend kehlezuschnürend wird. Der Ex-Mann schaut rein, die Polizei kommt auf einen Sprung vorbei und die Insulin-Kiste sorgt dafür, daß sich die Drinnen/Draußen-Vorzeichen komplett umkehren.
Der Finalkampf ist dann etwas zu forciert und gewollt, um wirklich überzeugen zu können, aber von knackiger Brutalität. Letztere geht im Film übrigens oft mit einem seltsam schwarzen Humor einher, der mitunter an Bugs-Bunny-Cartoons erinnert.

Das zu beschaffene Geld ist letztendlich nur ein hitchcocktreuer MacGuffin, denn das Drehbuch konzentriert sich lediglich auf den Innen/Außen-Zweikampf. Trotzdem hat man das Gefühl, daß die Situation nicht ausreichend genützt worden ist, daß es noch dichter, noch intensiver gegangen wäre. Und sicherlich in der ersten Hälfte auch ein wenig schneller.
Sinnfrei übrigens die Schlußeinstellung, die Mutter und Tochter wieder auf Wohnungssuche zeigt (was soll das?), dafür sind die Vortitel die schönsten seit langem (wunderschöne Einstellungen von Orten, Gebäuden und Skylines in Manhattan, in die die Titel so eingefügt werden, als wären sie riesige Werbezeilen, würden am Himmel schweben oder wären selbst Bauwerke).

Somit bewährt sich "Panic Room" als mehr als solider und zeitweise überraschender Thriller mit interessanter Ausgangsituation. Die klaustrophobische Stimmung will sich aber nicht hundertpro einstellen, sondern dient mehr als Aufhänger für ein Schlag-/Gegenschlagspiel. Ein wesentliches Problem ist sicherlich die mangelnde Kommunikation zwischen den Gegnern, denn da ist die Technik stets vor. Was der Film nicht ganz schafft, ist, zum "Potboiler" zu werden, auf daß der Deckel schließlich wegflöge. Sicher, "Panic Room" ist intensiv, aber er ist nicht übermäßig innovativ. Für Fincher eine Fingerübung, für uns vielleicht einer der besten Filme, die uns dieses Jahr im Mainstream begegnen können. Aber wohl wieder nicht ganz der Beste. (7,5/10)

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