Review

Mit dem ersten Teil ist John McTiernan einer der größten, gewaltigsten und erfolgreichsten Actionfilme aller Zeiten gelungen und natürlich war sehr schnell klar, daß es eine Fortsetzung geben würde. 1990, nur zwei Jahre nach dem ersten Teil, wurde diese gedreht - und zwar unter dem Vorsatz "noch actionreicher, noch spannender, noch spektakulärer und noch härter!".

John McTiernan drehte lieber "Jagd auf Roter Oktober" und man gab deshalb einem völlig unbekannten Regisseur den Job: Renny Harlin! Mittlerweile kennt man ihn als Regisseur von Filmen wie "Cliffhanger", "Die Piratenbraut", "The Long Kiss Goodnight" oder "Deep Blue Sea", aber vor "Stirb langsam 2" hatte er nur die Horrorfilme "Prison" und "Nightmare on Elm Street 4" gedreht. Man ging also ein noch größeres Risiko ein als zwei Jahre zuvor mit John McTiernan, denn der hatte wenigstens schon "Predator" inszeniert.

Doch genau wie McTiernan erwies sich auch Renny Harlin als Glücksgriff, denn mit seinem Talent machte er aus "Stirb langsam 2" eine der besten, spannendsten und rasantesten Actionfortsetzungen der Filmgeschichte! Das der Film gegenüber dem ersten Teil etwas abfallen würde, war eigentlich klar, denn ein zweites Mal konnte kein Meisterwerk wie "Stirb langsam" gelingen. Dennoch kann man mit dieser Fortsetzung mehr als zufrieden sein.

Die Story:
Wieder ist Weihnachten, wieder ist Cop McClane zur falschen Zeit am falschen Ort! Diesmal will er nur seine Frau Holly vom Flughafen abholen, doch bevor ihre Maschine landen kann, schneiden Terroristen dem Flughafen die Stromleitungen durch. Der Flughafen ist absolut dunkel, keine einzige Lampe brennt mehr und die Landebahn ist auch nicht zu erkennen. Durch den regen Weihnachtsverkehr sammeln sich am Himmel über dem Flughafen schnell dutzende Passagiermaschinen, die alle kaum noch Treibstoff besitzen und abzustürzen drohen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn Holly's Maschine hat nur noch für knappe 90 Minuten Treibstoff! McClane macht das, was er am besten kann: Terroristen töten!

Die Story des Films ist einfach eine kleine Variation des ersten Teils, man kämpft nicht mehr im Hochhaus, sondern auf dem Flughafen. Nur Teil 3 war in der Lage, der Story um McClane neue, originelle Gesichtspunkte abzugewinnen. Hier spielt sich alles ähnlich ab wie in Teil 1, nur mindestens genauso spektakulär und atemberaubend.

Zu den spannendsten Szenen des Films gehört die, in der McClane im Cockpit eines gerade gelandeten Flugzeugs eingeschlossen ist und ein paar Terroristen eine Handgranate nach der anderen reinschmeißen. In letzter Sekunde kann McClane sich mit dem Schleudersitz aus dem Cockpit katapultieren, unter ihm gehen die Granaten mit einer wahnsinnigen Explosion hoch. Ähnlich beeindruckend wird es am Ende, als es auf der Tragfläche eines startenden Flugzeugs zu einem Zweikampf kommt, bei dem ein Terrorist von einer Turbine geschluckt wird. Auch hier gibt es wieder eine gigantische Explosion zu bewundern, die der des ersten Teils in fast nichts nachsteht.

Man kann den Pyrotechnikern nur gratulieren, da wird einem wirklich was geboten. Natürlich gibt es noch unzählige andere Szenen, in denen man ähnlich beeindruckt vor dem Fernseher hockt!

Die Story des Films würde ich gegenüber Teil 1 dennoch als fast noch spannender bezeichnen, denn die Situation mit den am Himmel feststeckenden Flugzeugen und viele einzelne Sequenzen sind wirklich nervenzerfetzend spannend! Allerdings hat sie auch einen Nachteil, der mich sehr gestört hat und des Film im Gesamtbild doch etwas schwächer dastehen läßt. Die klaustrophobische Stimmung des ersten Teils geht fast völlig verloren, denn das Besondere an Teil 1 wird hier weggelassen: die Abgeschiedenheit von der Außenwelt, in der sich McClane in Teil 1 befand.
Er war völlig von der Außenwelt abgeschottet, hatte lediglich Funkkontakt zu einem Streifenpolizisten. Hier hingegen tummeln sich tausend Leute um ihn herum, alle in heller Aufruhr. Ein Sonderkommando wird eingeflogen, aber genauso schnell dezimiert, zudem hat er viele Helfer wie etwa den "Hausmeister", der im Keller des Airports wohnt. Die Tatsache, daß Bruce Willis völlig auf sich allein gestellt war, machte den ersten Teil zu etwas Besonderem, daß es vorher noch nicht gegeben hatte. Hier verkommt der Film zumindest in dieser Hinsicht zu einem "normalen" Actionthriller, was schade ist.

Natürlich kommt auch hier der (teilweise rabenschwarze!) Humor nicht zu kurz und wieder hat McClane jede Menge coole Sprüche auf Lager, die die Abgänge der ganzen Terroristen zusätzlich versüßen!

Noch ein Minuspunkt im Vergleich mit Teil 1 ist der Oberfiesling des Films. William Sadler ist sicherlich keine schlechte Wahl gewesen, nur hat Alan Rickman als Hans Gruber bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Besonders sein legendärer Abgang ist mir im Gedächtnis geblieben, solche Szenen vermisst man in Teil 2. Wie gesagt, Sadler ist nicht schlecht und größtenteils durchaus bedrohlich und angsteinflößend, aber das diabolische Charisma eines Alan Rickman, welches die Figur Hans Gruber ausgezeichnet hat, besitzt er leider nicht. Seine Figut hat zuwenig eigenständige Szenen, um sich wirklich entwickeln zu können.

Was bleibt, ist eine enorm spannende Story, irre Stunts und ein Bruce Willis in Bestform. Trotz der oben angesprochenen Nachteile gehört "Stirb langsam 2" zu den besten Actionfilmen überhaupt, denn die Stunts, die Explosionen und die Schießereien stehen denen aus Teil 1 wirklich in nichts nach. Außerdem war die verschneite Gegend auf dem Airport und um den Airport herum (bei der Kirche, etc.) sehr schön anzusehen.

An Magie verliert das Ganze ein bißchen, wenn man sich das "Making of" anguckt und feststellt, daß der Schnee komplett künstlich war. Dennoch kommt der Schnee und das ganze Drumherum optisch sehr gut rüber und bringt einem doch die weihnachtliche Stimmung, in der sich McClane eigentlich befinden müßte, richtig nahe. Die geniale Inszenierung von Renny Harlin, die Kamera, Licht und Action perfekt kombiniert, tut den Rest. So hat es sich für die Produzenten, die erneut voll auf Risiko gegangen sind, erneut ausgezahlt.

"Stirb langsam 2" ist eine Fortsetzung, wie sie sein sollte: spannend, spektakulär, gewaltig und mit halsbrecherischen Stunts! Dem Vergleich mit Teil 1 hält der Film keine Sekunde stand, aber erstklassige Unterhaltung bietet er dennoch.

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