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Wie beschreibe ich Scarlet Diva? Gar nicht so einfach. Genau: ein Film, der gar nicht so einfach ist. Ein interessanter Film? Unbedingt! Ein besonderer Film? Jein, vielleicht eher ein sehr eigenständiger Film. Ein Film für die Massen? Ganz klar: Nein. Ein Muß für Fans von Asia Argento? Ja, kann man so sagen. Kurzweilig? Spannend? Eher nicht, aber auch keines Falls langweilig, da das zum Teil sehr bunte Treiben auf der Mattscheibe sich aus vielen kleinen Szenen zusammensetzt und das Erzähltempo dadurch sehr hoch wirkt, trotz spärlicher Ereignisse. Action ist dabei völlige Fehlanzeige.

Der Film ist eine Art tragikomischer Blick von Asia Argento auf Teile ihres eigenen Lebens. Es wird dabei keine klar und konventionell erzählte Geschichte geboten sondern ein episodenhaftes Gesamtwerk, dass von einem großen Talent zeugt. Ich hätte das so ganz und gar nicht erwartet. Ich finde Fräulein Argento als Schauspielerin eher überbewertet und als ich hörte/las, dass sie selbst bei einem (inzwischen sind es  ja auch schon mehrere) Film Regie führte war mein erster Gedanke: Jetzt ist es passiert, sie ist größenwahnsinnig geworden, total abgedreht und hält sich für ihren Vater. Aber ich kann nur sagen, dass schon diese erste Regiearbeit eine deutliche eigene Handschrift trägt, die der ihres Vaters so gar nicht ähnelt. Gut so! Handwerklich sehr überzeugend mit vielen gelungenen Einstellungen und einem tollen Gespür für die Stimmung der jeweiligen Szene, die auch entsprechend geschickt mit sehr passendem Soundtrack untermalt werden.

Leider vermittelt der Film nicht gerade einen in sich geschlossenen und stimmigen Eindruck. Immer wieder skurille Einsprengsel, die mit dem eigentlichen Geschehen nichts zu tun haben. Szenen, die irgendwie in der Luft hängen und manchmal eine Skurilität aufzeigen, die sich nicht unbedingt homogen in die anderen Szenen einpassen lassen will.

Ein sehr persönlicher Film, der keine großen Worte verliert und auch keine große Geschichte erzählt. Er fängt irgendwo im Leben an und hört schließlich ziemlich abrupt auf. Stoboskopartig werden einzelne Stationen beleuchtet. Immer wieder Sprünge und Risse, die eine gewisse Orientierungslosigkeit erzeugen, die der der Hauptfigur entspricht. Inhalt und Form sind sehr gut aufeinander abgestimmt. Aber bei mir ist der Funke nicht so richtig übergesprungen, da das Geschehen mich zu keinem Zeitpunkt wirklich interessiert hat.

Dennoch kann ich Asia Argento für ihren Mut, den sie mit diesem Film ohne Zweifel beweist nur bewundern und mich über ihr unzweifelhaft großes Talent als Regisseurin einfach nur freuen. Fehlt nur noch der entsprechende Stoff. Vielleicht klappt es ja mit The Heart Is Deceitful Above All Things!

Wer mal einen Film sehen möchte, der ungewöhnlich und anders ist, der kann hier mal sein Glück versuchen. Er wird Elemente von Charles Bukowski und Jack Kerouac in diesem Film finden, aber auch viele Einflüsse aus dem französischen Kino. Der Film ist eine Art Roadmovie ohne die obligatorischen Zutaten, ein Film mit viel Drogen und einer ganzen Menge Sex und Nacktheit (körperlich und seelisch). Hässlichkeit, Kälte und Heimatlosigkeit, ein Treiben und Getriebensein ohne zu wissen wohin und warum, eine gewisse Haltlosigkeit und Losgelöstheit von dem, was gemeinhin als Leben bezeichnet wird. Mir ist es dabei nicht immer leicht gefallen, die Emotionen der Figuren nachzuvollziehen, aber der Film hat dafür beständig Emotionen in mir erzeugt.

Wie bereits eingangs erwähnt: ein schwierig zu greifender und zu beschreibender Film. Definitiv unterm Strich für mich eine sehr positive Überraschung fernab vom allgegenwärtigen Dämon des Mainstreams.

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