Während des zweiten Weltkriegs formiert der von Indianern abstammende Lt. Aldo Raine eine alliierte jüdische Spezial-Einheit, die im okkupierten Frankreich guerillamäßig jeden Nazi killt, der ihr über den Weg läuft. Dabei gehen sie brutal und rücksichtslos vor, skalpieren ihre Opfer und lassen wenige mit in die Stirn geschnitzten Hakenkreuzen laufen, um in der deutschen Truppe Angst und Schrecken zu verbreiten.
Als sie davon erfahren, dass in einem Kino in Paris der neueste Propagandafilm Joseph Goebbels' gezeigt werden soll, beschließen sie, während der Premiere das Kino mit allen hochdekorierten Gästen und Offizieren in die Luft zu sprengen. Dabei ist ihnen jedoch stets der "Judenjäger" genannte SS-Standartenführer Hans Landa auf den Fersen...
Soweit zur Handlung in Kürze. Jeder andere amerikanische Regisseur hätte sich nun einen Hollywoodstar gesucht, der den Aldo Raine spielt, eine handvoll kerniger, bekannter US-Nebendarsteller (einen großen mit Bürstenschnitt, einen Schwarzen, einen jungen, der zuviel redet und einen etwas schüchternen mit Brille), die die Basterds heroisch verkörpern, dazu jede Menge unbekannte, blonde Darsteller für die Nazis, die überzeugend "Halt!" "Heil Hitler!" und "Schweinehund!" bellen können - und los gehts...
Nicht so Quentin Tarantino. Und bereits hier möchte ich meinen tiefen Respekt auch vor dem Mut des Meisters bekunden, für den ausgefeilten, absolut überzeugenden Cast, den er hier zusammengetragen hat. Da werden natürlich sämtliche Deutschen von deutschsprachigen Darstellern gespielt und französische Rollen mit Franzosen besetzt. Und ich spreche hier nicht von unwichtigen Nebenrollen, sondern von tragenden Haupt- und markanten Nebenrollen. Und mit Brad Pitt als Aldo Raine stellt Tarantino so nebenbei sicher, dass auch das amerikanische Publikum sich dem Film nicht vollkommen entziehen kann, denn Brad Pitt ist und bleibt ein Publikumsmagnet.
Mutig auch die zahlreichen Konzentrationen auf die fürs US-Publikum völlig unbekannten Darsteller. Allein die Anfangssequenz zwischen Christoph Waltz und Denis Menochet - phantastisch. Dramaturgisch packend, von der Spannung unaufhaltsam anschwillend und im Dialog brillante Filmkunst - doch da muss ein Amerikaner erst mal durch, bis er seinen geliebten Brad Pitt zu sehen bekommt. Aber wer steht dann an dessen Seite? Til Schweiger? Gedeon Burkhardt? Who the f*** is Gedeon Burkhardt?
Für mich war es ein Genuss, die ganzen deutschen Schaupieler zu entdecken, und ihre durchweg überzeugenden Leistung zu sehen. Hier der Beweis, dass man sich durchaus nicht verstecken muss. Wenn da mal nicht einige Karrieren einen gewaltigen Sprung machen werden...
Die Regie Tarantinos ist gewohnt unkonventionell, jedoch etwas gemäßigter als sonst, was jedoch angesichts des historischen Kontextes verständlich ist. Keine Apple-Zigaretten, kein Trunk-Shot - oder sie sind mir entgangen. Und auch vom Meister selbst sind nur die Hände zu sehen diesmal - allerdings in der eindringlichsten Szene, die man mit Händen drehen kann...
Inglourious Basterds ist kein Actionfilm. Überhaupt halten sich die Szenen mit den Basterds überraschend kurz und im Hintergrund, der Hauptaugenmerk liegt auf ausgefeilten Dialogen und Beziehungen zwischen Charakteren. Tarantino versteht es dabei, Szenen von bestimmt 15-20 Minuten Länge konstant so spannend zu halten, dass man gar nicht bemerkt, dass man schon so lange einem Gespräch folgt, das im Gesamtplot die Handlung nur minimal voranbringt. Dass der Film schließlich 2 1/2 Stunden geht, merkt man gar nicht.
Ein bisschen Splatter gibts auch, und am furiosen(!) Finale hat Tarantino auch nicht gespart. Dass er auf die Historie pfeift und sich das Thema Nazis zur Unterhaltung heranzieht, mag man ihm nun ankreiden oder nicht. Wer schon bei Stauffenberg nach geschichtlichen Detailfehlern suchte, wird bei Inglourious Basterds wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekommen. Sicher kein Film, der im Geschichts-LK als Lehrstoff herangezogen wird.
Dafür ein Film mit Humor, Wortwitz, brillanten Dialogen und erschreckend genialen schauspielerischen Leistungen, gerade von den deutschsprachigen und französischen Darstellern. Sicher kein Film für jedermann, aber für Tarantino-Fans und Cineasten ein weiteres Meisterwerk moderner Filmkunst.