Review

Hier haben wir mal wieder einen Film über das Erwachsenwerden. Ich hab mir so viel von "Arizona Dream" erwartet, doch aus diese Erwartungshaltung wurde mir dann letztendlich zum Verhängnis. Doch warum ?

Der Film beginnt mit einer Traumsequenz des Protagonisten Axel. Er träumt von Eskimos und Fischen. Liegt vielleicht auch daran, dass er als "Fischgott" arbeitet, wie er sich selbst bezeichnet. Axel ist 21, ohne Eltern und nicht unbedingt so, wie man es von einem jungen Mann in seinem Alter erwartet. Nun steht die Hochzeit seines Onkels Leo an, der seit Lebzeiten von Cadillacs träumt, die bis zum Mond aufeinander gestapelt sind. Elaine, Grace und Axels Jugendfreund Paul komplettieren die schräge und eigenartige Runde.

Was passiert denn eigentlich in den Film, dauert er doch über 2 Stunden ? Nicht viel. Axel beginnt seine Karriere als Autoverkäufer, lernt Elaine und deren Tochter Grace dabei kennen, verliebt sich in die eine und dann auch in die andere, zieht mit ihnen aufs Land, versucht, Elaine ihren Traum vom Fliegen zu erfüllen und kümmert sich um die suizidgefährdete Grace. Paul ist stets auch mit von der Partie, weiß aber nicht so recht ins Geschehen zu passen und der Film endet dann irgendwann und man frägt sich, was das jetzt denn alles war.

"Arizona Dream" ist garantiert kein schlechter Film, von seiner Inszenierung her aber dafür umso eigenwilliger. Würde ich nicht wissen, dass es definitiv nicht so ist, würde mir sofort der Name Tim Burton durch den Kopf schießen, denn was hier an Skurrilität geboten wird, das ist schon aller Ehren Wert. Nur dass ich auf derartige Filme nicht gerade stehe und auch kein vollkommener Befürworter von Burtons Klassikern bin. So mag "Arizona Dream" mit seiner Optik durchaus zu gefallen, doch die Abgedrehtheitsskala wird fast schon gesprengt und irgendwie bleiben Sympathien für die Charaktere so völlig auf der Strecke. So erging es mir. Im Mittelpunkt, wenn man überhaupt eine Person zentralisieren möchte, steht natürlich Axel, der noch mit einer gehörigen Portion Naivität ausgestattet ist und sich in die reife Elaine verliebt und somit auch zum ersten Mal so etwas wie Gefühle empfindet. Der Film nimmt sich dabei nicht sonderlich ernst und Alles kommt einem irgendwie überspitzt vor, was nach einer Zeit einfach nervt. Die Musikuntermalung geht einem auch irgendwann auf die Nerven, vor allem wenn dann gegen Ende immer wieder diese Folklore-Typen aufkreuzen und auf ihren Instrumenten zum x-ten Mal irgendwelche Lieder von sich geben, die nicht der Rede wert sind und einfach stören. Auch gibt es da zu viele Szenen, denen wohl niemand was in Sachen Skurrilität vormacht (ich denke da an das Abendessen mit Paul, Axel, Elaine und Grace), doch das ist ja auch nicht der Sinn des Ganzen. Für mich war das einfach zu abgedreht. Weil der Film ganz simpel hätte sein können, dafür umso besser. Denn die Sympathien gehen einfach im Verlauf des Films flöten, da alle Charaktere dermaßen abgefahren gezeichnet wurden, dass es einfach auch gar keinen Spaß mehr macht, sich die Entwicklung derer weiterhin konzentriert anzusehen.

Jedem wird irgendwie sein Traum, den er seit jeher hat, erfüllt und Axel entpuppt sich am Ende des Films zwar als nicht viel älter als noch zu Beginn, doch gelernt hat er so Einiges, weswegen er endlich auch die Reife besitzt, über die der Fisch mit den beiden Augen auf einer Seite, der elementare Bestandteil seines Traums, auch verfügt. Elaine darf endlich fliegen, Paul ein wenig schauspielern und auch Grace versucht alles, um in ihrem nächsten Leben als Schildkröte geboren zu werden.

Rein optisch, wie gesagt, hat der Film einige tolle Aufnahmen und Kameraeinstellungen zu bieten und das Visuelle rettet somit doch Einiges. Auch hier gibt es hier und da Burtonsche Methoden, wenn schon mal ein Fisch durch das Bild fliegt, mit beiden Augen auf einer Seite. Die Liebesgeschichten im Film sind auch mehr schlecht als recht, auch die sind mir einfach mit der Zeit auf die Nerven gegangen.

"Arizona Dream" hat vielleicht sogar Riesenpotenzial, doch die Aufmachung und Art und Weise, wie er inszeniert worden ist, raubt dieses schon im Ansatz. Zumindest zu einem großen Teil. Letztendlich entstanden ist ein skurriles, aber irgendwie nettes Werk über das Erwachsenwerden, das aber zu wenig Gefühle freisetzt und als Gesamtwerk sicher nicht den Eindruck hinterlässt, den es hätte tun können. Von den Schauspielern her besticht wieder einmal Vincent Gallo, der seine Szenen mit dem Flugzeugangriff einfach nur höchst passabel spielt. Der Rest der Crew ist irgendwie doch recht nervend, was aber eher an den Charakteren als an den Schauspielern liegt.

Zunächst noch ganz unterhaltsam, aber danach immer skurriler und komischer. Sicherlich kein schlechter Film, aber allein das abgefahrene Element rettet ihn sicher nicht davor, irgendwie etwas Besonderes zu sein. Denn insgesamt gesehen ist es ein ganz alltäglicher Film, der es, auch aufgrund einiger Längen, gerade mal schafft, etwas über dem Durchschnitt zu liegen.

6,5/10 Punkte

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