Inglourious Basterds.....ganz seltsames Teil, das. Obwohl der - hinlänglich bekannte - Plot sich eigentlich einfach nachvollziehbar präsentiert, weiss ich nicht wirklich, was mir das alles sagen soll.
Ist's mal wieder eine Visualisierung Tarantino'scher Gewaltfantasien, ein hochgradig groteskes "was wäre wenn..." 2. Weltkriegsspektakel oder gar die späte Rache der Weinsteins?
Alleine die Story um die Nazijäger und den Auftrag "bringt mir 100 Naziskalps - jeder !" würde bei jedem B - Picture für heftiges Kopfschütteln sorgen. "Krampf !" , würden sie schreien. Und "unfassbar dämlich !"
Bei Tarantino wird hingegen gleich wieder von einem Meisterwerk gesprochen. Und das obwohl der Film phasenweise wirklich wie ein sündhaft teures B - Movie um die Ecke schleicht.
Völlig unreflektiert wird mit der Baseballkeule ein Schädel zermantscht und die, die man laufen lässt werden per Hakenkreuzschnitzerei auf die Stirn stigmatisiert. Und Herr Pitt scheint das auch noch toll zu finden.
Versteht mich nicht falsch; ich will in keinster Weise die Greueltaten der Nazis relativieren. Ich versteh bloss nicht, was Tarantino mit derlei sinnfreier Brutalität bezwecken will.
Zumal der Streifen ja durchaus nachvollziehbare Motive beinhaltet, wie zum Beispiel Shosannas Racheplan, der völlig rational und vor allem auch durchführbar ist.
Völlig abgefahren hingegen, was der Fascho - Führungsriege dann im Kino als "Stolz der Nation" vorgeführt wird. Dafür gibts Lob vom Führer an Goebbels und der kriegt direkt Pipi ins Auge vor lauter Rührung.
Dann wieder eine Wendung zur Logik, als die beiden Bomben - Basterds wohlüberlegt den finalen Angriff starten und -bumsdich - gipfelt das ganze in einer geradezu öbszönen Ballerei, wie man sie seit Rambo 4 nicht mehr gesehen hat.
Auch schauspielerisch ist der Mix doch sehr unausgegoren. Über die Leistung von Christoph Waltz braucht wahrlich nicht diskutiert zu werden. Jene ist über jeden Verdacht erhaben. Aber was Frau Kruger abliefert ist hölzerner als jede Darstellung in GZSZ.
Martin Wuttke liefert seinen Hitler als blosses Abziehbild, aber vielleicht war das ja beabsichtigt. Brad Pit scheint im Verlauf der Dreharbeiten gemerkt zu haben, wie sehr er gegen Waltz abstinkt und man wird den Eindruck nicht los, dass er irgendwie die Lust am spielen verloren hat. Till Schweiger übertrifft sich im angewidert glotzen und Daniel Brühl nimmt man den "Stolz der Nation" überhaupt nicht ab. Lediglich Melanie Laurent agiert durchweg souverän.
Wie gesagt, ich komm auf Inglourious Basterds gar nicht klar. Hauptsächlich deshalb, weil der Film mir seine Intension nicht vermitteln kann.
Bleibt unterm Strich ein brillianter Christoph Waltz in einem sehr mittelmässigen Rachevehikel, dessen Motivation sich zumindest mir nicht erschließt.
6,5 Basterdpunkte. Alleine 3 davon für Waltz.