Mit der Bluescreen-Technik wurde schon länger nicht mehr gearbeitet, die hat sich aufgrund fortschreitender Computeranwendungen nahezu erübrigt, was Regisseur und in diesem Fall auch Darsteller Thomas Jane offensichtlich sehr schade fand.
Seinem Mindfuck, der irgendwo zwischen dem klassischen film noir und einer Episode „Twilight Zone“ angelegt ist, kommt die surreale Wirkung jener Technik allerdings in hohem Maße zugute.
Im Grunde handelt es sich um eine einzige Nachtfahrt durch die einsame Wüste Nevadas, die Dick (Thomas Jane) und Gina (Laura German) absolvieren.
Honeymoon in Las Vegas und kurz darauf droht eine handfeste Krise, denn in einem Augenblick der Unachtsamkeit fahren sie einen Fremden an, der sich zuvor mit seinem Auto überschlug. Da das Handy nicht funktioniert, nehmen sie den Schwerverletzten kurzerhand auf dem Rücksitz mit, der sich schon bald als recht lebendig erweist…
Die Kulisse des titelgebenden „Dark Country“ könnte auch als Synonym für eine andere Welt stehen, wie sich am Ende entpuppt.
Der Sternenhimmel erstrahlt in übermäßiger Pracht, die Konturen der beiden Protagonisten zeichnen sich deutlich vor dem Bluescreen ab und zwischenzeitlich ertönt aus dem Autoradio Musik, die an die Noirs der 40er und 50er angelehnt ist.
Als Gina während der Fahrt lasziv mit Eiswürfeln an sich herumspielt, liegt der Verdacht einer ausgemachten Femme fatale natürlich nahe.
Doch als der angefahrene Fremde ins Spiel kommt, wendet sich das Blatt ein wenig.
Auf dem Asphalt erscheint eine Blume, der Radioempfang ist gestört, der Highway wirkt wie eine Strecke ins Endlose und das frisch verheiratete Paar beginnt sich gegenseitig zu misstrauen.
Zwar erhalten beide kaum einen Background, doch aufgrund einiger angeheizter Diskussionen erfährt man eine Menge zwischen den Zeilen.
Es kommt zu einer Rangelei, einer vergessenen Uhr, einen Gastauftritt von Ron Perlman als Sheriff und einer schrecklichen Erkenntnis, die sich bereits vorher abzeichnet, jedoch aus anderer Sichtweise.
Dabei wirkt das Geschehen comichaft und zugleich wie die Kulisse eines Alptraums, was im Endeffekt dem finalen Plot Twist geschuldet ist.
Hierbei bleiben zwar kleinere Fragen offen, die dem Interpretationsfreiraum des Betrachters überlassen werden, doch am Ende fügt sich die Quintessenz nahtlos zusammen.
Bleibt zu erwähnen, dass Thomas Jane und Laura German das Zwei-Personen-Stück grundsolide meistern, sich der im Grundton ruhigen Erzählweise angemessen unterordnen und letztlich nur das zeitweilige Nuscheln Janes im Originalton etwas anstrengend zu verfolgen ist.
Hätte zwar als Kurzgeschichte auch funktioniert und weist demzufolge kleinere Längen auf, punktet aber mit seiner ungewöhnlichen Atmosphäre und dem Geheimnis hinter mehr als nur einer Figur.
Ein angenehmes Verwirrspiel mit doppeldeutiger Wendung und immer interessanter werdenden Charakteren, - eintauchen und wirken lassen…!
7 von 10