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Der neue Tarantino ist da. Während die einen jubelschreiend das jüngste Werk abfeieren, zeigen ihm andere lieber den Stinkefinger. Tarantino war für mich immer zweifelsohne ein toller Regisseur, den Hype um den Mann konnte ich aber niemals wirklich nachvollziehen.

Sicher, "Pulp Fiction" ist für viele ein Klassiker, ein Werk für die Ewigkeit, für mich einfach nur ein cooler Film. "Kill Bill Vol. 1" fand ich ebenfalls sehr gut, super Ideen und alles, der Klassikerstatus ist hier schon eher gerechtfertigt. "Reservoir Dogs" fand ich zum Beispiel immer schon überbewertet und eher durchschnittlich. Tja, "Jackie Brown" habe ich nicht gesehen, interessiert mich auch nicht wirklich, "Kill Bill Vol. 2" war ein ziemlicher Langweiler und "Death Proof" hab` ich mir ebenfalls noch nicht angeschaut. Seltsamerweise denken sehr viele Leute immer noch, "From Dusk til Dawn" stamme ebenfalls von ihm und huldigen dem Quentin immer noch hingebungsvoll für dieses Meisterwerk (was es in diesem Fall auch ist!). Blöd nur, dass dieser Klassiker von Robert Rodriguez auf die Leinwand gebracht wurde. Egal, hier geht es ja um "Inglourious Basterds" und nicht darum, was ich vom Kultregisseur halte.

Ich war schon etwas skeptisch im Vorfeld. 152 Minuten, aufgeteilt in 5 Kapitel. So was ähnliches hatten wir ja schon in "Kill Bill". Das kann funktionieren, muss aber nicht (siehe K.B. 2). Dass es doch klappt, liegt vor allem daran, dass der Film trotz immenser Dialoglastigkeit wenige Längen hat. Ich sage hier bewusst wenige, denn ab und an ist es doch etwas zu viel des Guten mit der Laberei (siehe dritter Akt - einfach zu sehr in die Länge gezogen und kaum fesselnd). Wie man`s richtig macht, ohne zu langweilen, zeigt Tarantino in Akt 1 und besonders in Akt 4. Zweiter und letzter Akt sind eher actionbetont, wobei auch hier viel geredet wird. Überhaupt wird in diesem Film viel mehr Wert aufs Wort anstatt aufs Schwert gelegt. Daran muss sich der geneigte Fan gewöhnen, wobei ja auch schon "Kill Bill 2" in diese Richtung ging. 

Was nützen die besten Dialoge, wenn die Schauspieler grottig sind. Genau...nichts! Aber hier hat Tarantino alles richtig gemacht. Angefangen von Brad Pitt, der den coolen Nazijäger gibt bis zu Christoph Waltz als den Judenjäger - alle Darsteller sind durch die Bank exzellent besetzt. Hervorzuheben ist natürlich besonders Waltz, aus dem Tarantino wirklich alles rausgekitzelt hat. Beide Daumen hoch! Doch auch August Diehl soll nicht unerwähnt bleiben, der dem tollen vierten Akt seinen Stempel aufdrückt. Das hätte ich ihm eigentlich gar nicht zugetraut! Aber er ist für mich neben Waltz der Beste in diesem Streifen! Ach ja, den Goebbels Darsteller (ich komm nicht auf den Namen) möchte ich auch noch lobend erwähnen! Diane Kruger kommt bei den Kritikern ja immer schlecht weg, egal, was sie tut. Das ist ziemlich unfair, wie ich finde. Sie wird zwar nie eine richtig geniale Schauspielerin, aber sie macht ihre Sache wirklich gut. O.k., wenn sie den Mund aufmacht, hört sich das schon sehr gewöhnungsbedürftig an, aber so überaus schlecht wie es die "Cinema" schreibt, ist sie nun wahrlich nicht!

Leider ist das Ende etwas abrupt und ein wenig unbefriedigend, ich hätte mir etwas anderes gewünscht, aber die Kinoszene ist dennoch genial gemacht! Ein wenig mehr Action und a bissl weniger Gerede wäre insgesamt nicht verkehrt gewesen, aber gelangweilt habe ich mich eigentlich nie. Und jetzt muss ich auch mal ein Lob an Tarantino aussprechen. Er mischt in "Inglorious Basterds" so viele Genres zusammen, dass andere Regisseure daraus wohl nur einen kruden Brei zusammengekocht hätten. Für mich ist "Inglorious Basterds" neben "Kill Bill 1" Tarantinos bester Film. Mal wieder total ungewöhlich und schräg, aber es passt immer zusammen. Kultig? Schwierig zu sagen, aber auf jeden Fall verdammt nah dran! Die Zeit wird`s zeigen...

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