Enttäuschung des Jahres!
Sicher nicht der schlechteste Film 2009, ganz sicher, aber gemessen an den Erwartungen ein bitterer Kinogang. Ich hatte eine aufgepeppte Version von „Ein Haufen verwegener Hunde“ erwartet, aber damit hatte das Gebotene mehr als wenig zu tun. Also diesmal weniger das „gut-geklaut“-Prinzip, welches Tarantinos hauptsächliches Erfolgskonzept ist, in seinem Fall auch mehr als positiv gemeint, da seine Hommagen an die Filmgeschichte stets ein Fest für Cineasten waren. Laut Aussagen des Regisseurs bedient er sich diesmal bei sich selber: „Eine Spur Reservoir Dogs, ein Spritzer True Romance und ein paar Tropfen Pulp Fiction“. Wo? Inglourious Basterds versucht sich einer Mischung von dezenter Comedy, den üblichen Endlos-Dialogen, Western-Optik-Sprenkeln, einigen Aufblitzern von Gewalt und nicht mehr, ein Film mit kommerziellen Fokus auf die graue Masse die gar nicht weiß warum sie ins Kino geht(höchsten weil der und der Schauspieler mit dabei ist und weil Tarantino-Filme ja so cool sind). Kein Kriegsfilm, kein Actionreißer, keine Gewaltorgie, kein Feuerwerk der geschmackvollen Geschmacklosigkeiten, nichts, nichts was im Gedächtnis bleibt. Doch, Chistoph Waltz…Gratulation, großartige Leistung! Ein absoluter Lichtblick im Allgemeinen und vor allem zwischen den Unmengen drittklassiger deutscher Schauspieler, welche hier ins große Kino geworfen werden. Ich kann mir richtig vorstellen wie schmierige Agenten an der Produktionsleitung rumgegraben haben, mit dem Versprechen an ihre Schäfchen „Der Tarantino dreht hier in Berlin und setzt auf deutsche Schauspieler…wir bringen dich da rein!“. Wie kommt der Regisseur nur an solche Leute??? Ich habe gelesen, dass er sich mit den Nebendarsteller-Castings gar nicht die Zeit gestohlen hat, was aber vielleicht doch angebracht gewesen wäre. Teilweise wird das so peinlich, dass man richtig sauer werden kann. Ich sage nur Zack, Bela B, Ludger Pistor, Gedion Burkhard. Und das die Hauptdarsteller (!) Til Schweiger, Diane Krüger und Daniel Brühl keine Koryphäen und kein schöner Anblick für den Fan „richtiger“ Filme sind brauch man nicht explizit erwähnen.
Das interessanteste am Film ist noch die Charakterzeichnung, bei der jede „Gruppierung“ sowohl ihr Fett wegbekommt als auch eine Art „Anerkennung“ bekommt. Hier wird mit Klischees jongliert und viel Raum für Interpretationen gelassen. Der ruhmreiche stolze Deutsche, der bösartige brutale berechnende Wahnsinnige. Die jüdischen Ratten, hinterlistig und hinterhältig, falsch, das aufrechte Volk, schlau und nicht unterzukriegen. Da muss jeder seine persönliche Sichtweise finden. Mir hats jedenfalls nicht geschmeckt im Kino inmitten von Hohlkörpern zu sitzen, die gröhlen wenn ihre Großväter skalpiert werden. Wie gesagt, individuelles Empfinden.
Es wäre sicher unangemessen zu behaupten, dass der Film ein Totalausfall ist. Einige gute Ideen gibt es in jedem Fall zu bestaunen, sicher kann man auch einige Male schmunzeln, aber insgesamt und auf die Filmlänge reflektiert ist das einfach zu wenig, da jeder Tarantino auch immer mit großen Erwartungen verbunden ist. Keiner ist unfehlbar, lieber Quentin, siehe schon z.B. „Four Rooms“, wir lieben dich trotzdem und freuen uns auf deinen nächsten Film! Und dem breiten Volk scheint es ja doch gefallen zu haben, was die seltsam überschwänglichen Kritiken zeigen. Dann bist du wohl doch im Recht…aber die nächste Runde geht wieder an U-N-S! ;-)