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Sequels zu Italowestern waren eine Seltenheit, wurden doch fast alle Geschichten immer direkt zuende erzählt und blieb auch nie genug Stoff, um das Thema noch einmal aufzugreifen. Da mussten schon schillernde Charaktere wie Gianni Garkos Sartana oder Lee Van Cleefs Sabata her, um weitere Einsätze zu rechtfertigen.
Gerade deswegen ist es fraglich, warum Alfonso Balcázar („Dynamite Jim“, „Operation Taifun“) dem schon nur soliden „Tal der Hoffnung“ fünf Jahre später ein zweites, unnötiges Kapitel bescherte. Vielleicht war es die Freundschaft zu seinem Hauptdarsteller George Martin („Für ein paar Leichen mehr“, „Freibeuter der Meere“), vielleicht wollte er mit einem scheiternden Konzept den 1972 bereits abdankenden Italowestern in seiner letzten Phase aber noch einmal neue Impulse geben, indem er auf die reichlich verquere Idee kam die Tugenden des amerikanischen Westerns, von dem sich die frühen Italobeiträge bestimmt distanzierten, in ein typisches Storykonstrukt des Italowesterns einzubetten.

„Ein Einsamer kehrt zurück“ erweist sich leider als eine konsequent schlechte Idee, die sich zwischen familiärem Drama und dem klassischen Duell Gut gegen Böse nicht entscheiden kann, sein Ziel aus den Augen verliert und so unentschlossen zu einem Happy End fegt, das sich wirklich kaum noch mit seinem eigenen Genre identifiziert. Immerhin besorgt Maestro Ennio Morricone höchstpersönlich den guten Score, der den Film noch einmal etwas aufwertet und eigentlich auch viel zu gut für ihn ist.

Clint (George Martin), der in „Tal der Hoffnung“ gegen den Willen seiner Frau Vergeltung für den Tod seines Bruders nahm, dafür verurteilt wurde und sich nun auf der Flucht befindet, kehrt nach 5 Jahren mit tarnender Rotzbremse, in seine Heimatstadt zurück, um dort festzustellen, dass seine Frau zusammen mit den Kindern von dort wegziehen musste und man ihn dort längst nicht vergessen hat. Nach einem kurzen Feuergefecht zieht er weiter und findet seine Familie auch wieder. Sein Sohn überschüttet ihn nach seiner Ankunft genauso mit Vorwürfen wie seine Frau, die sich jahrelang im Stich gelassen gefühlt hat und ihn sofort wieder fortschicken will. Nur dank der Initiative seiner junge Tochter, die ihren Papa gar nicht kennt, kann er auf der Farm bleiben und mit anpacken. Gleichzeitig schwört er den Waffen ab, betont sich ändern zu wollen und versucht krampfhaft wieder von Sohn und Ehefrau akzeptiert zu werden.

Als Drama scheitert „Ein Einsamer kehrt zurück“ allein schon aufgrund seiner klischeehaften Entwicklung, die sich kaum über dem Niveau einer Seifenoper bewegt und ebenso in superkitschigen Momenten festgehalten wird. Der Sohn steckt voller Hass und Verachtung für seinen Erzeuger, die unwissende, ihren Vater für tot haltende Tochter schließt den Fremden sofort in ihr Herz und begleitet ihn auf Schritt und Tritt und seine Frau kann sich nicht so recht entscheiden, wie sie sich nun angesichts der unterschiedlichen Verhaltensweisen ihrer Kinder äußern soll. Clint selbst versumpft in seinem inneren Konflikt und versucht krampfhaft zu ignorieren, dass um ihn herum viel Unrecht geschieht, weil er schließlich versprochen nie wieder zur Waffe zu greifen. So muss er zur Tatenlosigkeit gezwungen dem Lokalterrorismus eines Großgrundbesitzers, der alle Bauern aus dem Tal vertreiben will, tatenlos zusehen, womit er seinen gedemütigten Sohn wiederum schwer enttäuscht.

