Endlich mal wieder ein Streifen Tarantinos, der mir richtig gut gefallen hat. Nach dem mittelmäßigen Kill Bill Vol 2 und dem schwachen Death Proof habe ich meine Hoffnungen in Inglourious Basterds gesteckt und siehe da, der Herr kann es ja doch noch. Der Film handelt von einer Truppe amerikanisch/jüdischer Spezialisten, welche hervorragend darauf "trainiert" sind Nazis umzubringen. Nach einigen Monaten geht ihnen ihr Ruf schon vorraus und sie sind der Schrecken der Nazis. Gegenüber diesen Basterds steht der deutsche Offizier Hans Landa, auch der Judenjäger genannt. Er gilt als kaltblütiger Spürhund und gnadenloser Exekutor. Es ist da nur eine Frage der Zeit, bis sich die Wege der beiden Gruppierungen kreuzen und im besetzten Frankreich kommt es schließlich zum Kampf der Giganten.
Es mag vielleicht sein, das meine kleine Einführung zu Missverständnissen führen könnte. Ich sage nur etwas von zwei Gruppen, die sich bekriegen. Wie aber auch schon aus anderen Tarantino-Filmen bekannt, besticht Inglourious Basterds durch eine vielzahl verschiedener Unterszenarien. So sind die beiden oben genannten Truppen nur zwei der vielen verschiedenen Charaktergruppen. Dazu gesellen sich noch der oberste Stab des dritten Reichs (inklusive Hitler und Goebbels) und französische Untergrundkämpfer. Der Gesamtcast bleibt allerdings immer übersichtlich und so kommt es nie zu Verwechslungsgefahren der verschiedenen Charaktere und man weiß immer wer genau welche Operation gerade ausführt. Tarantino vereinfacht dies auch zusätzlich mit einer Struktur, indem er den Film in 5 Kapitel aufteilt. Jedes einzelne ist in sich abgeschlossen, leitet aber wunderbar in ein furioses Finale über. Dazu kommen noch die Tarantino üblichen langen und ausgefallenen Konversationen zwischen den Charakteren, welche jede Person dem Zuschauer so nah bringt, dass man eine Sympathie oder Antipathie entwickeln kann.
Die Besetzung ist bis auf wenige Ausnahmen ein wahres Meisterstück und hier muss man vor Tarantino wirklich den Hut ziehen. Den Mut zu haben und für "Hollywoodverhältnisse" hauptsächlich ausländische Schauspieler für die Rollen zu casten, so dass dem Film sehr viel mehr Autenzität geliehen wird; dafür Hut ab. Vorallem die Besetzung des Oberst Landa, verkörpert durch Christoph Waltz, ist eine wahre Offenbarung. Wenn ich sagen müsste, wann ich das letzte mal eine so perfekt besetzte Rolle gesehen habe, dürfte ich viele Jahre zurückblicken und vielleicht Bruce Willis in Stirb Langsam hervorbringen. Waltz spielt die Figur mit einer Passion, wie ich es selten gesehen habe. Er strahlt eine Überlegenheit und eine Arroganz aus, dass es dem Zuschauer schon fast verängstigend rüberkommt. So sind seine Ermittlungen stets ruhig, aber durch seine Mimik und Gestik, sowie einzelnen präzisen Nuancen im Gespräch, erkennt man immer wieder den Teufel, der in ihm steckt. Er wird von Tarantino klar als der Überlegenste dargestellt und ist allen anderen Charakteren immer einen Schritt voraus. Eine solche Figur straht mehr Furcht aus, als 1000 Zombies in einer dunklen Nacht. Im Gegensatz zu der Figur des Landa, steht Aldo Raine, Anführer der Basterds, gespielt von Brad Pitt. Im Prinzip das namentliche Schwergewicht des Films, begnügt sich die Figur mit einem immer fiesen Grinsen auf den Lippen und One-Linern ohne Ende. Er ist im Prinzip der Vollstrecker handelt barbarisch und ist der typische Yankee, welcher mehr mit den Muskeln bzw seiner Waffe denkt als mit seinem Kopf. Auch Donny Donowitz, Bärenjude genannt, stellt als Prügler der Basterds die grundaggressive Haltung der Truppe hervor. Hier darf Eli Roth (bekannt durch die Hostel Filme) selbst Hand anlegen und Deutschen den Kopf mit einem Baseballschläger zertrümmern. Die