Wieso hat Quentin Tarantino in Wikipedia keinen Abschnitt mit dem Titel „ Kritik“? Wenn selbst der vorzeigbare Antiregisseur Uwe Boll so eine Sparte besitzt, warum nicht auch dieses Ausnahmetalent? Denn eins haben beide gemeinsam, ihre Filme sind das Letzte. Bei Tarantino vollzog sich der Prozess der miesen Machwerke erst über Jahre. Wein wird besser mit seinem Alter, bei Quentin Tarantino verhält sich das eher wie eine Milch, die über dem Verfallsdatum liegt.
Als ich dieses Machwerk aus Neugier auf sky gesehen (die Trailer und die ganze Publicity um den Film kotzten mich schon bei der Premiere an, daher auch kein voreiliger DVD-Kauf, ich hätte ihn ohnehin bereut und die DVD möglicherweise als Frisbee über den Nachbarszaun geworfen oder Jumanji-Like das Ding ins Meer versenkt) habe, hätte ich ich mich kollektiv übergeben können. Ich benötigte insgesamt 2 Anläufe um mir das Ding komplett anzusehen, denn prinzipiell verfasse ich Reviews nur bei Sicht des gesamten Filmes. Und noch nie fiel es mir so schwer wie in diesem Falle. Aber ich lebe noch, Oh Wunder!
Tarantino meets drittes Reich mit Zweiohrküken und wohlgemerkt Ex-Lindenstraßen Star Til Schweiger. Dabei spricht Schweiger noch weniger Dialoge als Schwarzenegger in Terminator. Erstaunlich das Tarantino Schweiger hier mitspielen ließ, immerhin hat Tilly den großen Meister gut 10 Jahre vorher mit seinem „Eisbär“-Film quasi verunglimpft. Das war damals, wo sich das Deutsche Kino, noch an Actionfilme probiert hat. Heutzutage beschränkt sich deutsches Kino auf Vor-, In- oder Nachkriegsdramen, richtig gut sind auch Mauerfilme mit Ostalgietouch oder zweitklassige Beziehungsklamotten.
Daher ist das Deutsche Kino, in meinen Augen Tod und das bleibt auch so, zumal dieser Film auch nicht geholfen hätte. Umso trauriger das dieses lächerliche Stück von sämtlichen Filmförderungsgesellschaften in Deutschland Geld sah. 7 Mio. wurden zusätzlich auf deutscher Seite quasi mit im Kino verbrannt. Aber wenn selbst Schweiger´s „Zweiohrhasen“ gefördert werden......warum nicht auch eine weitere Geschmacklosigkeit?
Wo Tarantino draufsteht, ist auch Tarantino drin. So auch in „Inglourious Basterds“. Ein Film der ungemein polarisiert. Die einen (und das ist ohne Zweifel der Großteil) feiert diesen Film in ungeahnte Höhen, andere widerrum verstehen den Hype nicht und hassen ihn. Wobei dieser Anteil in etwa einem kleinen gallischen Dorf gleicht. Wie in anderen Werken wird hier gemeuchelt, coole Macker tun coole Sachen und es wird viel Unsinn geredet. Fans des „Kultregisseurs“ werden hier auf ihre Kosten kommen.
Die Story an sich ist so dermaßen dünn, dass sie hier wieder Tarantinolike zugequatscht wird, bis der Zuschauer das erfolgreich verdrängt. Auch in „Jackie Brown“ wurde über jeden gottverdammten Dreck erzählt. Besonders unerträglich die schier endlosen Szenen in der Taverne. Wenn die SAT.1-Fresse Zack Michalowski in SS Uniform „Wer bin ich?“ spielt und sich diese Nummer gut 15 Minuten hinzieht und dann (endlich) mit zerschossenen Eiern endet, hat man schon keinen Bock mehr.
So komme ich zu der überaus schmucken Schauspielriege, die sich hier versammelt (nur um mal zu sagen: „Ich spielte in einem Tarantino mit.“). Brad Pitt spielt seine Hauptrolle (?) ziemlich souverän, geht aber im Vergleich zu so manchem deutschem Schauspieler unter. Richtig genial ist in diesem Zusammenhang August Diehl als Major, Daniel Brüel spielt auch außergewöhnlich gut und natürlich Christoph Waltz. Der Mann ist einfach auf spanisch zu sagen: LA BOMBA!
