Review

Inglorious Basterds
Quentin Tarantino


Qunetin Tarantinos Weltreise geht weiter. Von Amerika nach Japan,
danach ein Zwischenstop mit Eli Roth zum Ostblock und dann ein weiterer
großer Stop in Deutschland. Damit hätte wohl keiner gerechnet. Nach dem
Grindhouse Flop, Tarantinos erster wirklicher Fehlschlag was die
Kinokassen anging (und das ich nehme mal an durch sein selbstverliebtes
Segment Death Proof), hätte ich nicht erwartet das die Weinstein Brüder
nun Kohle für ein 150 Minuten Werk locker machen dessen Konzept eher
wahnsinnig klingt als nach viel Geld am Box Office.  Mutig. Wurde doch
in letzter Zeit so viel über den neuen Quentin Tarantino Film
berichtet. Was kann man nach Kill Bill erwarten? Übertreffen kann er
sich nicht mehr. Zumindest bei mir kann Tarantino sich nach Kill Bill
nicht mehr übertreffen.

Doch ich war von Anfang an nicht von Tarantinos neuem Projekt
begeistert. Damit sprengt er den Rahmen dachte ich mir. Wie kommt man
auf so etwas? Daher habe ich auch die ganze Promotion rund um den Film
gemieden. Trotzdem war ich aber doch mächtig gespannt auf den Film.
Auch wenn ich nicht begeistert war von dem Konzept, es ist immerhin ein
echter Quentin Tarantino Film. Kein Presented By Quentin Tarantino. Und
wieso nicht? Wenn Tarantino hier verspielt war es das für ihn. Einen
erneuten Flop kann auch er sich nicht leisten.


Und Heute gings dann ins Kino. Ein überfüllter Saal. Jeder wollte
wissen was Tarantino uns da vorgesetzt hat. Und dann lief der Abspann,
und jeder applaudierte. Quentin Tarantino hat es geschafft dem Wort
Kino wieder eine Bedeutung zu geben. Lange habe ich mich im Kino nicht
mehr so unterhalten. Nach Benjamin Button mit Brad Pitt, gleiche
Lauflänge, und es mir wie gefühlte 5 Stunden vorkam glänzten die
Basterde trotz 150 Minuten absolut brilliant.

Erstmal: Ja, Inglorious Basterds ist politisch unkorrekt. Aber da
haben wir auch gar nichts anderes erwartet. Aber rassistisch oder
rechtsradikal ist er nicht. Ja, der ganze Zweite Weltkrieg bekommt
einen drüber.  Na und? Da sollten sich die ganzen anderen bierernsten
Kriegsdramen mal selber anschauen. Wer die Basterds ernst nimmt ist
echt nicht mehr zu helfen. Hier sollte man gut zwischen wahren Fakten
und Fiktion unterscheiden können. Wer damit nicht klar kommt, oder sich
als Deutscher angepisst vorkommt wenn er den Film sieht sollte
Inglorious Basterds gleich meiden. Und nein, auch in der Vorstellung in
der ich saß kamen die Lacher sehr verhalten.


Inglorious Basterds hat mehr Dialoge als Action. Man kann sich von
den Trailern in die Irre führen lassen. Dazu kommt das es absolute
Tarantino Dialoge auf die Ohren gibt. Tarantino Dialoge und das auch
noch im Dritten Reich. Da werden viele an Death Proof zurückdenken wenn
sie das Wort Dialoge hören. Und viele werden sich ungerne daran
erinnern. Selbst ich kann mir Death Proof nur mit sehr guter Laune
anschauen. Doch nervige Dialoge wie in Death Proof gibt es in
Inglorious Basterds einfach nicht. Alleine die Eröffnungssequenz, eine
Hommage an "Zwei Glorreiche Halunken", ist kultig. Und dazu sei gesagt
das es eine wirklich lange Eröffnungssequenz ist. Und bereits hier war
mir klar und ich wusste welchen Weg Tarantinos Nazimärchen gehen wird.
Und es würde ein Weg sein der mir gefällt.