Französische Riege wird von der schönen Melanie Laurent angeführt, welche als Jüdin Shosanna Dreyfuß auf Rache aus ist. Ihre eingebrannte Wut zeigt sich in jeder Szene, und auch die Leiden die ihr und ihrer Familie zugeführt wurden werden erschreckender Weise sehr gut offenbart. Bisher nur in französischen Produktionen zu sehen steht ihr nach diesem Film sicherlich ein weiterer Markt in amerikanischen Filmen offen. Aber auch die deutschen Schauspieler reihen sich in der Gruppe der sehr guten Leistungen ein. Zum einen Daniel Brühl, den ich bisher immer als Milchbubi der deutschen Szene verspottet habe. Er kann sich als "Held der Nationen" meinen Lob erspielen und auch Till Schweiger, der zwar nicht viel zu sagen hat, aber trotzdem einen sehr guten, groben Offizierstöter gibt. Um die Liste nicht unendlich lang zu machen, will ich hier noch auf die meiner Meinung nach einzige schwache Leistung eingehen. Und die kommt, wer hätte es gedacht, von unserem weiblichen Deutschexport Diane Kruger als Schauspielikone Bridget von Hammersmark. Zum einen ist ihr Schauspiel meiner Meinung nach nicht gewollt, sondern weil es nicht besser geht, hölzern. Ich verstehe auch nicht warum sie nicht nocheinmal nachsynchronisiert wird. Eine Deutsche, bei der man einen amerikanischen Akzent heraushört, ist als Doppelagentin nicht wirklich sehr überzeugend. Für amerikaner mit Untertiteln mag das okay sein, für deutschstammige Zuschauer wirkt das allerdings stark aufgesetzt. Sie ist das einzige Manko was ich überhaupt an dem Film auszusetzen habe. Aber wer ihre "Schauspielkunst" mag, der darf diese letzten Zeilen auch gerne streichen^^
Tarantino schafft es nach Pulp Fiction wieder einen Film zu erschaffen, der in fast jeder Szene perfekt ausgearbeitet ist. Die Gespräche zwischen den Charakteren sind zwar bei weitem nicht so abgedreht und skurril wie in seinem Meisterstück, aber trotzdem motivieren sie unglaublich. Jedes Wort im Gespräch scheint auskonzepiert zu sein und vorallem die Monologe von Herrn Landa sind einfach unglaublich. Aber nicht nur die Dialoge protzen vor Genius. Auch die immer wieder eingeworfenen "Zwischenstücke" in denen erklärt wird, warum das Kino damals gefährlicher war als heute, oder warum der deutsche Hugo Stiglitz in die Gruppe der Bastards gekommen ist, sind wunderbar erheiternd und im Stile der 60-70er Jahre eingebaut. Zu allem kommt noch ein gewisser Grad an Agressivität, die dem Film sehr gut tut. Das Skalpieren der deutschen Soldaten wird explizit gezeigt, die Wut auf deutsche Stabschefs kommt klar zum vorschein. Hier ist vielleicht doch etwas von Roth's Einfluss hereingekommen. Außerdem ist wie von Tarantino gewohnt wieder ein extrem guter Soundtrack im Film enthalten, welcher viele Szenen nocheinmal bewusst unterstreicht und bestärkt
Abschließend lässt mich der Film auf wunderbare 150 Minuten zurückschauen. Herrliche Charaktere, perfekte Dialoge, gewaltige Kampfszenen, angemessene Brutalität und ein famoses Ende machen den Film zum bisher besten dieses Jahres. Allein schon wegen Christoph Waltz (der zurecht schon den großen Preis von Cannes abgestaubt hat und wahrscheinlich auch nen Oscar krallen wird) ist der Film das Geld wert. Er stellt alle anderen Schauspieler, die auch schon einen sehr guten Job gemacht haben, weit in seinen Schatten und zieht den Zuschauer in seinen Bann, ob nun durch Zu oder Abneigung sei jedem selbst überlassen. Ich persönlich habe jede einzige Minute genossen und trotz der etwas nervigen Diane Krüger kann ich den Film jedem Kinogänger empfehlen, und das ohne Ausnahme.
P.S.: Wenn es euch möglich ist, schaut euch den Film im englischen Original an. Brad Pitts extremes überdrehtes Britisch ist einfach herrlich.
Gesamt: 9/10