Der Rest stinkt gegen seine Performance regelrecht ab, selten hat mich ein Schauspieler so gefesselt in einem doch so unspannenden Film. Allein die ersten 20 Minuten (meiner Ansicht nach, die besten des ganzen Films) sind ein Hochgenuss. Die Dialoge und das Spiel des Christoph Waltz mit seinem hilflosen Gegenspieler Deniz Menochet ist einfach großartig! Bedauerlicherweise endet diese Szenerie natürlich mit dumpfen Geballer. Leider wird der Film nach diesen ersten 20 Minuten eine einzige Katastrophe, aber dazu später noch was.
Abgesehen von den vier Herrschaften sind die restlichen Darsteller kaum zu erwähnen. Die Basterds sind abgesehen von Tyler Durden irgendwelche Hackfressen in Gestalt von Eli Roth (Bärenjude? WTF?) oder Til Schweiger. Austin Powers gibt den General, Melanie Laurent spielt typisch französisch (langweilig) und die Darstellung eines Hitlers und Goebbels ist hier so dermaßen schlecht und unecht, dass dagegen Bruno Ganz oscarreif war. Aber gut „Der Untergang“ wird auf Schulen in Geschichtsstunden gezeigt, „Inglourious Basterds“ auf schlechten Filmabenden.
Diane Kruger wirkt unheimlich hölzern und beweist erneut das ich sie nicht sehen will. Ludger Pistor darf (wie auch in Spielbergs „Schindler´s Liste“) zur Abwechslung wieder einen enthusiastischen Nazi spielen. Ansonsten kann man abschließend sagen, dass hier durchaus eine namenhafte Riege dabei war, das Resultat ist allerdings ernüchternd. Waltz erhielt völlig verdient einen Oscar und auch so manch junger Schauspieler in Form von Brühl und Diehl wissen zu gefallen. Abschließend noch zu sagen, dass ich so froh bin diesen Matthias Schweighöfer hier nicht gesehen zu haben. Man ist vor dem ja in keinem deutschen/amerikansichen Film mehr sicher.
Wie ich schon erwähnt habe, ist das erste Kapitel richtig stark. Natürlich aufgrund der Tatsache, das Waltz hier alles zum beben bringt. Als dann aber Naziskalps gesammelt werden, in dem Nazis die Schädeldecke quasi abgeschält wird und auch noch Til Schweiger a.k.a. Hugo Stieglitz ein armes Opfer oral fistet, wurde mir beim ersten ansehen schon zu viel. Völlig aufgebracht musste ich realisieren, dass dieses Ding ab 16 freigegeben ist. Die FSK ist humaner geworden. Wenn selbst „Predator“ und Carpenters „Thing“ runtergestuft wird. Wobei die hier gezeigte Gewaltdarstellung den Bogen schon sehr überspannt. Weitaus harmlosere Filme tragen eine FSK 18. Aber übertriebene, explizite und vorallem unnötige Gewaltdarstellungen ist man von Tarantino ja gewohnt.
Der Film wird hier in Kapiteln geteilt. Einen großen Sinn erkenne ich ehrlich gesagt darin nicht wirklich. So scheinen diese Tafeln eher Retro-Tarantino als einen wirklichen Sinn zu ergeben. So wird die Geschichte auch chronologisch erzählt. Auf erzählerische Spielereien wie in „Pulp Fiction“ lässt Tarantino sich hier nicht ein. Geschadet hätte das vielleicht garnicht, denn der Plot hier ist so dröge und einfach schwachsinnig. „Operation Kino“? Holla, da wurde aber mal in die Trickkiste gegriffen, warum nicht gleich „La Resistence“? Wäre die Story hier wenigstens intelligent und weniger bescheuert, so hätte man vielleicht über diese überzeichnete Nazigroteske was positives finden können.
