Tarantino meets Das dritte Reich oder die Rache der Juden
Einen Film dieses begnadeten und gleichermaßen legendären Regisseurs zu bewerten bzw. zu rezensieren ist sicherlich nicht leicht, schliesslich lieferte er in seiner Karriere solche Filmmonster wie Pulp Fiction, Resevoir Dogs oder Kill Bill ab. Doch was traut man einem Regisseur, der mit Death Proof eher mittelmäßige Ware ablieferte noch zu. Vieles, denn das sollte man auch, denn Inglourious Basterds ist ein Film, der Beachtung verdient hat, aber erstmal ran an den Käse, Sauerkraut mit massig Krauts.
Im von Deutschen besetzten Frankreich wandert die jüdische Spezialeinheit "Basterds" umher, um jeden noch so stolzen Antisemiten und Nazioffizier zu töten. Knapp 8 Mann und an erster Linie der coole und abgeklärte Auda (Brad Pitt), der quasi die Führung angibt und gewillt ist von jedem seiner Leute 100 Naziskalps zu bekommen. Dann hätten wir noch den Bärenjuden auch genannt, das Golem, dass immer mit dem Baseballschläger zuschlägt und der ehrfürchtige Hugo Stiglitz (Til Schweiger), der 13 wichtige Nazioffiziere getötet haben soll. Zur gleichen Zeit muss eine jüdische junge Frau mitansehen, wie ihre ganze Familie unter der Führung eines Nazioberst namens Hans Landa (Christoph Waltz) getötet wird. Ihre erfolgreiche Flucht ermöglicht ihr eine neue Existenz in Paris als Kinobesitzerin aufzubauen und als sie den Wehrmachtssoldaten und Kriegsheld Frederik Zoller (Daniel Brühl) kennenlernt, hat sie die Möglichkeit die Premiere seines Filmes "Stolz der Nation" aufzuführen. Für sie natürlich der grosse Clou um sich an allen und den ganzen Naziaärschen zu rächen, denn selbst Göbbels und Hitler sollen vor Ort sein. Doch auch die Basterde kriegen von Operation Kino Wind und bereiten sich auf die Beendigung des Krieges hin.
Es ist bisweilen schon recht mutig, was Herr Tarantino hier auf die Beine gestellt hat, denn die Deutschen kriegen hier gewiss ordentlich ihr Fett weg und das ist auch gut so. Gewiss werden diverse Leute etliche Inszenierungen und Seitenhiebe geschmacklos oder als beleidigend empfinden, aber Tarantino hatte es auch so sicher niemals beabsichtigt eine politisch korrekte oder eben auch historisch korrekt Verfilmung zu fertigen.
Inglouious Basterds holt sich dabei auch selten ernst, auch wenn der Grundtenor des Filmes sicherlich in dem Groll gegen das deutsche dritte Reich und all seine menschenverachtenden Methoden liegt. Dabei ist Tarantinos Stil typisch. Er legt den Film in 5 Kapitel, aber ohne dabei in verstückelten überlappenden Zeitepochen zu erzählen.
Mal eine recht sinnvolle Idee, denn ohnehin erzählt Inglourious Basterds von zwei Gruppierungen und hat dabei meistens zwei Erzählstränge, die im glorreichen Finale zusammengeknüpft werden. Aber dazu später mehr.
Tarantino fertigt eine Grundstory, die sogesehen eigentlich recht schmal ist, aber das tut der ganzen tadellosen Unterhaltung keinen Abbruch, denn schon zu Beginn an merkt man den typischen Tarantinoflair, vorallem wenn ein gewisser Christoph Waltz als sogenannter Judenjäger in einer ellenlangen Verhörungs und Einschüchterungskonversation seine Dominanz und Charme ausspielt. Alleine diese Darstellung ist in ihrer Charakteristik grandios, selten zuvor war ein Schauspiel mitsamt seinen ausgefeilten Dialogen gepaart mit endlos ausversierter Mimik und dem typisch coolen Wortwitz so erheiternt. Und dabei ist das noch untertrieben wenn ich sage, dass Inglourious Basterds übertrieben abgefahrene Charaktere hat. Der Wortwitz ist dabei immer präsent, die Dialoge meistens sehr geschwätzig und auch wenn dabei selten Musik ertönt und sie meistens eine gewisse Zeit brauchen um ihren Höhepunkt zu erreichen, unterhalten sie ungemein, ohnehin weiss man, dass sie mit ihrem massakrierenden und meist ausufernden Ende jedweden Vogel abschiessen werden.
Massakriert wird hier bisweilen einiges, auch wenn Gewalt hier eher nebensächlich ist, aber wenns mal drauf ankommt, dann darfs ruhig mal herbe und brutal zur Sache gehen. Wenn Leuten die Schädeldecke abgeschnitten wird, Nazischergen durch ein Messer ein Hakenkreuzsymbol auf die Stirn eingeschnitten wird und der gewisse Bärenjude mit Baseballschläger auf Naziköppe eintrümmert, dann darf das Kinopublikum ruhig mal schluchzen.
