Auf die Eins folgt die Zwei. Dieser einfachen Grundregel folgend, machte sich Warner nach dem immensen Erfolg von "Die Hard" sofort an eine Fortsetzung, die dann zwei Jahre später in die Kinos kam.
Natürlich hielt man an der Hauptfigur fest, tauschte aber weite Teile des Teams aus. So ersetzt Oliver Wood Jan de Bont an der Kamera und Renny Harlin macht nun Platz auf dem Regiestuhl. Ob er John McTiernan das Wasser reichen kann?
Der Film hält sich nicht lange auf und schickt uns in medias res gleich auf einen verschneiten Washingtoner Flughafen. Natürlich zur Weihnachtszeit. Hier wartet John McClane auf seine Ex-Exfrau. Wir erfahren, dass er mittlerweile zu ihr nach LA gezogen ist. Na, dann ist ja alles in Butter.
Um ihm das Weihnachtsfest zu vermiesen, kapert jedoch ein Haufen Söldner den Flughafen und bringt ihn unter seine technische Kontrolle, um einen südamerikanischen General und Drogendealer freizupressen. Und los gehts.
Das veränderte Setting verändert dabei aber eben auch die Grundkonstellation "einer gegen alle" erheblich. McClane bewegt sich nicht abgegrenzt von der Außenwelt, sondern agiert vis-à-vis mit seinen "Mitstreitern". So müssen sich (wie im ersten Teil) alle anderen Verbrechensbekämpfer als totale Vollidioten anstellen, damit der Held seinen Alleingang machen kann.
Wesentlich uncharismatischer und unausgeleuchteter erscheinen die bösen Buben, allem voran William Sadler, die leider keinen bleibenden Eindruck hinterlassen können. Das liegt vor allem an der schlechten Figurengestaltung des Drehbuchs, das sich eigentlich nur auf den Grundplot und die damit verbundene Action konzentriert. Die Bösen sind hier wesentlich böser als im Vorgänger, bringen sie doch in der Weihnachtszeit eine voll besetzte Passagiermaschine zum Abstürzen. Eindeutig eine Folge des Überbietens, einem Phänomen, dem Sequels ja meistens anheim fallen, das aber nur selten zu einem Mehr an Gesamtqualität führt. An die Klasse eines Alan Rickman kommt hier keiner ran. Auch nicht Franco Nero, der als General Esperanza nur wenig Screentime hat und sich hauptsächlich durch Passivität auszeichnet. Eine verschenkte Möglichkeit, wie ich finde.
Dem schlechteren Drehbuch folgen dann noch Kamera, Schnitt und Regie, die dem Original in allen Lebenslagen unterlegen sind. Renny Harlin ist ein untalentierter, unkreativer und "stets bemühter" Regisseur, dem man in die Hand geben kann, was man will: Jemand anderes hätte es immer besser gemacht. Und das ist im Fall von "Stirb langsam 2" wirklich schade, denn auch wenn in allen Lagen die Qualität des ersten Teils nicht erreicht wird, bleibt die Fortsetzung ein immer noch überdurchschnittlicher Actionfilm, der eben nur gemessen am Vorgänger ziemlich abstinkt.
Manches nervt aber auch losgelöst betrachtet tierisch. Die oftmals etwas gestelzten und erzwungenen Actionsequenzen, in denen Bruce Willis sich sekundenlang über den Boden rollt, um dem Feuer aus zwei Maschinenpistolen (!) auszuweichen und dabei wie Mel Gibson zu schießen, ohne nach dreißig Schüssen auch nur einmal das Magazin zu wechseln, nehmen dem Film einen wesentlichen Aspekt. Die permanente Bedrohung des Protagonisten weicht hier dem genretypischen Überhelden, den man nie so wirklich in Gefahr wähnt. Die bösen Buben dienen dabei nur als Kanonenfutter und strahlen irgendwie keine Gefahr für den guten Buben aus. Dadurch geht ein Großteil der Spannung verloren.
Fazit
Das schwierige Unterfangen, die Qualität von "Stirb langsam" aufrecht zu halten, ist definitv gescheitert. Dies liegt an einem schlechten Regisseur und einem schwächeren Drehbuch. Originell ist hier nichts mehr und insgesamt gestaltet sich "Stirb langsam 2" wesentlich konservativer als sein Vorgänger. Aber John McClane bleibt John McClane und das nicht uninteressante Setting, ein Chefkameramann, dem selbst Harlin nicht alles ruiniert und ein hohes Budget halten den Film auf überdurchschnittlichem Niveau. Gemessen am Vorbild wäre es sechs Punkte. Gemessen am Genre bleiben aber 8 Punkte für einen unterhaltsamen, wenn auch etwas unausgegorenen und uninspirierten Actionfilm, der in keiner Action-Sammlung fehlen sollte.