Natürlich vertraut die Naziführungsetage eine saumäßigwichtige Filmvorführung einer dahergelaufenen fremden Französin an (völlig Banane ob so ein kleiner Soldatenarsch das wünscht papalapapp). Noch dazu mit dem Führer in der Loge. Aber der Gag an der Sache, die Französin ist verdeckte Jüdin und will ihre Bude samt Hitler und Goebbels (und wie die Figuren alle hießen) einfach abfackeln (natürlich mit schmalziger Lovestory und dumpfer Vergeltungswut im Hintergrund). Abseits dieses Szenarios sind die Basterds auch zur Stelle und wie professionell auch noch! Getarnt als Italiener die nur „Arriverderci“ und „Scusi“ von sich geben. LA BOMBA riecht den falschen Hasen, und überführt diese armseligen Amateure. Großes Kino, diesen Mann zuzusehen. Bitterer Beigeschmack bleiben diese fahrlässigen Storyschnitzer. Die Basterds können halt nur skalpieren was die Klinge hergibt.
Weniger schön, sind die Passagen in denen sich Waltz selbst synchronisieren muss. Das wirkt leider sehr aufgesetzt und nicht sehr professionell. Besonders zu merken, in der ersten Szene mit dem Bauern. Ich muss dennoch Tarantino für einen Punkt meinen Respekt zollen, er lässt in seinem Film originalgetreu sämtliche Sprachen sprechen. So muss der Zuschauer des öfteren minutenlange Untertitel lesen, aber das wirkt auf jeden Fall sehr detailgetreu.
Nur selten findet man in „Inglourious Basterds“ eine wirkliche Satire zum zweiten Weltkrieg, so kommt einem der Film doch sehr ernsthaft vor. Die Hitlerverasche hier ist doppelt scheiße und hat man schon besser gesehen. Richtig genial dagegen der angebliche Propagandafilm der vorgeführt wird. Minutenlanges abballern ohne Pause und ohne Verstand, Hitler gefällts und Director Goebbels kommen die Tränchen. Leider sind solche wirklichen Sarire-Ansätze viel zu rar gesäät. Dieser Propagandafilm wurde übrigens von Basterd Eli Roth inszeniert. Das entspricht auch in etwa Roth´s ganzem Können. Schade auch das Tarantino viele alte Gesichter hier nicht aufleben lässt. Samuel L. Jackson ist zwar Erzähler in der Originaltonsour (umso grausamer der deutsche Erzähler) und auch Mr. Wolf alias Harvey Keitel ist nur via Telefon zu hören. Gerade in so einem misslungenem Quatsch hätte ein altes bekanntes Gesicht als Cameo sicher gut getan. Auch wenn es nur Michael Madsen oder Tim Roth wären.
Kontrovers ist sicher die Anlehnung an den zweiten Weltkrieg und die Missachtung sämtlicher geschichtlicher Fakten. Hollywoodfilme (besonders aus dem Hause Spielberg) wie „Schindler´s Liste“ oder „Der Soldat James Ryan“ oder auch auf deutschem Boden „Der Untergang“ sind nicht zu vergleichen mit diesem Schandfleck. Denn Tarantino schreibt hier seine eigene Version des zweiten Weltkriegs und zwar in einer so absurden und bescheuerten Weise das „300“ glatt ins Lehrbuch gehört. Umso ärgerlicher ist „Inglourious Basterds“ für alle anderen Filme, die ich gerade genannt habe. Denn diese Filme haben sich ernsthaft mit dem zweiten Weltkrieg beschäftigt und diesen auch sehr detailgetreu und hochkarätig in Szene gesetzt. Zwar auch mit geschichtlichen Ungereimtheiten aber dieser Film hier ähnelt eines schlechten Witzes und ist eine einzige Schande. Selbst ein Tarantino darf es sich nicht erlauben, ein weiterhin sehr empfindliches Thema so fiktional auf großer Leinwand zu missbrauchen. Tinto Brass benutzte die Ereignisse des römischen Kaisers „Caligula“ 1980 in erster Linie für Sexorgien und nackten Tatsachen. Tarantino einen anderen geschichtlichen Hintergrund für absolut geschmacklose Gewaltorgien.
Kredit entgültig verspielt, Mr. Tarantino!