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Seien es nun die alten Heroic-Bloodshed-Streifen von John Woo, die aktuellen Zerstörungsorgien eines Michael Bay oder sonstige No-Brain-Actioner der A-Klasse: Einen wahren Overkill von Action-Sequenzen bekommt man eher selten geboten. Egal ob nun in Form von pathetischem Gelaber oder dümmlicher Witzelei, irgendeine Art von belangloser Handlung bremst nicht selten das explosive Geschehen aus. Da darf man sich durchaus fragen, warum auf diese Alibi-Storys nicht größtenteils verzichtet und stattdessen hauptsächlich auf fulminante Schauwerte gesetzt wird. Wer sich von einer derartig reduzierten Show berieseln lassen möchte, der muss sich zumeist in die niederen Gefilde der B-Movies begeben. Genau dort ist auch “The Tournament” anzusiedeln - der britische Beitrag zum Thema Battle Royal pfeift auf Logik sowie Hintergründe und präsentiert lieber eine recht ansehnliche Anhäufung abwechslungsreicher Action-Szenen.

Eine Truppe zwielichtiger Krimineller organisiert alle 7 Jahre ein bestialisches Turnier: 30 Profi-Killer treten in einem Kampf auf Leben und Tod gegeneinander an, bis schließlich nur noch einer steht - dem Gewinner winken Ruhm und Reichtum. Verfolgt wird das erbarmungslose Gemetzel mithilfe von diversen Kameras sowie den Teilnehmern implantierten Sendern, damit voyeuristische Glücksspieler ihre Wetten auf den Sieger platzieren können. Neben dem amtierenden Champion Joshua (Ving Rhames) sind unter anderem auch die zierlich anmutende Lai Lai Zhen (Kelly Hu), der sadistische Miles Slade (Ian Somerhalder) sowie der Parcours-Künstler Anton Bogart (Sebastien Foucan) an der Schlacht beteiligt. Letzterer entfernt jedoch unfairerweise seinen Ortungschip, welcher daraufhin versehentlich vom gefallenen Vater MacAvoy (Robert Carlyle) zu sich genommen wird - der Priester gerät somit unbeabsichtigt zwischen die Fronten der grausamen Auseinandersetzung…

Die Zielgruppe bekommt, wonach sie verlangt: Schlag auf Schlag wird man von einer blutigen Action-Montage in die nächste geworfen. Die Anlage der simplen Geschichte unterstützt diese kurzweilige Vorgehensweise ungemein: Ohne zu viele Worte zwischen den Gefechten zu verlieren, werden die Killer nacheinander von der Leine gelassen. Auf das satirische Potenzial der Ausgangssituation wird im Zuge der kurzen Story-Fetzen nur marginal eingegangen, die kritische Thematik der gewissenlosen Unterhaltungssucht auf Kosten anderer wird höchstens gestreift - das wurde im ebenfalls einfach gestrickten “The Gamer” schon überzeugender dargestellt. Um die Flut der rasch aufeinanderfolgenden Scharmützel nicht allzu unnahbar und repetitiv zu gestalten, stehen lediglich eine Handvoll Protagonisten im Fokus - der restlichen zwei Dutzend entledigt man sich kurzerhand in einer netten Massenschießerei respektive mithilfe einer kurzen Collage.

Das Kräftemessen der Kontrahenten präsentiert sich dabei angenehm abwechslungsreich: Wüste Schießereien und rabiate Nahkämpfe gehören ebenso zum Programm wie wilde Verfolgungsjagden, egal ob nun per Auto oder akrobatischer Parcours-Einlagen. Die handgemachte Action ist dank des rauen Charmes sowie der sauberen Inszenierung amüsant anzuschauen, versetzt einen aber nie wirklich ins Staunen - man hat halt alles schon mal eine Stufe eindrucksvoller gesehen. Es wäre sicherlich eine immense Bereicherung gewesen, hätte man die ohnehin trashige, da von jeglicher Logik befreite Chose etwas abgedrehter inszeniert. Der nötige Schuss Witz und Ironie blitzt jedoch nur spärlich auf, der ziemlich ernste Ton wird eher selten mit einer Prise Humor gewürzt.

Der schlichten Handlung folgend präsentieren sich die Figuren allesamt dünner als ein magersüchtiges Topmodel. Wie genau Robert Carlyles weinerlicher Priester als dramaturgischer Anker dienen soll, wenn man doch nichts weiter über ihn erfährt, darf mit einem großen Fragezeichen versehen werden. Ving Rhames kann seinen stereotypischen Killer auf Rachefeldzug aufgrund seiner physischen Präsenz und Coolness immerhin mit Charisma füllen. Ähnliches gilt für Ian Somerhalder, der die diabolischen Züge seines herrlich überzogenen Verrückten mit diebischer Freude auskostet. Ein solch überdrehter Charakter mehr hätte es ruhig sein dürfen, die Reißbrett-Auftritte von Kelly Hu und Sebastien Foucan gestalten sich jedoch ziemlich beliebig. Da letzterem rein gar keine Persönlichkeit zugestanden wird, darf er sich wie schon bei “Casino Royale” immerhin vollends auf seine beeindruckende Beweglichkeit konzentrieren.

Fazit: The Tournament” bietet eine nicht abreißen wollende Aneinanderkettung hübscher Action-Einlagen, erkauft sich diese kurzweiligen Schauwerte jedoch mit dem beinahe völligen Verzicht auf charakterliche Tiefe, Logik und Handlung. Da der sich etwas zu ernst nehmende Wettstreit nicht derartig atemberaubend ausfällt, dass man diese dramaturgischen Zugeständnisse anstandslos akzeptieren kann, weiß das blutige Spektakel nur durchschnittlich zu unterhalten - so ganz ohne interessanten Inhalt funktioniert es dann halt doch nicht.

5/10

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