The Return of Doctor Sorrell...
…war unausweichlich nach dem großen Erfolg, den der TV-Film Louis Jourdan als Psychiater, der in unfreiwilligen Kontakt mit den Auswüchsen des Übernatürlichen gerät, 1969 hatte.
Der Film kickstartete damals eine immer wieder ausprobierte Miniwelle an Filmen, die sich mit den „Occult Detectives“ beschäftigten, also Ermittlern, die nicht gegen Mörder und Gangster, sondern gegen den Einfluss des Bösen an sich zu kämpfen hatten. Horror war gegen Ende der 60er wieder in, nachdem die 60er in dieser Richtung nur Ironisiertes oder sparsame Versuche zugelassen hatten, nachdem Serien wie „Outer Limits“ oder „Twilight Zone“ ausgelaufen waren.
Der erste Film war eine reine fast reine Studioangelegenheit auf dem Universal-Lot gewesen, ein mit guten Darstellern ausgestatteter Kampf Jourdans gegen einen Satanszirkel und dessen unerwarteten Höllenerfolg, optisch sehr delektabel inszeniert, aber eben auch dramaturgisch überdehnt und viel zu dialoglastig, um sich wirklich zu gruseln.
Da man sich nicht zu einer TV-Serie nach diesem TV-Piloten durchringen konnte (Satanisten jede Woche waren aber auch ein heikles Thema, trotz Manson und Co.), schickt man David Sorrell nahehzu ein Jahr später, im Februar 1970 ein zweites Mal ins Rennen.
Diesmal kann er seine Patientin nicht retten, denn Aline Wiley geht nach einer traumatisierten Wanderung während eines Gewittersturms von sich aus im Pazifik baden und wird dann kurzfristig am nächsten Morgen wieder ertrunken angespült. In Verdacht gerät sofort der schwarze Folksänger von nebenan, der schon einmal gesiebte Luft geatmet hatte und nun von allen gemieden wird, doch viel interessanter ist es, dass es bei den Wileys aussieht wie bei Hempels unter dem Sofa. Und dann alles ganz schnell wieder aufgeräumt wird.
Sorrell findet sich so in einer delikaten Situation wieder, seine Patienten hatte er nicht als suizidal eingeschätzt und nun muss er sich mit einem Quartett anstrenger Figuren herumschlagen: da ist die ständig abgefüllte Ex-Schauspielerin Jolene Wiley als Tante, ihr offensichtlich geldgieriger Lover Edward Bolander, die kurzhaarige Nichte Loey oder eben die Fotografin Leila Barton, eine Freundin der Familie.
Was auch immer sich in der Folge abzeichnet, scheint dann gegen die gute Loey gerichtet, so dass sich Sorrell auf dem luxuriösen Strandsitz erst einmal breit macht, aber immer dann nicht da ist, wenn es brenzlig wird.
Dennoch: wer nicht nach 45 von 98 Minuten auf den nötigen Dreh gekommen ist, muss schon unter Opiaten stehen.
Auch der zweite Film mit Dr.Sorrell gerät so ebenfalls zu einer eher mühevoll ausbalancierten Angelegenheit, die an Offensichtlichkeit leidet. Dass vor der schicksalhaften Nacht in dem Haus eine schwarze Messe stattgefunden hat (schon wieder eine!), ist bald offenbar und dass alles mit einer hypnotischen Götterstatue zusammenhängt, die man im Übermaß in die Kamera hält und damit auf die Figuren Einfluss nimmt, kommt auch mit dem Holzhammer.
Auch „Ritual of Evil“ ist mehr TV-Darstellerkino als spannungsgeladene Ware, nur eben diesmal keine reine Studioproduktion, sondern in gewissen Teilen an der malerischen Pazifikküste von Pasadena gedreht, so dass die Figuren alles Nötige auch beim Strandspaziergang zu frischer Meeresbrise durchdiskutieren können.