Schauspielerisch explodiert hier im wahrsten Sinne des Films das
Kino. Was Tarantino hier besonders aus den deutschen Schauspielern
rausholt ist unglaublich. Er hat es geschafft Til Schweiger zu einem
verdammt coolen wie zynischen Nazikiller zu machen. Und Regisseur und
Kumpel Eli Roth trug Tarantino eine ebenfalls sehr nette Rolle zu die
Roth wirklich unterhaltsamer meistert als ich von dem Hostel Macher
erwartet hätte. Ganz großes Lob geht an Christoph Waltz in seiner Rolle
als fieser SS Boss Hans Lander. Charakteristisch ist Lander eine
Mischung aus Bill und Hannibal Lecter. Waltz meistert seine Rolle mit
Bravour. Erschreckend glaubwürdig und voller Leidenschaft spielt er
diesen Bösewicht über den man wohl noch häufiger reden wird. Und da
sage noch einer das Deutsche Schauspieler nichts bringen. Der Meinung
war ich ebenfalls. Und als letztes hätte ich damit gerechnet das sie in
einem Tarantino Film eine gute Rolle spielen würden. Wieso traut sich
kein deutscher Regisseur oder Produzent mal einen wirklich
ernstzunehmenden deutschen Film mit solchen Schauspielern zu drehen?
Uns wird stattdessen immer nur der gleiche Mist vorgesetzt und so
werden talentierte Schauspieler in irgendwelchen billig TV Produktionen
oder langweiligen Kinofilmen verschwendet. Übrigens auch Brad Pitt hat
als  Lieutenant Aldo Rayne eine fabelhafte Rolle gespielt. Mit seinen
Sprüchen hatte er wohl die meisten Lacher auf seiner Seite. Und dennoch
ist es kein "Brad Pitt hat die meiste Screentime" Film geworden. Schön
in Kapiteln aufgeteilt hat jeder Charakter seine eigene Geschichte zu
erzählen. Und immer schön auf die Sprecher achten. Da sind noch so
einige Gaststars aus vergangenen Filmen wie auch der Regisseur selbst
zu hören.


Etwas hätte ich aber doch noch zu nörgeln. Mir fehlte ein wenig der
Bezug zu den Basterds. Tarantino hätte etwas mehr auf  sie eingehen
können, mehr von ihnen und ihrer Mission. Auch Tarantinos übliche plott
twists habe ich ein wenig vermisst. Das Finale war genial keine Frage
(das wort abstrakt trifft es wohl besser), allerdings lief es dann
gegen Ende ein bisschen zu glatt.

Übrigens wäre noch die Deutsche Altersfreigabe erwähnenswert.
Anscheinend müssen erst genügend Hakenkreuze und überzogene Gewaltäkte
stattfinden das man den Film ab 16 freigeben kann. Mir ist die Freigabe
daher ein echtes Rätsel. Inglorious Basterds ist wirklich kein Film den
man einen 16 Jährigen zeigen sollte. Es ist ein Film für Erwachsene.
Natürlich dürfen wir uns über ein ungeschnittenes Kinovergnügen freuen,
aber erneut hat die FSK bewiesen das man ihre Entscheidungen nicht
ernst nehmen kann.


Fazit:
Quentin Tarantino lädt ein auf eine etwas andere Reise ins Dritte
Reich. Wo sich viele Kriegsfilme viel zu ernst sehen verzichtet
Tarantino auf Geschichte und schreibt sie praktisch neu. Inglorious
Basterds ist kein Film für Jedermann, das war bei Tarantino auch noch
nie so. Doch der Meister ist zurück. Und das so richtig. Ein Film der
fürs Kino gemacht ist und man jede Minuten geniessen wird. Eine
Mischung aus großer Filmkunst und B Movie. Besser gehts nicht. Bis auf
kleine Schönheitsfehler, die hoffentlich noch mit einem Directors Cut
ausgebsssert werden habe ich nichts zu nörgeln. Die Basterde sind auf
dem Besten Wege zum Kult zu werden. Ein gelungener Film. Ein Spaghetti
Western mit Nazis.

Ich vergebe 9 von 10 Punkte.


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