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"Wir haben nicht begriffen, dass wir verschwenden, was die Natur uns gibt."

Über vier Milliarden Jahre herrschte auf der Erde ein empfindliches, aber stabiles Gleichgewicht. Weniger als 200.000 Jahre wandelt der Mensch auf dessen Oberfläche, das einzige Lebewesen mit einem Bewusstsein und einer immensen destruktiven Kraft. In ca. 50 Jahren, weniger als einem normalen Durschnittsalter, hat es der Mensch geschafft das Klima zu verändern, Bodenschätze zu verknappen und die Artenvielfalt zu reduzieren. Damit gefährdet er die Grundlagen seiner eigenen Existenz.

"Home" ist eine Dokumentation, die nicht direkt auf Kollisionskurs mit einer Fraktion geht, sondern seine Anklage an die verschwenderische Menschheit subtil und nicht prangerhaft überbringt. Ähnlich wie Al Gore mit seinem Film "Eine unbequeme Wahrheit" versucht Yann Arthus-Bertrand den Zuschauer aufzurütteln und ihm bewusst zu machen, was seine Spezies für einen Schaden anrichtet und wohin dies führen kann.

Mittels einer klaren Struktur handelt "Home" seine Themen ab. Die Reihenfolge ist chronologisch, startet mit der Entstehung der Erde und des Lebens, der Oberflächenveränderung durch das Pflanzen- und Tierreich und dem Menschen zu Beginn und dessen Weiterentwicklung, geht weiter über Landwirtschaft, Städteentwicklung, Erdöl und Automobile und schließt mit der Ausbeutung der Natur und der Abhängigkeiten des Menschen von der Erde ab. Die Dokumentation enthält durch seine vielen Stationen eine enorme Informationsdichte, die mittels gesprochener Kommentare veräußert wird.
Auffällig sind gerade zu Beginn vorhandene, esoterische Ansätze, die später durch dramatische Statistiken ersetzt werden. Der Film nutzt zu dessen Steigerung erschreckende Bilder von verschwendeter Energie und Ressourcen, wie beispielsweise künstlich erstellte Inseln in Dubai.

"Home" bedient sich einer kraftvollen Bild-Collage. Fast vollständig besteht die Dokumentation aus in der Luft aufgenommen Bildern. Überwältigende Panoramen der natürlichen Umwelt wechseln sich mit Narben, die die menschliche Zivilisation auf der Erde hinterlässt, ab. Diese stark auf Übersicht ausgelegte Visualisierung macht komplexe Zusammenhänge schnell und präzise plausibel.

Das Gesamtpaket ist stimmig. Gerade die Kombination aus beeindruckender Optik, erklärendem Kommentar und subtiler, aber eindeutiger Moral machen "Home" charmant, die klare Strukturierung ihn einfach zu verstehen. Der Aufruf zur Einsicht und Veränderung endet passend mit einer Zusammenfassung zum Schluss und positivem Ausblick, wie dem zunehmendem Einsatz von Windenergie und der Anpassung des persönlichen Konsumstils.

9 / 10

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