Quentin Tarantino. Dieser Name genügt normalerweise, um die launische Masse der Kinogänger wie verrückt in Wallung zu bringen. Lange Zeit ein Underdog unter den Regisseuren und als Geheimtipp gepriesen, hat sich QT schon längst in den Olymp der Filmemacherriege emporgeschwungen.
Ein Haufen verwegener...
Sein letztes großes Regie-Projekt war Inglouroius Basterds, einen Film den Tarantino nach eigener Aussage schon seit ewigen Zeiten machen wollte. Der Film basiert lose auf Enzo Castellaris „Ein Haufen verwegener Hunde". Viel gemein hat er mit diesem Film allerdings in der Tat nicht mehr. Lediglich das Setting, Frankreich während des 2. Weltkrieges, teilen beide Filme miteinander. Eine Gruppe amerikanischer Soldaten, hauptsächlich mit jüdischen Wurzeln, werden über Frankreich abgesetzt und sollen dort Angst und Schrecken unter den Besatzern verbreiten. Der Plan geht auf. Bald sind die „Basterds" in aller Munde. Im Herbst 1944 ergibt sich für die Alliierten schließlich eine waghalsige Chance. Adolf Hitler kommt nach Paris, um sich den Propagandafilm „Stolz der Nation" anzusehen und um die Moral der Truppe wieder zu heben. Die Basterds werden losgeschickt, Hitler und seine Schergen in die Luft zu sprengen. Doch mit SS-Oberst Hans Landa ist der Truppe ein gewiefter Gegenspieler dicht auf den Fersen...
Un Strudel, s'il vous plaît?
Und dieser Hans Landa, brillant gespielt von Christoph Walz, trägt den kompletten Film mit Leichtigkeit auf seinen Schultern. Die vielen Lorbeeren, die er für seine Rolle von der Fachpresse eingeheimst hat, sind in der Tat berechtigt. Die Szenen in welchen er einen Auftritt hat sind ein Hochgenuss, seine Dialoge mit anderen Charakteren sind wunderbar gespielt. Nicht weniger schlecht schneidet hier die relativ unbekannte Melanie Laurent ab. Ihre titelgebende Figur Shoshanna Dreyfuss ist eine französische Jüdin, deren Familie von Landa umgebracht worden ist. Folglich haben die beiden ein ganz besonders spannungsgeladenes Verhältnis zueinander. Ein Höhepunkt im Film ist dann auch das Aufeinandertreffen dieser beiden Charaktere.
Licht und Schatten?
Leider jedoch bleiben viele andere Darsteller weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Brad Pitt zum Beispiel. Er meistert zwar mit Bravour seinen Südstaaten(?)-Dialekt. Man wird aber das Gefühl nicht los, als schlummere hier noch viel Potential, was die Ausgestaltung seiner Filmfigur Aldo Raine betrifft. An dieser Stelle kann ich meine Enttäuschung nicht ganz verbergen, denn ich halte ihn für eine Idealbesetzung dieser Rolle. Auch Till Schweiger hätte, selbst als Wortkarger Hugo Stiglitz, weitaus interessanter ausgearbeitet werden können. Aber das ist wohl mehr dem Drehbuch, als seinem Können geschuldet.Doch richtig schlecht sind Andere. Eli Roth sollte wieder zu seiner angestammten Tätigkeit der Folterfilmerei zurückkehren. Und Diane Krüger? Selten erlebte ich mit soviel Wonne das Ableben eines Filmcharakters. Das hat weniger mit der Figur der Bridgette von Hammersmark zu tun, sondern viel mehr mit der schlichten Unfähigkeit von Frau Krüger. Sie war nie ein sonderlich guter Darsteller, aber in IB spielt sie an der Seite von absolut hochkarätigen Könnern wie Laurent und Walz. Und da fallen ihre Defizite sofort auf und man merkt, dass dies kein Film für sie ist.
Tarantino, das Genie?
Tarantino schafft mit IB eine äußerst interessante Bildsprache. Die Kameraarbeit kann sich sehen lassen. Doch das Beste am Film ist wohl das Drehbuch. Denn im Grunde ist die Story relativ simpel gestrickt. Doch durch die verschiedenen Handlungsstränge welche in Episodenform in einander greifen, wird daraus eine hochinteressante Geschichte, mit großem Spannungsbogen. Etwas das sich durch jeden Tarantinofilm zieht, wie Kaugummi Mund, sind die Dialoge. Tarantino liebt sie. Tarantino vergöttert sie. Und auch bei IB sind sie präsent. Und sie sind wirklich hervorragend und sicher schreiben sie ein Stück Filmgeschichte.
Doch das Problem mit IB sind tatsächlich die Darsteller. Der Film wird mit Leichtigkeit von Walz und Laurent getragen, die Anderen, selbst wenn sie nicht wirklich schlecht sind (Pitt und Schweiger etwa), bleiben ausgesprochen blass. Das ist schade. Vor allem deshalb, weil die enorme Laufzeit des Films durchaus noch Platz geboten hätte, diesen Darstellern ein wenig mehr Charakter zu verleihen. So wirkt dies alles etwas unausgewogen, unfertig. Und dies führt mich zum Fazit, dass wir es bei Inglourious Basterds eben mit einem guten, aber längst nicht überragendem Film zu tun haben. Klassikern wie Reservoir Dogs kann IB so nicht das Wasser reichen. 7/10