Review

Alle Jahre wieder wird ein Versuch gestartet, das bisher Dagewesene auf dem Actionsektor irgendwie zu toppen, entweder mit neuen visuellen oder kampfsportbetonten Techniken oder exzessiver Feuerpower.
Man kann natürlich auch einfach in Sachen Masse statt Klasse klotzen und packt den Einkaufswagen mal eben mit 30 super-duper-Profikillern voll, die sich binnen 24 Stunden möglichst bis auf einen letzten massakrieren, auf das sich irgendwelche geldgeilen Finstermänner in einem Wettstudio darauf einen setzen können, bis die Börse glüht, elektronisch überwacht natürlich.

So etwas in der Art war natürlich schon da, nur da hat man irgendwelche Todeskandidaten durch Spielelandschaften oder über Inseln geschickt und das Ergebnis war bestenfalls flau, von den asiatischen Bemühungen um eine königliche Schlacht mal abgesehen.
Derlei zynisches Ausgangsmaterial darf man hier natürlich nicht erwarten, hier macht jeder freiwillig mit und hat in erster Linie die Konkurrenz auf dem Kieker, ein paar unschuldige Zufallsopfer mal ganz nebenbei.

Das könnte jetzt die ganz tolle Schlacht geben, ordentlich Kloppe mit dicken Wummen und noch größeren Egos, aber schlußendlich haben auch moderne B-Produktionen für den DVD-Markt aufs Budget zu achten und deshalb engagiert man lieber in ein paar gute Namen und weniger in Style und filmisches Geschickt. Weswegen der Film auch eine Nummer biederer ausfällt, als man sich das als guter alter Actiongülle-Fan der seligen 80er wünschen würde.
Überhaupt präsent sind eh nur fünf oder sechs der Delinquenten bzw. Mitspieler: da haben wir den letztmaligen Champion, dem man kürzlich die schwangere Gattin weggeputzt hat; die getriebene Asiatin, den beinharten Russki, den total durchgeknallten Psychopathen ohne Selbstkontrolle und natürlich der französische Parkourläufer (kein Actionfilm nach 2005, der etwas auf sich hält, kommt ohne Parkour-Läufer aus!), der über jedes Hindernis dahin schwebt.
Der weibliche Faktor kommt dann auch bald in Kontakt mit einem versoffenen Kirchenmann (Robert Carlyle braucht offenbar dringend Arbeit!), der beim Nach-dem-Göbeln-Morgenkaffee den Sender des Franzmanns verschluckt hat und jetzt als wimmerndes Ziel herhalten muß. Nu noch raten, wer die Holde mit der Morgenübelkeit weggeputzt hat und in wessen Auftrag - nachdem ich noch einen charismatischen Spielleiter erwähnt habe.

Klar, das bißchen Plot, das sich aus so etwas ergibt, ist dann wirklich nicht mehr der Rede wert und entwickelt sich so weitschweifig wie ein einzelnes Gänseblümchen, aber dafür hat man mit Carlyle, dem immer-grimmigen Ving Rhames, Kelly Hu und Ian Somerhalder als kichernden Psycho eben dann doch sowas wie Charaktere.
Nur: Spannung will dabei nicht aufkommen, dafür setzt Regisseur Scott Mann zu sehr auf Gesichter, die Tiefe simulieren sollen, anstatt von Breite, so daß man ein knappes Drittel der Beteiligten in einer einzigen Actionsequenz wegflext und den Rest bis auf die Hauptfiguren in einer musikalischen Montage. Wirkliche Zuspitzung fällt eigentlich flach, man wartet auf das Offensichtliche, bis es dann kommt.
Gesunde Härte hat man in ein paar Szenen hinzugepackt, gepaart mit einigen platzenden Köpfen und CGI-Blut, nur wirklich mitreißende Exzesse wollen nicht daraus erwachsen. Dafür wird auch zu sehr Arbeiterklassencharme von Middlesborough ins Bild gerückt, eingefaßt mit düsteren Interieurs und hektischem Schnitt zur (wann lernen das moderne Regisseure eigentlich) wieder mal inflationären Handkamera in den Actionsequenzen.
Eine Motorway-Verfolgungsjagd zwischen Tanklaster und Bus hat so ihre Meriten, wirkt dann aber doch stumpf, wo sie aufrütteln müßte, von der finalen Pointe (oder den zwischendurch eingefügten kleinen Wendungen) ganz zu schweigen.

Das ergibt dann einen ganz unterhaltsamen Kracher für flotte 85 Minuten, aber auch den faden Nachgeschmack, daß man aus der Story optisch und actionorientiert wesentlich mehr hätte rausholen können. "Tournament" sitzt irgendwo auf halbem Weg von den 80ern rüber zum modernen Actioner zwischen den Look-Stühlen und ist manchmal ein wenig dirty, aber nie mit so viel eigener Handschrift gesegnet, daß man denkt: den vergeß ich so schnell nicht.
Mir persönlich fehlen hier einfach die kleinen, feinen Details und der nötige Humor und dann vielleicht noch der Hauch einer Erklärung, warum Carlyles Pfaffe an der Flasche hängt - das hat man wohl in der Eile vergessen. Zum Snacken! (6/10)

Details
Ähnliche Filme