Review

"Mean Guns auf Speed mit viel Blut und zumeist unbekannteren Mimen anstelle von blöden Sprüchen und entsprechender Hampelmannakteure."
So lässt sich dieser kleine, aber feine (lupenreine) Actionfilm wohl am ehesten kategorisieren. Die Mär vom alle sieben Jahre stattfindenden, titelgebenden Event, bei dem 30 Profikiller aller Herren Länder in einer vom Veranstalter ausgesuchten Stadt gegeneinander antreten und es am Ende nur einen Überlebenden geben kann, der dann das Preisgeld kassiert, dürfte Fans des gut gemachten, reinen Actionfilms der härteren Gangart das Herz höher schlagen lassen.
Und das gar nicht mal zu Unrecht.

Dabei sei den möglicherweise sofort leicht vom Boden abhebenden Füssen der erfreuten Genrekenner gleich zu Beginn wieder das gegenüber dem luxuriösen Teppich eher härtere & unbequemere PVC unter die Schuhsohlen gelegt: Storyinhalt an sich sowie kompletter Handlungsverlauf des Films selbst kommen genauso ausgeklügelt und innovativ daher, wie man es der - so sehr man sie auch ausschmücken wollte - immer wieder prägnant kurz geratenden Inhaltsangabe auch auf den ersten Blick ansieht. Im Grunde genommen gar nicht. Wer zwei, drei entspreche Streifen vergleichbarer Thematiken gesehen hat, den erwartet hier nichts, was er nicht schon zur Genüge kennen würde.
Das sind zum einen die immer wieder gerne genommenen Abziehbilder der in der Summe überaus profillosen "Profikiller" (der bzw. in diesem Fall die Gute / der Rachsüchtige / der Schnelle & Wendige / der Kraftprotz / der vollkommen Durchgeknallte / der mehr oder minder gesichtslose Rest), die natürlich von einem tatsächlich perfekten Assassinen ungefähr genauso weit entfernt sind wie Kader Loth vom Weltruhm. Wer so lautstark, waffengewaltig & in keinster Weise auf Diskretion bedachte Art und Weise seinem Handwerk im realen Leben nachgehen täte, würde den "Job" wohl kaum länger als einen Tag machen. Aber solange es dem in Sachen Anspruch unglaublich billigem, in Sachen Optik dagegen erfreulicherweise umso teurer wirkenden Spektakel dient (mit geschätzten 12 Millionen US-Dollar teilweise gar unter dem, was für die aktuellen Lundgrens oder Seagals ausgegeben wird bspw.), ist der geneigte Actionfan in dieser Hinsicht gerne gnädig.
Obgleich ein Mofaroller & Panzerfaust bevorzugender Teilnehmer, der zum Massnehmen für den tödlichen Abschuss mitten auf dem Freeway hält und dort dafür dann auch zunächst stehen bleibt, inklusive völlig vorhersehbarem und doch scheinbar unvermeidlichem "Folgegag", selbst bei aller Liebe schonmal leichtes Stirnrunzeln aufkommen lassen kann. Aber wer will sich schon an Details festkrallen.

Zum anderen gibt der gesamte Storyverlauf in Sachen Spannungsbogen oder unerwarteter Überraschungen in etwa soviel her wie die alltägliche Morgentoilette, Schauspieltalent sämtlicher Prota- & Antagonsiten inklusive. Der Begrif "Method Acting" schwebt eigentlich in jeder Situation über sämtlichen Einstellungen, wenngleich für eine Produktion diesen Formats vollkommen ausreichend und im Hinblick auf das Dasein der meisten Beteiligten als bezahlte Tötungskünstler in der Kühle und Distanz auch durchaus nicht ganz unpassend. Einzig Robert Carlyle sticht da als unwissend in den grossen Schlamassel hineinrutschender, versoffener Geistlicher, gegen seine unfreiwillige Teilnahme, den gründlichen Kater und trotzdem einfach nicht weggehenden Durst ankämpfend, etwas hervor - allerdings auch nicht derart, dass es einem als rundherum gelungene Darstellerleistung nachhaltig im Gedächtnis bleiben würde.