Dass man damals im TV kaum einen Todesfall richtig abbilden konnte, behindert die Produktion zusätzlich, denn zwar kommt es zu eingen Todesfällen, aber die finden alle außerhalb des Bildes statt, denn zumeist wurde just zuvor gerade wieder jemand von der Satyr-Statue hypnotisiert.
Gewissen Reiz über noch die Beziehung zwischen Sorrell und der Fotografin Leila Barton aus, die sich nicht nur gut, sondern sogar besser verstehen und damit die kriminalistisch doch eher einfach konstruierte Chose etwas länger am Laufen hält. Diana Hyland hat einen Riesenspaß als augenzwinkernde Strippenzieherin, die sich später als eine Art Hexe entpuppt (oder etwas Schlimmeres), während Jourdan dem Plot leider ständig hinterher laufen muss und am Ende auch noch leer ausgeht.
Immerhin: Wilfrid Hyde-White als Okkult-Mentor Harry Snowden ist auch wieder dabei und darf wie gewöhnlich vor sich hinschmunzelnd einige Erläuterungen zur Dämonologie absondern und auch George Stanford Brown als schwarzer Folksänger kommt bei seinen Szenen recht gut weg.
Das Casting der nominell Bekanntesten, Anne Baxter, tut dies nicht, denn die Oscarpreisträgerin legt ihre Jolene als schnapsgetränkte Dauerumarmerin an, die auch gut in eine schampusselige Soap Opera a la „Denver-Clan“ gepasst hätte und lallt unverhältnismäßig lange allen Anwesenden die Ohren voll.
Jourdan muss wieder mal den sturen Bock spielen, der für alles eine natürliche Erklärung sucht, bis er am Ende vor einer leeren Wand steht, während Belinda Montgomery als „Loey“ noch am besten wegkommt, die damalige Jungdarstellerin mit Pixie-Cut lässt den Film sichtlich aufleben.
Leider war Regisseur Robert Day nur ein ziemlich durchschnittlicher TV-Regisseur ohne wirklich langlebige Handschrift (er drehte sehr viele Tarzan-Filme in den 60ern) und so helfen auch die vielen schönen Außenaufnahmen dem statischen Plot nur wenig. Das Murder Mystery, ob nun während der schwarzen Messe jemand ermordet wurde, rückt leider immer weiter in den Hintergrund und wenn es dann aufgelöst wird, dann ist es eigentlich auch schon egal – was dann der ebenso höhepunktarme Schluss mit der Aufklärung der übernatürlichen Belagrung nur noch mal unterstreicht.
Wieder gilt: viele Dialoge, wenig zu ermitteln, kaum spannende Sequenzen und der Horror winkt von der Seitenlinie. Für den Sorrell-Charakter hat sich wenig entwickelt und abgesehen von einem „netten“ TV-Drama, wieder mal mit einem Widersacher der schwarzen Künste, bleibt da nicht viel, was nach diesem zweiten Piloten für eine TV-Serie sprach, vom Wiederholungseffekt mal ganz abgesehen.
So entschied sich NBC dann auch nach der Versendung sehr schnell dafür, in die „Wheel Series“ (vier alternierend ausgestrahlte Serien als Testballon, die man nach dem ersten Jahr dann u.U. eigenständig weiterführen wollte) statt „Sorrell“ lieber Rod Serlings „Night Gallery“ zu schicken, eine Serie, die das Gruselthema mit all seinen TV-Restriktionen erfolgreicher verarbeitete und dann auch drei Jahre lang bis 1973 erfolgreich lief, nicht immer superb, aber ebenso gut besetzt und mit der nötigen Portion Humor.
Dr.David Sorrell kam danach nicht mehr zu neuen Ehen auf dem TV-Schirm, während Jourdan immerhin noch gegen Columbo, als Dracula, gegen James Bond und das Sumpfding antrat, aber die beiden TV-Filme stehen relativ solide, wenn auch nicht brilliant gegen die Zeichen der Zeit – wer allerdings die amerikanischen TV-Filme der 60er und 70er genießen kann, wird auch hier seinen Spaß haben. Alles in allem kann ich diesem fahrigen Plot aber nur 5/10 verleihen.