Schluchzen tats auch leider bei gewissen Szenen, die in ihrer Inszenierung sicherlich den ohnehin schon ironischen Unterton erweitern wollten, aber darf man als Deutscher drüber lachen, wenn derbe und auch platte klischeebehaftete Beleidigungen wie "Sauerkrautbürgerfressendes Nazischwein mit Wienerwürstchen" aufgefahren werden? Darf man(n), muss man und sollte man auch, denn wenn diverse Helden recht übertrieben dargestellt werden und dabei eine Popartinschrift eingeblendet wird, dann weiss man, dass Inglourious Basterds sich gewiss nie darum schert eine tiefgründige oder eben wertvoll kultivierte Verfilmung mit Botschaft zu sein.
Tarantinos Groll gegen Deutsche ist dabei sicherlich spürbar, auch wenn es mitunter sehr erstaunlich ist, wie viele namhafte deutsche Darsteller hier mitspielen. Was dieser Schmalspurcomediant namens Zack in einem Tarantinostreifen zu suchen hat, ist mir zwar immer noch schleierhaft, aber Til Schweiger und Daniel Brühl sind da auch eher ein störender Faktor. Daniel Brühl sicherlich in der Beziehung, dass ihm seine Rolle als brutaler 300 Mann Killer und jetziger Kriegsheld einfach nicht steht, auch wenn sein Charakter trotzdessen und gerade deswegen sehr debil und einfühlsam zu sein scheint, schliesslich offenbart uns deswegen der Film eine gewisse fehlgeschlagene Liebesromanze, die in ihrer Entwicklung und mit ihrem Ende zwar recht fragwürdig und mal wieder entäusschend ist, aber ohne diese wäre die Story ohnehin nicht dorthingelaufen, wo sie enden soll.
Zu Til Schweiger bleibt letztendlich bloss zu sagen, dass er mitsamt seiner Rolle gnadenlos wichtig angepriesen wird, dabei aber letztendlich schnell den Tod findet. Macht nichts, denn seine eiskalte und auch starre Mimik ist nicht jedermanns Sache, auch wenn ihm seine Verkörperung des wortkargen Hugo Stiglitz perfekt zugeschneidert zu sein scheint.
Schön auch zu sehen, wie Tarantino, der in seiner Schaffenszeit wohl mehr Filme gesehen als gemacht hat, diverse Huldigen ausruft, denn Inglourious Basterds ist eigentlich ein Quasiremake oder auch Hommage des 1978 erschienenen "Ein Haufen verwegener Hunde". Hugo Stiglitz (Til Schweiger) eigentlich ein Darsteller in zb. Umberto Lenzis Film "Grossangriff der Zombies" und ein als italenischer Filmkritiker verkleideter Basterd namens Antonio Margheriti eigentlich ein italenischer Schundregisseur der 70er und 80er Jahre. Und ohnehin wirkt Tarantinos Inglourious Basterds wie ein Spaghettiewestern mit Nazithematik und abgefahrenen Charakteren.
Einfach glorreich und sagenhaft, was Tarantino hier auffährt. Das Ende ist in seiner Darstellung zwar sehr abrubt und flott umgesetzt, aber wann wurde schon Hitler persönlich so explizit von einem Maschinengewehr verstückelt. Die Szenerie im Kino am Ende ist ohnehin Action pur, allein der Brand und der schreiende und hysterische Nazimobb ist schöner nicht mitanzusehen. Splattrig wird Inglourious Basterds zwar nie wirklich, blutig ist er aber zweifelsohne, ein Meisterwerk in sich, in filmhistorischer Sicht sicher nicht sein bester Film, aber trotzalledem ein neuer Schub für die Filmgeschichte. Die letzte Kennzeichnung, quasi der Schlussact mit Einkravur des Hakenkreuz auf die Stirn des letzten überlebenden Nazis mit dem Kommentar "Ein Meisterwerk" steht sinnbildlich für den kompletten Film. Und das wusste Tarantino wohl selbst. Da darf man ruhig mal so eingebildet sein.
Fazit:
Tarantino, Schweiger und Pitt killen Nazis und es unterhält ohne Ende. Der Film holt sich dabei niemals ernst, die Charaktere sind dabei herbe derbe abgedreht, die Coolness und der Wortwitz in den intelligenten Dialogen sitzt perfekt, ohnehin ist die Inszenierung Tarantinotypisch und der Charme durch seine perfekten Darsteller und den Wendungen in der Geschichte grandios. Ein Film, über den man lachen darf, der in jeder Hinsicht gelungen ist und bisweilen das Filmhighlight des Jahres 2009 darstellt. Ein Film, der in jede DVD Sammlung gehört, denn Inglourious Basterds ist ein Meilenstein. Christoph Waltz als Judenjäger hat eh einen Oscar verdient. Sagenhaft.
91%