Review

Vielleicht mach ich mich jetzt unbeliebt bei allen Fans von niveauvollen, künstlerisch genialen Filmen, aber mal ganz ehrlich: So richtig verstehen tu ich das viele Lob und das großzügige Austeilen von Höchstnoten für "Antichrist" nicht. Ob mir der Film geradewegs zu "hoch" war, kann ich nicht sagen, aber ich frage mich trotzdem manchmal, ob man alles, was äußerlich als gewagtes, kunstvolles Werk daherkommt, gleich als Meisterleistung sondersgleichen bezeichnen muss?

Schon der Prolog zeichnet ziemlich deutlich ab, was einem auch beim restlichen Film erwartet: Starke Bilder im fast schon grotesk-albernen Mantel. In zierlichen Schwarzweiß-Bildern wird gezeigt, wie die beiden Hauptpersonen des Films (Der Mann und die Frau... auf den Punkt gebracht) in einer Dusche den Akt der Liebe vollziehen, der auch ziemlich eindeutig in Bildern repräsentiert wird. Derweil hüpft Sohnemann aus dem Fenster, was zugleich das erste Kapitel einleitet.

Der erste Akt beschreibt die Trauer der Eltern; die Verzweiflung der Mutter sowie der Wunsch des Vaters, seiner Frau einen Weg zur Besserung zu ebnen. Es wird zwar klar, dass Papi nicht so traurig über den Tod des Sohnes zu sein scheint wie seine Frau, unklar bleibt aber der Sinn des Films. Die Frau schleudert sich nackt auf ihren Mann, will wilden Sex haben, und solche Szenen erwarten einen über die fast komplette Laufzeit andauernd. Irgendwann stellt der Mann (übrigens Psychologe) dann fest, dass die Angst und Panik seiner Frau im Wald "Eden", sowie einer Hütte dort begründet ist.

Sobald der Film im Wald spielt, wird auch alles zunehmend beunruhigender. Küken fallen vom Baum und werden von Ameisen bevölkert, ein Fuchs frisst sich selbst auf, ein Reh läuft mit einer Totgeburt am Hinterleib durch den Wald - das ist alles einwandfreier Stoff für Alpträume, der Schrecken manifestiert sich in der Tat leise und schleichend. Sobald die Frau aber ihr wahres Gesicht zeigt und völlig am Rad dreht, fängt man als Zuschauer an, Unsympathie für den Film zu hegen.

Es geht schon damit los, dass sich die Frau ein weiteres mal halbnackt auf ihren Gatten schleudert und Sex will, dass sie ihm dann aber einen Holzpflock auf die Hoden schleudert, tut zumindest dem männlichen Zuschauer zutiefst in der Seele weh. Fürchterlicher Höhepunkt bleibt aber der nachfolgende Akt, bei dem die Frau dem Mann dennoch am immer noch erigierten Ding rumspielt, bis Blut rausspritzt. Da halten sich die Männer die Augen zu - ich kann das sagen, weil ich es auch getan habe! Aber auch für die Frauen wird es noch bunt, denn die Frau schneidet sich später freiwillig die Klitoris ab... So, jetzt waren wir alle schockiert, bleibt nur die Frage, warum das alles? Ist es in der Filmwelt so weit gekommen, dass man wirklich nur noch mit solchen derb-platten Szenen Anerkennung bekommt?

Am Ende tötet der Mann seine Frau und verbrennt sie, worauf er allerdings im Epilog von hundert gesichtslosen Frauen umzingelt wird: Ende. Was bleibt zu sagen über einen Film wie Antichrist? Es wird wieder die Kritiker geben, die den Film in höchsten Tönen loben, auf der anderen Seite wird es auch wieder welche geben, die ihn in der Luft zerreisen werden. Ich enthalte mich so einer glasklaren Unterteilung und sehe sowohl das gute als auch das schlechte in dem Film. Also halten wir mal fest: Das gute ist die finstere Stimmung, die sich breit macht, und die Schockszenen schocken auch wirklich. Auch die Schauspieler leisten sensationelle Arbeit. Das schlechte allerdings ist die Inzenzierung, denn oft wirken die zarten Schwarzweiß-Bilder, die ruhige Musik und nicht zu vergessen die optisch wirklich schlechten Computereffekte eher für Ernüchterung. Ein Film wie Antichrist will einfach nur auf nie gezeigte Weise erschüttern. Ich finde den Film wirklich nicht abgrundtief schlecht, dazu hat er mir selbst zu sehr Unbehagen bereitet, aber von einer hohen Note ist er genauso entfernt. Viele denken es, ich aber nicht: Nicht alles, was Kunst ist, muss auch gleich ein Meisterwerk sein,

Fazit

Gemeiner Film, der zwar mit guten Schauspielern punkten kann, mit einigen seiner platten Schockeffekte und zum Teil absurden Bildern nach anfänglichem Schrecken aber eher zum kopfschütteln animiert.

4/10

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