„U-571“ ist sicher keine hochdramatische Aufarbeitung historischer Ereignisse, sondern schildert auf actionreiche Art die Eroberung der Dechiffriermaschine Enigma.
Mittels der Enigma ist die deutsche Marine während des Zweiten Weltkriegs in der Lage, codierte Nachrichten an ihre Flotte zu schicken und der Code ist unknackbar für die Alliierten. Nur die Eroberung einer intakten Enigma mitsamt Codebuch würde helfen. Die Chance bietet sich, als das deutsche U-Boot U-571 ein alliiertes Boot versenkt, dabei aber selbst durch einen Treffer manövrierunfähig gemacht wird, wie der actionreiche Auftakt zeigt.
Die Navy kann das Notsignal orten und beordert Lieutenant Commander Andrew Tyler (Matthew McConaughey) und seine Crew direkt zu ihrem Boot. Mike ist allerdings stinkig, da er zwar gute Arbeit leistet, Mike Dahlgren (Bill Paxton) der Captain des U-Bootes ihm aber noch keinen eigenen Kahn anvertrauen will. Zur Crew gehören dann noch der beste Freund der Hauptperson, Pete Emmett (Jon Bon Jovi), der alte Seebär Henry Klough (Harvey Keitel) und etliche Jungspunde, um den kompletten Querschnitt anzubieten.
Man rückt aus, tarnt sich als Nazi-Boot, um die Besatzung der U-571 als scheinbare Rettungsmannschaft zu überrumpeln. Doch es befinden sich bereits echte deutsche Rettungsmannschaften auf dem Weg und die Zeit wird knapp...
„U-571“ bemüht sich durchaus um realistisches Flair, lässt die Deutschen im O-Ton auch deutsch reden, wenngleich erst der Abspann erwähnt, dass an sich die Briten für die Eroberung der Enigma verantwortlich waren und nicht die Amis. Mit Patriotismus hält man sich meist zurück, es wird gezeigt, dass nicht alle Deutschen Nazis waren und dass beide Seiten für die Enigma bereit sind über Leichen zu gehen. Ein paar unschön patriotische Momente hat der Film dann aber doch, z.B. der hinterhältige Nazikapitän der U-571 oder die Szene, in der ein junger Soldat Andrew bittet niemandem zu sagen, dass er zur Hälfte Deutscher ist.
Auch was die Subplots angeht, könnte „U-571“ etwas mehr Feinschliff vertragen. Da wird der beste Freund getötet, nach rund 30 Minuten Laufzeit, doch Andrew äußert sich den ganzen Film über nicht dazu, geschweige denn eine Träne zu vergießen. Auch der Reifeprozess zum verantwortungsvollen Captain (der alte geht zur gleichen Zeit hops wie der beste Freund), der auch Entscheidungen treffen muss, die andere das Leben kosten können, könnte etwas packender geschildert werden und führt in erster Linie zu mäßig interessanten Dialogen über Soldatenehre.
Doch trotz dieser Mankos funktioniert der Hauptplot von „U-571“ wirklich sehr gut und die meiste Zeit konzentriert sich Regisseur Jonathan Mostow darauf. Die Enigma ist schnell erobert, doch dann treffen auch die deutschen Rettungskräfte ein, sodass der Rest vom Film ein wirklich spannendes Katz-und-Maus-Spiel ist. Dabei bleibt das Ganze durchaus realistisch, einige fesselnde Spannungspassagen (z.B. das Tauchen auf 200 m Tiefe) hat „U-571“ auch zu bieten und zeigt, wie die Männer improvisieren müssen, als ihr eigenes Boot zerstört wird und sie nur noch die schrottreife U-571 haben.
Dabei punktet „U-571“ dann auch mit einigen, sehr gut eingebauten Actionszenen. Die Erstürmung der Enigma bietet ein stimmiges, schick inszeniertes Shoot-Out, der Rest sind Seekämpfe. Von der Qualität her müssen sich die Tauchszenen und Kampfhandlungen nicht vor „Jagd auf Roter Oktober“ und „Crimson Tide“ verstecken, die Pyrotechnik lässt Schiffe wie U-Boote eindrucksvoll in die Luft gehen. Spannend sind die Gefechte auch und zeugen von Mostows Kompetenz als Actionregisseur.
Matthew McConaughey liefert eine mehr als solide Performance ab, könnte seiner Figur aber mehr Tiefgang verleihen. Bill Paxton hat wenig Screentime, überzeigt aber voll und ganz ebenso wie Harvey Keitel. Jon Bon Jovi macht seine Sache gut, fällt aber kaum auf, Thomas Kretschmann gibt den fiesen Nazikapitän recht klischeehaft und der Rest des Casts (u.a. Jack Noseworthy und David Keith) bringt durchweg überzeugende Performances.
Als Kriegsactioner überzeugt „U-571“ dann aufgrund der gut gemachten Kampfhandlungen und der spannenden Inszenierung. Ein paar unschöne Patriotismusschnitzer und die wenig interessanten Subplots trüben den Spaß zwar, doch schickes Entertainment ist hier trotzdem geglückt.