Simpel gestrickten Konstellationen von Motiven ob der Teilnahme, vorhersehbaren Handlungsabläufen und prinzipiell allseits bekannten Mustern in Nahkämpfen, Schusswechseln oder Verfolgungsjagden stehen wenige wirklich gut inszenierte Momente wie die (erstaunlich ernst gehaltene) Beichte der gegen die Tränen ankämpfenden Killerin auf der Tankstellentoilette von einer Klokabine zum mit heruntergelassenen Hosen dasitzenden Pfarrer in der anderen gegenüber.
Doch wie sagte Eric Roberts zuletzt im dahingehend ähnlich professionell inszenierten "The Butcher" so schön: "Am Ende läuft alles auf das Wesentliche hinaus"  - und das sind die zahlreichen, handwerklich perfekt in Szene gesetzten Actionszenen, die sich zwar ebenso oftmals zu viel vorbeischiessenden oder bemühte Oneliner an- anstatt ihre Kontrahenten einfach umbringenden Killern ein wenig beugen müssen (wobei dieser Umstand dann bekanntermassen in die Umkehrung des eigentlich vorgesehenen Situationsablaufes mündet, Stichwort "Vorhersehbarkeit"), trotz der Masse der Action- und Gewaltdarstellungen aber dennoch auf konstant hohem inszenatorischem Niveau bleibend über alle Maßen zu unterhalten wissen.

Masse mit Klasse wird geboten, welche oft sehr explizit & graphisch daherkommt (in Sachen Kunstblut war hier mehr in jedem Fall mehr), aber nie unnötig aussufernd oder mit quälend langen Einstellungen von übertriebener Gewaltanwendung dargestellt wird. Die hervorrangende Mélange aus computergenerierten Einschüssen, denen man die entsprechende Herkunft erfreulicherweise zumeist sehr viel weniger ansieht als in vergleichbaren Produktionen, und guter, alter Bloodpackage-Handarbeit findet dabei einen ungewohnt angenehmen Mittelweg zwischen zu belangloser und allzu selbstzweckhafter Darstellung, was den durchweg ernsten, grimmigen Grundton des Films in dieser Stimmung gut unterstreicht. Richtig coole Szenen wie der hohe Sprung eines Killers vom Tresen einer Bar aus durch die Luft etwa, welcher von einem anderen mittendrin lässig mit einem äusserst blutigem (Zeitlupen-) Durchschuss bedacht wird, werden aus eher unspektakulären Kamerwinkeln und beinahe beiläufig gezeigt.
Wenn sich neun Killer trotz Ausstattung mit "Motion-Trackern" alle in demselben schmierigen Striplokal treffen und in der folgenden, unvermeidlichen Auseinandersetzung die Waffen gar nicht grosskalibrig genug sein können, ist das natürlich genausowenig professionell wie professionelle "Killing Skills" hier ohnehin leider eher Mangelware sind; dem Spass tut dies aufgrund des dadurch entstehenden, uneingeschränkten Unterhaltungswertes und dem sicheren Händchen beim Einfangen der entsprechenden Bilder keinen Abbruch.

Ein paar stilsicher und bodenständig inszenierte, harte Nahkämpfe sowie eine Verfolgungsjagd zwischen einem Linienbus und einem Tanklaster inklusive einiger schöner Autostunts und teilweise recht spektakulärer Explosionen - alles "handmade" - runden das positive Gesamtbild dahingehend ab. Vielleicht hätte es auch eine - immer reichlich blutig geratene - Explosion eines Contestteilnehmers weniger getan, aber auch darüber wird sich im Nachhinein wohl kaum jemand beschweren, bedeuten sie doch, wie bei den übrigen Gewaltdarstellungen auch, schnell und doch nie unübersichtlich geschnittene Schauwerte, die solche Filme ausmachen.

In Zeiten, in denen der konventionelle, reine Actionfilm der harten, kompromisslosen Gangart nahezu von den Leinwänden verschwunden ist, bietet "The Tournament" dieser Entwicklung grollig die Stirn und nimmt den Genrefan für gute 90 Minuten mit auf eine blutige Tour de Force, die zwar nichts bietet, was man nicht bestimmt schon irgendwo anders einmal, aber eher selten wirklich besser gesehen hat, dafür die bekannten Inhalte allerdings in eine durchaus ausgewogene Mischung bringt, durch die Kurzweiligkeit und schnell aufeinanderfolgenden Actionsequenzen nie langweilt und die mit für eine solche Produktion einfach dazugehörenden, zahlreichen gut gemachten, blutigen Schauwerten hervorragend unterhält.
Und wenn man als halbwegs intelligenter Konsument dahingehend auch ein-, zweimal ein Auge zudrücken muss: Wer sich hier absichtlich an mangelnder Innovation, kleinen bis mittleren Logiklücken oder eher moderaten Darstellerleistungen stösst, der ist entweder mit einer ziemlich unpassenden Grunderwartung an den Streifen herangegangen oder in dem Genre einfach generell nicht (mehr) gut aufgehoben.

Von einem Actionfan ohne vermeintlich zwangsläufige Anspruchslosigkeit gute 7,5/10 Punkte.

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