Klaus Kinski habe ich darüber hinaus noch nie so ineffektiv besetzt gesehen. Wie ein handzahmes Relikt aus „Leichen pflastern seinen Weg“ sieht er es als Kopfgeldjäger Scott auf Clints 5000 Dollar betragendes Kopfgeld ab. Da er nur seinen Namen kennt und Clint sich selbstverständlich inkognito bewegt, muss Kinski auf einen Verdacht hinarbeiten, beobachten, schlussfolgern und erst zur Tat schreiten, wenn er sich seiner Sache sicher sein kann. Dass er zum Ende dann auch noch ein großes Herz zeigt und für Clint Verständnis aufbringt, ist geradezu Verrat an seiner Person und den von ihm geprägten Typus. Ohne sich groß in Szene setzen zu können, fungiert Kinski nahezu durchgehend als passive Nebenfigur, die ihre wahren Charakterzüge nur einmal andeuten darf und ansonsten zum Zuschauen verdammt wird. Was für eine Schande diesen begnadeten Darsteller, der vorher und auch nachher im Alleingang mit seinen unverwechselbaren Manierismen schlechtere Filme sehenswert machte, so fahrlässig zu verschenken.

Das genesende Familienleben braucht darüber hinaus seine Zeit, zumal Clint sich gegenüber seiner Tochter erst einmal nicht als Vater outen möchte, nur zum Arbeiten auf der Farm erscheint und in der nahe gelegenen Stadt wohnt, wo er schon bald an ungehobelte Gestalten gerät, die ihn schließlich auch zur Weißglut treiben, was zu einer zünftigen Prügelei gereicht, die er gegenüber seiner Familie aber nicht eingesteht.
Die innere Zerrissenheit Clints, stetig fundiert mit eingefärbten Flashbacks, kann von dem seltsam emotionslos spielenden George Martin nur ungenügend wiedergegeben werden. Denn obwohl es ihn drängt für Gerechtigkeit zu sorgen und dem Treiben ein Ende zu machen, will er den selben Fehler nicht noch einmal begehen und seine Familie endgültig verlieren. Trotzdem soll die Geschichte sich wiederholen, weil gerade sein verständnisloser Sohn in seinem Wandel plötzlich die Geburt eines Feiglings sieht. Erst der Angriff auf ihn und seine Familie bewegt Clint zu einem Entschluss, der zu einem sehr entschlossenen, aber zu kurzen Showdown führt.

Echte Melancholie kann Alfonso Balcázar trotz seiner tragischen Hauptfigur nicht aufbauen, sondern kredenzt zu oft Kitsch und auch als Abgesang auf den treffsicheren Revolverhelden, der endlich sein Heil in der familiären Idylle sucht, funktioniert „Ein Einsamer kehrt zurück“ leider überhaupt nicht.
Dass mag auch ein wenig an seiner abgegrabbelten Inszenierung liegen, die innovationslos und auch nicht sonderlich atmosphärisch ein weitestgehend entvölkertes Szenario kreiert, in der nur die zwingend notwenigen Figuren herumstreunen. Italowestern wie beispielsweise „Ein Dollar zwischen den Zähnen“ steht so ein dezent postapokalyptischer Look vortrefflich zu Gesicht, weil die nihilistische Stimmung dazu passt, was man von dieser leblosen Familienidylle nicht behaupten kann.

Italowestern-Fans kommen insgesamt also kaum auf ihre Kosten, denn von den jahrelang das Subgenre dominierenden Leitmotiven ist nichts mehr übrig und auch die Figuren erinnern nur noch ansatzweise an die Archetypen, die diese Filmbewegung einst groß machten.
Spannend ist „Ein Einsamer kehrt zurück“ darüber hinaus auch nicht und einen echten Shootout gibt es nur im kurzen Showdown, weil das lediglich mittelprächtig inszenierte und inhaltlich einfach total kitschige, vorhersehbare Familiendrama den Schwerpunkt darstellt, das durch einen längst abgewetzten Konflikt final sein Glück finden soll.


Fazit:
Keineswegs überzeugt Alfonso Balcázar mit seinem späten, überflüssigen Sequel, das von blassen Darstellern gesäumt wird. Selbst Klaus Kinski erhält keine Gelegenheit sich in Szene zu setzen. Der zum Scheitern verurteilte Versuch eines ambitionierten Dramas, das einen geläuterten Ehemann wieder in seine Familie integriert, wenn er denn aller Gewalt abschwört, nervt mit Pathos und Kitsch szenenlang bis zum Erbrechen. Da hilft auch der belanglos herumgeschriebene Plot um terrorisierte Bauern nicht weiter. Langatmig und emotionslos kämpft der austauschbare George Martin sich nach dem abweisenden Verhalten seiner Familie, die, obwohl er sich redlich bemüht das Richtige zu tun, ihn ständig verurteilt, dazu durch die Probleme doch mit der Waffe zu lösen. Unentschlossen, misskonzipiert und dazu noch fade inszeniert.

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