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Die Filme vom ehemaligen Videothekenangestellten Quentin Tarantino passen weder in ein Genre, noch folgen sie einem gewissen Schema. Egal was Tarantino auf Zelluloid bannt, es verläuft immer anders als man denkt. Tarantino ist dafür bekannt, seine Drehbücher immer selbst zu schreiben und dabei mit vielen Genres zu jonglieren. Sein neues 70 Millionen Dollar Werk "Inglourious Basterds" könnte man als eine Mischung aus Kriegsaction, Thriller und Komödie bezeichnen. Wenn man sich an den Trailer hält, war etwas ganz anderes zu erwarten, denn es stehen nicht nur die "Inglourious Basterds" im Mittelpunkt. Ein weiteres Mal teilt Tarantino seinen 150 Minuten Film in mehrere Kapitel auf und neigt leider auch wieder zur Geschätzigkeit.

Der erste Handlungsstrang erzählt von der Jüdin Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent), deren Familie von SS-Oberst Hans Landa (Christoph Waltz) hingerichtet wurde. Shosanna kann nach Paris fliehen, wo sie drei Jahre später wieder auf Landa trifft. Sie führt ein kleines Kino und der deutsche Volksheld Frederick Zoller (Daniel Brühl) hat sich in Shosanna verguckt. Daher will er, dass sein Film "Stolz der Nation" in ihrem Kino aufgeführt wird. Auch Joseph Goebbels (Sylvester Groth) und Adolf Hitler (Martin Wuttke) erscheinen zu dieser Premiere. Shosanna will Rache an den Nazis und plant ein Attentat.

Mit diesem Strang beginnt der Film, da kommt SS-Oberst Landa zu Westernklängen auf eine Farm und verhört den Milchbauer LaPadite (Denis Menochet). Die Beiden unterhalten sich ruhig, Landa trinkt ein Glas Milch, LaPadite raucht seine Pfeife, doch der Zuschauer ist unter Spannung, weil er ganz genau spürt, dass jederzeit etwas passieren kann. Mit seiner perfekten Psychologie kann Landa jeden Menschen manipulieren. So kommt es dann zu dem Massaker an Shosannas Familie.
Erst drei Jahre später, nämlich 1944, geht das Geschehen um Shosanna weiter. Goebbels ließ einen Film über den deutschen Helden Frederick Zoller anfertigen, der in den ersten drei Tagen seines Soldatendaseins über 300 Amerikaner erschoss. Zoller will die Premiere in Shosannas Kino verlegen lassen, ein dicker Fehler wie sich herausstellt. Doch es dauert wirklich lange, bis es soweit kommt. Bis dahin muss man einige (unnötige) Dialoge über sich ergehen lassen. Wenn Shosanna ihrem Wiedersacher Landa erneut gegenübersteht ist Spannung zu verspüren, doch ansonsten ist dieser Storyteil zu langatmig umgesetzt.

Nummer zwei erzählt dann von den "Inglousious Basterds", einer kleinen Gruppe um Leutnant Aldo Raine (Brad Pitt), die den Nazis mächtig einheizen. Sie sollen nicht nur soviele Nazis töten wie möglich, sondern haben auch ein Attentat auf die Kinopremiere von "Stolz der Nation" geplant und zwar mit Hilfe der Schauspielerin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger). Doch das Unterfangen droht zu scheitern, unter anderem kommt ihnen Landa in die Quere.

Dieser Teil ist mit deutlich mehr Pepp erzählt und viel zynischem Humor. Aber ich hätte mir weitere Erläuterungen über die "Inglourious Basterds" gewünscht. Wir lernen davon nur drei Charaktere näher kennen, nämlich Lt. Raine, Hugo Stiglitz (Til Schweiger) und den brutalen Sgt. Donny Donowitz (Eli Roth). Die restlichen Charaktere bleiben blass und über ihre Motivationen erfahren wir nichts. Aber wir dürfen ihnen beim Nazis skalpieren zuschauen. Die werden erschossen, oder mit dem Baseballschläger zu Tode geknüppelt und bekommen schließlich den Skalp mit dem Messer abgetrennt. Überlebende werden für ihr Leben gebrandmarkt. Hier geht Tarantino ganz schön ruppig zur Sache und zeigt einige sehr graphische Aufnahmen. Wenn es bei Tarantino mal zur Sache geht, dann schon immer richtig heftig.
Nur die Barszene, in der ein Teil der Basterds auf Bridget von Hammersmark trifft, ist ein wenig zu lang geraten, ansonsten macht dieser Storyteil richtig Spass. Besonders das Finale ist ein Brüller und wartet mit einer toll platzierten Wendung auf.

Tarantino hat hier massig Prominenz um sich versammelt, auch viele Deutsche. Christoph Waltz als Landa spielt hier alle an die Wand, da kann selbst ein Brad Pitt nicht mithalten. Eine echte Enttäuschung und Fehlbesetzung dürfte Diane Kruger als Bridget von Hammersmark darstellen, obwohl die Würgeszene eine der Höhepunkte des Films ist. Ansonsten spielen Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Christian Berkel, August Diehl, Martin Wuttke und Ken Duken. Tarantino wollte viele deutsche Schauspieler für seinen Film haben. Desweiteren Eli Roth, Mike Myers, Mélanie Laurent und Julie Dreyfus.

Dialoglastiger Genremix mit vielen namhaften Darstellern und authentisch gestalteten Kulissen. Tarantino erzählt seine eigene Geschichte vom Ende des Krieges, natürlich mit viel zynischem Humor, einigen Brutalitäten und vielen Überraschungen. Mir ist der Film aber auch eindeutig zu lang geraten.

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