Review

TSCHÜS TARANTINO!

Die allgemeine Lobhudelei von Filmkritik und Publikum kann ich in keinster Weise teilen geschweige denn nachvollziehen.

INGLOURIOUS BASTERDS stellt für mich den absoluten Tiefpunkt im Schaffen Quentin Tarantinos dar.
Die vielzitierte Italo-Western Ästhetik ist derart platt, plakativ und unmotiviert, als hätte Michael "Bully" Herbig inszeniert. Die großartige Filmmusik Morricones mag bei Zuschauern die, eben diese nicht als schamlos geklaut erkennen vieleicht perfekt funktionieren.

Für mich jedenfalls kommt es einer Vergewaltigung gleich wenn ein fehlbesetzter Daniel Brühl zu den Klängen des grandiosen italienischen Thrillers REVOLVER sterben darf.

Zitiert sollte hier nicht mit zweitklassig kopiert verwechselt werden! Hatte Tarantino noch während der Dreharbeiten zum Film auf Castellaris Meisterwerk INGLOURIOUS BASTERDS von 1978 als Quelle der Inspiration verwiesen, sucht man in aktuellen Interviews ebensowenig einen Verweis, wie darauf das der Soundtrack nicht eigens komponiert sondern wie bereits erwähnt schlicht und ergreifend aus Klassikern des italienischen Kinos der 70er zusammen geklaut wurde!

Christoph Waltz liefert eine gelungene Darstellung während Brad Pitt eine der schlimmsten Fehlbesetzungen in einem Tarantino Film überhaupt sein dürfte.
Den knallharten Nazi-Skalpierer nehme ich ihm in seinem schmierigen Clark Gable Look jedenfalls keine einzige Sekunde lang ab.

Offensichtlich standen Tarantino und die Weinsteins nach dem finanziellen Desaster des großartigen GRINDHOUSE unter derartigem Druck einen Kassenschlager zu produzieren, das man versuchte es mit INGLOURIOUS BASTERDS einfach jedem Recht zu machen:

1. Brad Pitt für alle Frauen die ohnehin jeden Film mit ihm sehen müßen.

2. Etwas Blut und Gewalt (in für Tarantino eher homöopathischen Dosen!) für die Fans aller bisherigen Tarantino Filme.

3. Die ständige Erwähnung deutscher Filmklassiker aus den 20er und 30er Jahren in dümmlichen Dialogen, damit alle Filmkritiker sich selbst auf die Schulter klopfen können, weil sie diese kennen.

4. Die Story. WW2 Filme und Nazis verkaufen sich schließlich fast immer im Kino.

Nicht zuletzt gab es ja auch noch einen stattlichen Zuschuß der deutschen Filmförderung (prima das die FFA inzwischen ihre Millionen am liebsten an amerikanische Blockbuster verschenkt!)

Die Rechnung geht zweifels ohne auf. Ein derart breites Publikum was den Film bejubelt dürfte Tarantino seit PULP FICTION nicht mehr gehabt haben und mit INGLOURIOUS BASTERDS hat  er einen Riesenschritt in Richtung des Blockbuster-Kinos eines Steven Spielberg getan.

Für mich und viele andere Fans schräger Filme, die nicht im Fahrwasser platter Hollywoodhits schwimmen scheint Tarantino jedenfalls verloren. Schade. Aber wir werden auch ohne ihn gut weiterleben können. Tschüs Tarantino!

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