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Es wird wohl niemand jemals Bert I. Gordon vorwerfen, er habe richtig tolle Filme gemacht.
Der Großmeister der mies getricksten Monsterfilme hat so einige Gurken entworfen, die aber auch heute noch SF-Fans mit fassungslosem Erstauen zurück lassen, wie so etwas überhaupt lebend aus dem Kopierwerk kommen konnte.

Dabei hatte Gordon Spaß an seiner Arbeit und eine Menge Charme, wenn man seine wirklich gelungen Arbeiten wie „Ascalon“ oder „Jimmy und die Piraten“ mal anschaut.

In Sachen Thriller war er nicht ganz so häufig unterwegs wie mit photographisch vergrößerten Krabbeltieren, aber dennoch kann man seinen ersten richtigen Gruselfilm, „Tormented“, der bei uns ganz richtig „Turm der schreienden Frauen“ heißt, durchaus anschauen, wenn man denn mal eine solide bearbeitete Kopie in die Finger bekommt.

Das soll natürlich noch lange nicht heißen, wir hätten es mit einem RICHTIG guten Film zu tun, aber für Gordons Verhältnisse ist das Ergebnis vergleichsweise angenehm.

Im Kern geht es um die gute alte Geistergeschichte von der verschmähten Liebschaft, die ihren Galan (der sie in einem schwachen Moment, in einer Zwickmühle gefangen, einfach vom Leuchtturm hat fallen lassen) aus dem Totenreich bis vor den Traualtar verfolgt.
Richard Carlson (ehemals ruhmvoll in „Gefahr aus dem Weltall“ und „Der Schrecken vom Amazonas“) ist der Treulose, der zwar eine Verlobte, aber eben auch eine sehr klebrige alte Liebschaft hat, die ihn nun wirklich NIEMALS ziehen lassen will. Da kommt ihm die brüchige Statik des Leuchtturmgeländers zu Hilfe, doch damit fängt der Zauber erst an. Denn nun folgen ihm nasse Fußabdrücke im Sand, die Leiche wird angespült und verwandelt sich in einen Haufen Seetang und später heult ihm der Geist seiner Verlebten an allen Ecken und Enden die Ohren voll, wenn sie nicht den Titelsong auflegt oder als körperloser Kopf bösartige Kommentare von sich gibt.

Das alles geht Gordon – nebenbei noch höchstpersönlich für die Spezialeffekte verantwortlich – mit mittelmäßigen Spiegeleinblendungen und Stopptricks an, die Seetangverwandlung muss auch durch so einen Nach-und-Nachbearbeitung, leider ohne Finesse.

Das alles geht Gordon mit sehr viel Drive in den ersten 25 Minuten, dann aber fängt der Plot an zu stocken, spätestens wenn eben ein etwas seltsamer Typ auftaucht, der leider von der Anwesenheit der Toten vor Ort weiß und noch eine Rechnung (über 5 Dollar) offen hat. Der geschulte Columbo-Kenner weiß: das ist Motiv genug für noch einen Toten. Als er aber dann den unbequemen Zeugen umlümmelt, ist leider das Grundschuldmägdelein seiner Verlobten im Leuchtturm vor Ort und kriegt vor dem sonst so netten Onkel übelst Panik. Man ahnt schon, wo das endet…

Viel Geisterspuk, dann viel Gerede und am Ende vor dem Traualtar dann noch einmal in die Vollen, ich hab schon Langweiligeres gesehen (der Film ist auch nur 74 Minuten lang und hat einen viel zu langen, halb infernalischen Jazz-Vorspann), muss mich aber auch mit vielen technischen Unzulänglichkeiten arrangieren, vor allem auch dem Ton, der vor der donnernden Brandung meistens nur halb zu verstehen ist.

Weil ich Onkel Bert aber irgendwie lieb habe, spendiere ich ihm eine treuherzige Durchschnittswertung, weil die Darsteller sich ordentlich Mühe geben und es nicht gar zu viele Logiklöcher gibt. In Sachen Originaltitel wird man hier also nicht wirklich gequält. (5/10)

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