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Fincher by the way of Hitchcock... oder andersrum?!

Neben oder zwischen "Fight Club", "Seven" oder "The Social Network" wirkt "Panic Room" natürlich wie ein Fussnote in David Finchers Schaffen, als ob er sich so etwas mal eben aus dem Ärmel geschüttelt hat, ein Schnellschuss, eine Zwischenmahlzeit, eine Auftragsarbeit im schlimmsten Fall. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Doch was ich meine: dadurch ist "Panic Room" doch immer noch ziemlich unterschätzt und wird oft nur milde belächelt. Was auch eine noch immer (!) fehlende Blu-ray-VÖ unterstreicht. Weltweit. Sicher ist der One-Night-Thriller kein Masterpiece - doch was er erreichen will, erreicht er mit Bravour und er gönnt weder sich noch dem Zuschauer eine Atempause. Kein Highspeed-Thriller, aber verschenkt wird hier keine Sekunde. Alles spielt in einer Nacht, in einem Haus, fast in einem Raum - und selbst ein Spannungsperfektionist wie Hitchcock hätte sicher seine wahre Freude an diesem verzwickten Katz-und-Maus-Spiel gehabt. Wir sehen wie eine frisch getrennte Mutter mit ihrer Tochter in eine neue Wohnung zieht. Mitten in New York, riesig, geräumig, luxuriös, düster. Mit einem fett abgeschotteten Panikraum für Notfälle. Und natürlich kommt, was kommen muss und schon in der ersten, regnerischen Nacht brechen Gangster in die Wohnung ein, um eben aus diesem geheimen Raum Wertvolles zu stehlen...

Wie gesagt, andere Filme von Fincher sind sicher noch besser und einflussreicher als der recht simple "Panic Room" - doch auch dessen Vermächtnis und Einfluss lebt weiter. Da muss man sich nur mal solche Dinger wie "Don't Breathe", "Hush", "Shut In" oder "Sweet Home" angucken. Und so stilvoll, versiert und ausgefuchst wie Fincher hat Home Invasion wohl seit "Wait Until Dark" kaum einer hinbekommen. Jodie Foster und Kristen Stewart sind tough und clever, aber nie unrealistisch übermenschlich, die Einbrecher rund um Jared Leto und Forest Whitaker sind alles andere als dumme, charakterlose Killerschablonen und so kann man sogar leicht fragwürdige Entscheidungen auf beiden Seiten vertreten - da wir Menschen, vor allem in solchen Extremsituationen, sicher alles andere als logisch oder fehlerfrei handeln. Herausstechend sind auch die langen Kamerafahrten durch die mehrstöckige, sehr atmosphärische Riesenwohnung, die neueste Technik und höchsten Regieanspruch vereinen. Audiovisuell spielt "Panic Room" viel höher, als er "müsste" bzw. es andere Filme siener Art normalerweise tun. Schade, dass das Ding anscheinend selbst von seinem Macher sehr stiefmütterlich behandelt wird. Immer wieder gute Unterhaltung. Punkt.

Fazit: mean und lean würden die Amis sagen. Klein, gemein und fein sage ich. Ein straighter, enorm effektiver, atemloser Thriller wird von Finchers exquisiter Regie veredelt und ist mit einigen hochkarätigen Darstellern bestückt. "Panic Room" ist Spannungskino wie es sein soll und wie es Hollywood kaum stilvoller hinbekommt.

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