Review

Wie reißerisch doch einige alte Schinken einen recht freien deutschen Titel aufgedrückt bekamen, um insbesondere eingefleischte Horrorfans anzulocken.
Denn es geht weder um schreiende Frauen, noch spielt sich die Geisterei ausschließlich in einem Turm ab, - vielmehr bietet der leicht muffelig wirkende Grusler solide Kost mit ein paar netten Tricks aus der Mottenkiste.

Der Leuchtturm auf der Insel soll in naher Zukunft abgerissen werden, doch zuvor bricht die Geliebte Vi, die noch einmal um die Gunst des Jazz-Pianisten Tom buhlt, durch die Planke und stürzt in die Klippen. Tom hätte sie mit einem beherzten Griff retten können, doch da sie drohte ihn bei seiner Neuen zu verpetzen, unterließ er es.
Nun steht die Hochzeit mit Meg an, doch die Vorzeichen stehen ungünstig, da der Geist Vi´s mit allen Mitteln interveniert…

Was für den Streifen spricht, ist seine angenehm altmodische Form, insbesondere der Umgangsformen, die eher zu den biederen Fünfzigern zuzurechnen sind.
Dazu gesellt sich die zuweilen stocksteife Mimik der Akteure, welche phasenweise recht unbeholfen dreinschauen, als wüssten sie nicht, was sie da eigentlich ausdrücken wollen.
Erstaunlich gut spielt demgegenüber Meg´s Filmschwester Sandy, Susan Gordon, die als neugierige Achtjährige frischen Wind in die Geschichte bringt, welche ansonsten doch recht angestaubt daherkommt.

Denn die Story vom Rachegeist, der den vermeintlichen Peiniger verfolgt und langsam zum Wahnsinn treibt, war ebenfalls in den Fünfzigern recht beliebt und auch in der Dekade davor zerrten Filme häufig von Schuldgefühlen der Hauptfiguren, die ihr Gewissen irgendwie wieder rein waschen wollten.
Hier stürzt sich Tom in seine Arbeit als Pianist und in die Hochzeit mit Meg.
Derweil gibt es ein paar trashige Effekte zu bewundern, wie Fußspuren einer Unsichtbaren, in Sekunden verwelkende Blumen, hallende Stimmen und ein abgetrennter, sprechender Kopf.

Der Verlauf bietet ein paar atmosphärische Einstellungen, wie die im nächtlichen Leuchtturm oder im Arbeitszimmer von Tom, während eine Nebenfigur wie ein Bootsmann hinter das Geheimnis kommt und Tom zu erpressen versucht.
Dazu kommen kleine Aufheiterungen wie der nörgelnde Schwiegervater oder unheimliche Andeutungen wie die Legende eines toten Jungen, die von einer blinden Haushälterin vorgetragen wird.

Das Tempo ist bei alledem nicht sonderlich hoch, doch der Fluss gerät nie ins Stocken, da sich ruhige Passagen und stimmungsvolle Einstellungen die Waage halten, nur gegen Ende wird ein zu abrupter Ausgang gewählt, der frühzeitig abzusehen war.
Denn wenn es um einen Unfall auf dem Leuchtturm und die Rache einer Frau geht, ist beinahe schon klar, wie sich diese Rache erfüllen könnte und ob denn während der Hochzeitsfeier alles ruhig verlaufen wird.

Alles in allem geht „Tormented“ mit all seinen leicht trashigen Zutaten, der etwas eindimensionalen Story einschließlich netter Schlusseinstellung völlig in Ordnung, wenn man denn nicht aufgrund des reißerischen deutschen Titels so etwas wie einen Zombiefilm erwartet.
Wirkt auch für damalige Standards zwar ein wenig schlicht und billig, doch davon geht wiederum ein gewisser Charme aus, der auch heute noch Sympathiepunkte einfährt.
In dieser Form hätte man ihn allerdings bereits in den Vierzigern drehen können…
6 von 10

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