Wie basteln wir uns eine tarantinoesken Kultstreifen? So mit Sicherheit nicht! Regisseurin Tamra Davis („Billy Madison“, „Half Baked“), die ohnehin nicht für gehaltvolle Komödien bekannt ist, versucht hier auf Biegen und Brechen dem Großmeister zu folgen und malträtiert uns mit einem unausgegorenen Mix aus bemüht schwarzem Humor, abgedrehten Figuren und blutigen Shootouts. Dass daraus ohne das nötige Fingerspitzengefühl kein Schuh wird, zeigt „Best Men“ eindrucksvoll.
Hochzeit ist angesagt. Direkt aus den Knast in den Hafen der Ehe. Nun Ex-Knacki Jesse Reilly (Luke Wilson, „Charlie's Angels“, „Old School“) ist deshalb mit seinen besten Kumpels Buzz (Dean Cain, „Futuresport“, „The Runaway“), Teddy (Andy Dick), Billy (Sean Patrick Flanery, „The Boondock Saints“, „D-Tox“) und Sol (Mitchell Whitfield) im smartesten Zwirn in die Kirche unterwegs, um seiner Traumfrau Hope (Drew Barrymore, „Charlie's Angels“, „E.T. the Extra-Terrestrial“) das Ja-Wort zu geben. Dumm nur, dass Billy der gesuchte Bankräuber „Hamlet“ ist, noch kurz einen geschäftlichen Zwischenstopp einlegt und damit alle in einen Banküberfall verwickelt, der eigentlich ganz anders geplant war. Denn als Billys Vater Sheriff Bud Phillips (Fred Ward, “Remo Williams: The Adventure Begins” „Tremors”), dem die sich nun abbahnende Publicity aufgrund anstehender Wahlen natürlich recht kommt, die Bank abriegelt und schießwütige F.B.I.ler eintreffen, droht die Sache zu eskalieren.
„Best Men“ nimmt sich nicht ernst und versucht zunächst mit seinen albern chargierenden Enfant Terribles zu punkten. Da ist Buzz, ein wegen seiner Homosexualität aus der Army entlassender Ex-Special-Forces, der seine Wummen im Schlaf zerlegen kann, Teddy ein Weichei, dass endlich mal erwachsen werden kann, Billy ein „Hamlet“ zitierender mit seinem Vater im Clinch liegender Verbrecher und Jesse ein völlig verzweifelter Bräutigam. Wirklich lustig ist die Chaos-Truppe nicht und so vermag Brad Dourif als psychopathischer Ex-Vietnam-Hubschrauber-Legende Zug um Zug das Interesse auf sich zu lenken. Seine Abgedrehtheit mal abseits von Chucky zu erleben, ist hier auch das einzig Amüsante.
Warum man eben das Niveau eines Tarantinos, trotz des offensichtlichen Ideenausverkaufs seiner Werke, nicht erreicht, wird vor allem in den maßlos albernen und unwitzigen Dialogen, die nie die angestrebte Genialität erreichen, wieder. Zäh erzählt kleckert der Plot vor sich hin, versucht mit Eintreffen der Braut und einer improvisierten Hochzeit seine Aberwitzigkeit zu steigern und wird trotzdem nicht kultig. Da helfen auch die ab und an blutigen Shootouts und überzogenen Szenen (einer von ihnen hat trotz Doppelbauchschuss nichts besseres zu tun, als sich als Medienstar feiern zu lassen) nichts mehr. Das draußen wartende Publikum stilisiert das drinnen schmorende Quartett langsam zur modernen Robin-Hood-Clique, während den F.B.I.-Agenten schon der Finger juckt und der Ausbruch als Finale herhält.
Die Flucht per Bus findet dann immerhin ein konsequentes Ende, hinterlässt jedoch einen unbefriedigenden Beigeschmack. Trotz gut inszenierter Actioneinlagen ist dieser unausgegorene Mix aus schwarzem Humor, zwischenzeitlichen, ruhigen, dramatischen Passagen und pseudowitzigen Dialogen kein glänzender Unterhaltungsfilm. Der Kick will sich bei „Best Men“ nicht einstellen und deshalb ist er, trotz prominenter Besetzung auch ein so unbekanntes Stück Zelluloid.
Fazit:
Viel zu bemühter und deswegen gescheiterter Versuch auf Tarantinos Pfaden zu wandeln, der in seiner eigenartigen Mixtur nur vom Chef selber zu formvollendeten Publikumsreaktion gebracht werden kann. Schwarzer Humor, blutige Shootouts, komische Dialoge und ein namhafter Cast machen eben noch keinen unterhaltsamen Film. Davis darf nachsitzen und ich mich aufgrund der vergeudeten Zeit ärgern. „Best Men“ steckt voller Längen, ist zu ziellos und letztlich auch wenig amüsant. Wer einen Blick riskiert, wird hier nicht erblinden. Nur gute Unterhaltung sieht anders aus.