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Ein kleiner Ort irgendwo im hintersten Südkorea: der gutmütige und zurückgebliebene Do-Joon lebt mit seiner überfürsorglichen Mutter in einer kleinen Wohnung. Sie hat einen kleinen Kräuterladen und macht nebenher noch etwas schwarz Akupunktur. Eines Tages findet man die Leiche einer Schülerin und schnell wird Do-Joon zum Verdächtigen, schließlich lag neben der Leiche ein Golfball mit seinem Namen (der tatsächlich ihm gehört) und verhaftet. Seine panische Mutter setzt alle Hebel in Bewegung, um ihn zu retten. Sie sucht auf eigene Faust Beweise, engagiert einen Anwalt und Schläger, um Aussagen zu erpressen...

Nach dem wunderbaren "Host", einem Monsterfilm mit starken familiären Bindungen, gibt es nun den neuen Film von Joon-ho Bong, nämlich "Mother". Diese namenlose Mutter, fantastisch gespielt von der wunderbaren TV-Schauspielerin Hye-ja Kim, ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Und da sie in nahezu jeder Szene des Films zu sehen ist, ist dem Regisseur auch das Kunststück gelungen, einen plastischen Charakter zu schaffen, der in seiner Konsequenz und Bestimmtheit ein Drama zwischen Mutter und Sohn auslöst. Sie kann nicht glauben, dass ihr Sohn, der nicht einmal einem Käfer etwas zuleide tun kann, ein einsames Mädchen töten kann. Je tiefer sie in die Lösung dieses Mordes vordringt, umso merkt sie selbst (und der Zuschauer), welche Motive sie wirklich antreiben. Es ist weniger ein untrügliches Gerechtigkeitsgefühl, als vielmehr eine unbewältigte Vergangenheit und verdrängte Schuldgefühle. Immer mehr rückt schließlich der Kriminalfall in den Hintergrund, um Platz zu machen für ein komplexes Porträt einer schwierigen Beziehung, die aber gleichzeitig auch Licht auf südkoreanische Befindlichkeiten wirft.
Und diesen ganzen Wust schafft Bong, in großartige Bilder, perfekte Stimmungen und in eine schlüssige, spannende Handlung fließen zu lassen. Alles steht im Zusammenhang, das erste Bild schließt mit dem letzten Bild einen Kreis, in dem Mutter und Sohn in einer verhängnisvollen Konstellation zueinander stehen.
Dabei gibt es auch noch Momente herrlicher schwarzer Komik, die dem Geschehen auf der Leinwand eine gewisse Leichtigkeit geben - sonst wäre "Mother" wohl an zu viel Drama erstickt, aber so schafft es der Film, ein faszinierendes Portrait einer Frau zu schaffen, das den Zuschauer in einen Sog zieht, der geradezu irritierend intensiv ist, ohne dabei zu wuchtig oder prätentiös zu wirken. Manchmal glaube ich, solche Filme gibt es im Moment nur aus Südkorea und sie können es einfach. Warum das so ist, würde ich auch mal gerne wissen. Aber egal, auch wenn man es nicht weiß: sehr, sehr lohnend. Irgendwas zwischen 9 und 10.

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